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Automatica 2010

Roboter erobern die Medizintechnik

| Redakteur: Jürgen Schreier

Sie polieren künstliche Hüftgelenke, ziehen Spritzen auf und stehen schließlich selbst am Operationstisch: Roboter erobern immer neue Bereiche der Pharma- und Medizintechnik. Montage- und Handhabungstechnik, Robotik und industrielle Bildverarbeitung bieten gravierende Vorteile für Produzenten, Patienten und Personal. Die internationale Fachmesse Automatica 2010, die vom 8. bis 11. Juni 2010 auf dem Gelände der Messe München stattfindet, bietet einen Überblick über das Leistungsspektrum der Automation in dieser Wachstumsbranche.

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Stäubli-Roboter in Stericlean-Ausführung erlauben erstmals den Einsatz unter extremen Laborbedingungen Bild: Stäubli
Stäubli-Roboter in Stericlean-Ausführung erlauben erstmals den Einsatz unter extremen Laborbedingungen Bild: Stäubli
( Archiv: Vogel Business Media )

In welch rasantem Tempo die Automatisierungstechnik in sensible Produktionsbereiche der Pharma- und Medizintechnik Einzug hält, ist selbst für Brancheninsider überraschend. Dabei sind die Einstiegsvoraussetzungen für Anlagen, Komponenten und Roboter in dieser Champions League der Automation alles andere als einfach zu erfüllen. So müssen Montageanlagen für Medical Devices in den meisten Fällen anspruchsvolle Reinraumklassifizierungen erfüllen. Welchen Aufwand dies im Einzelfall bedeutet und wie die Anlagenhersteller die Anforderungen in die Praxis umsetzen, zeigen spezialisierte Hersteller an den Messeständen der Automatica 2010.

Leistungsstarke Montagetechnik für die Pharmaindustrie und Medizintechnik

Eine Hochleistungs-Montagelösung, die auf die Anforderungen in der Pharma- und Medizintechnikindustrie zugeschnitten ist, will Mikron Automation auf der Automatica 2010 mit der neuesten Entwicklungsstufe der Mikron G05 präsentieren. Die neue G05 weist Verbesserungen in den Bereichen Ergonomie und Reinigung auf. Damit erfüllen die Anlagen die aktuellen GPM-Normen und Sicherheitsvorschriften.

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Wie man Flexibilität in die Montageautomation bringt, demonstriert Sortimat Technology mit der neuen Montageplattform „Jetwing 2010“, die Montagen laut Herstellerangaben noch flexibler machen soll. Weiterer Vorteil: Bei der neuen Version sind zwischen acht und 48 Montagestationen anstelle der bisherigen zwölf Stationen möglich. Die Grenzen von der Halbautomation zur Vollautomation und von kleinen zu großen Stückzahlen werden damit fließend. Auf der Automatica wird der Jetwing 2010 in einer verketteten Anlage mit Clearliner und Reinraum-Transfersystem gezeigt.

Interessant verspricht auch der Besuch bei den Roboterherstellern zu werden. Auf der Automatica 2010 sind alle renommierten Anbieter vertreten, der Fachbesucher kann sich also einen ganzheitlichen Überblick verschaffen und direkt vergleichen.

Voll gekapselte Roboter für den Einsatz im Reinraum

Anspruchsvolle Applikationen in der Medizin- und Pharmaindustrie sind mit Standardrobotern von der Stange kaum zu realisieren. Vielmehr zählen bei diesen Einsätzen Faktoren wie Reinraumtauglichkeit, leicht zu reinigende Spezialoberflächen und höchste Präzision. Wer die Robotermodelle der Anbieter auf der Automatica unter die Lupe nimmt, wird eines schnell feststellen: Die Reinraumtauglichkeit von Robotern unterschiedlicher Hersteller variiert deutlich. Der Grund dafür liegt in der unterschiedlichen Bauform der Roboter. Maschinen mit voll gekapseltem Aufbau, innen liegender Verkabelung und integrierter Antriebstechnik emittieren weniger Partikel als offene Konstruktionen und sind deshalb für Reinraumeinsätze besonders geeignet.

Einige Roboterhersteller und Forschungsinstitute haben sich bereits vor vielen Jahren auf Aufgabenstellungen in der Medizin- und Pharmabranche konzentriert und blicken heute auf jede Menge Erfahrung und Know-how zurück. Dies gilt gleichermaßen für den Bau von Robotern als auch für ganzheitliche Automatisierungslösungen.

Wegweisende Applikationen in der Medizintechnik

An zwei Robotern, die in der Medizin- und Pharmaindustrie häufig eingesetzt werden, zeigt Stäubli Robotics, was derzeit technologisch möglich ist. Die Sechsachser TX 60 und TX 90 erfüllen in Super-Cleanroom-Ausführung die extrem hohen Anforderungen der Reinraumklasse ISO 2. Darüber hinaus sind beide Maschinen in sogenannter Stericlean-Ausführung verfügbar, was ihren Einsatz unter extremen Laborbedingungen ermöglicht.

„Wir dringen mit den Stericlean-Versionen in Bereiche vor, in denen der Einsatz von Robotern bis dato als unmöglich galt. Erstmals werden damit Sterilisations- und Dekontaminations-Prozesse automatisierbar, bei denen die Roboter dauerhaft einer dampfförmigen Wasserstoffperoxid-Umgebung ausgesetzt sind. Damit gelingt der entscheidende Durchbruch bei den Bemühungen zur Automatisierung solcher Prozesse“, verrät Dipl.-Ing. Manfred Hübschmann, Geschäftsführer Stäubli Robotics.

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