Sicherheit aus Tradition Schaltgerätespezialist überzeugt durch Innovation

Autor / Redakteur: Reinhard Kluger / Reinhard Kluger

Im Bereich der Sicherheitstechnik ist in jüngster Vergangenheit viel in Bewegung geraten. Das Familienunternehmen Schmersal hat sich darauf eingestellt. Neben Dienstleistungen für funktionale Sicherheit fokussiert man sich auf ausgewählte Branchen und präsentiert kontinuierlich neue Produkte.

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Philip Schmersal: „ ... in neue Richtungen denken und mit dem Markt gehen.“ Bilder: Schmersal
( Archiv: Vogel Business Media )

Dass sich Tradition und Innovation gegenseitig nicht ausschließen müssen, Schmersal in Wuppertal ist dafür das beste Beispiel. Das inhabergeführte Familienunternehmen hält zwar an Bewährtem fest, erstarrt aber nicht daran. Innovation, für Philip Schmersal, Geschäftsführer des Schaltgerätespezialisten, bedeutet dies „ ... auf den traditionellen Grundstock aufsetzen, in neue Richtungen denken und mit dem Markt gehen.“ Gespiegelt an der Praxis heißt deshalb die Strategie: weg von einzelnen mechanischen und elektromechanischen, hin zu vernetzten Geräten und Systemen. Oder wie es Schmersal-Geschäftsführer Thomas Ruhs formuliert: „Wir gehen in Richtung eines Lösungslieferanten und sind kompetenter Ansprechpartner unserer Kunden“. Und er bringt es mit einem Begriff gleich auf den Punkt: „Safety Consulting“. Eine ganz neue Dienstleistung. Vom TÜV zertifizierte „Safety Consultants“ beraten Kunden rund um das Thema funktionale Maschinensicherheit und übernehmen dabei auch die Risikobeurteilung von Maschinen. Thomas Ruhs: „Unser Anspruch ist es, den Kunden alle Produkte, Lösungen und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die sie für die Sicherheit ihrer Maschinen benötigen. Diesen Anspruch können wir weltweit einlösen.“

Funktionale Sicherheit. So übergreifend der Begriff auch erscheinen mag, ein Windkraftwerk erfordert eine andere Lösungen als ein Aufzug. Verständlich, dass Schmersal sich auf Branchen fokussiert. Erst jüngst haben die Wuppertaler interne Analysen abgeschlossen, die man nun nach und nach umsetzen will. „Wir gehen jetzt aktiv in die Vermarktungsstrategien“, sagt Thomas Ruhs. Exemplarisch nennt er den Sektor Hygiene in der Fleisch- und Wurstwarenfertigung. Sind hier doch hauptsächlich Bedienknöpfe der Schmersal-Tochter Elan im Einsatz, die sehr robust und hygieneresistent sind. Verständlich, dass die Wuppertaler diesen Markt für sich weiter erschließen wollen.

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Organisatorisch neu aufgestellt

Zudem stellt sich Schmersal für die Branchenorientierung auch organisatorisch anders auf. „Wir haben Branchenmanager benannt, es gibt erste Branchenportale im Internet, denen weitere folgen werden. Über Applikationsfinder lassen sich dort Produkte interaktiv aufrufen, zum Beispiel für Windräder, Aufzüge und auch Rolltreppen“, verdeutlicht Philip Schmersal diesen Schritt. Neben den Anwendungen, in denen Schmersal traditionell stark vertreten ist, wie Sicherheitstechnik, Automatisierung und Aufzugstechnik, gelten als weitere identifizierte Zukunftsmärkte: die Verpackungstechnik, hier insbesondere Nahrungs- und Genussmittel, sowie die Windkraft. Deshalb entwickelt Schmersal vermehrt branchenspezifische Produkte, aktuelles Beispiel: der hygienegerechte Sicherheitssensor. Und: Man beteiligt sich an Branchenmessen, wie der Ligna und der Emo und ist Mitglied in branchenspezifischen Vereinigungen, wie dem PEC, dem Packaging Excellence Center. „Wir dokumentieren so ganz klar den Branchenfokus“, so Philip Schmersal.

Sicherheitsfunktionen integrieren

Wer auf Fortschritt setzt, der kommt an Elektronik meist nicht vorbei. Auch bei Sicherheitstechnik ist davon immer mehr im Spiel. Eine Technologie, die für Schmersal so neu nicht ist, wie Thomas Ruhs betont: „Elan war immerhin der erste Hersteller eines proprietären Sicherheitsbusses.“ Dass die Mechanik nicht gänzlich verdrängt wird, darüber ist man sich bei Schmersal einig, dennoch weiß man auch, dass die Elektronik mehr und mehr Einzug hält, wie die von Schmersal entwickelte Coded Safety Sensor-Technik zeigt. „Der Maschinenbauer wünscht sich heute Sicherheitsfunktionen, die in die Prozesse integriert sind.“ Und: Kompakte programmierbare Sicherheitssteuerungen sind vermehrt eine Alternative zu den klassischen Sicherheitsrelais-Bausteinen. Auf der diesjährigen Messe SPS in Nürnberg wird Schmersal Protect-Select in den Vordergrund stellen, eine kompakte Steuerung, die solche Aufgaben erfüllt. Das Besondere an ihr ist das einfache Parametrieren per Drag and Drop von vorhandenen Sicherheitsprofilen. Und wenn der Maschinenbauer es wünscht, dann kann er von Schmersal fertig parametrierte Varianten in kundenspezifizierter Ausführung bekommen. Auf Wunsch sogar im kundenspezifischen Design. Geplant ist zudem ein Zusatzmodul für Wireless Safety-Anwendungen.

Von Wuppertal in die Welt

Neben der Ausrichtung als technologie- und kundenorientierter Lösungs- und Systemanbieter drängt Schmersal verstärkt auch in die großen Märkte dieser Welt. Ganz vorne weg stehen für den Wuppertaler Sicherheitsspezialisten China und Indien. „In China sind wir seit zwölf Jahren mit einer eigenen Produktion vertreten. In Indien wollen wir nicht nur verkaufen, sondern auch produzieren“, blickt Thomas Ruhs nach vorne. Und auch in Südamerika werde man die Präsenz stark ausbauen. Für Nordamerika behalte man sich eine Entscheidung noch vor. „Deutschland ist immer noch ein innovativer Standort. Aber aufgrund der Bevölkerungsentwicklung werden die hauptsächlichen Wachstumsimpulse aus Asien kommen. Und dort stärken wir unsere Präsenz, um darüber die Zukunftsfähigkeit von Schmersal zu erhalten“, sagt Philip Schmersal. Er weiß aber auch, dass sich hier Anbieter von Standard-Sicherheitsschaltgeräten, sprich Billiganbietern, etablieren können. „Deshalb bauen wir das Consulting-Geschäft weltweit intensiv aus und forcieren auch die Entwicklung von anwenderspezifischen Systemlösungen. Wir sehen unsere Zukunft dort, wo Kompetenz und Kooperation gefragt sind - das genau wünscht der Maschinenbauer. “

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