Energieführungskette und Kabel Schräge Brückentechnologie für ein UFO

Redakteur: Dipl. -Ing. Ines Stotz

Die „Neue Brücke“ in Bratislava ist eine spektakuläre Konstruktion – mit Herausforderungen insbesondere für die Konstrukteure des Aufzugs, der zur Aussichtsplattform führt. Mit einer 50 Meter langen Energieführungskette hat die Lapp Gruppe die Tücken des schräg liegenden Aufzugs gemeistert.

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Die „Neue Brücke“ in Bratislava ist 430,8 m und wird von zwei Pylonen auf einer Uferseite der Donau gehalten.
Die „Neue Brücke“ in Bratislava ist 430,8 m und wird von zwei Pylonen auf einer Uferseite der Donau gehalten.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Die Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes ist das Wahrzeichen der slowakischen Hauptstadt Bratislava. Sie wurde am 26. August 1972 eingeweiht, nach mehr als fünf Jahren Bauzeit. 2001 wurde sie zum slowakischen Bauwerk des Jahrhunderts gewählt. Selbst für heutige Verhältnisse ist der Entwurf von Tesár, Lacko und Slameň gewagt. Die 430,8 Meter lange Hängebrücke wird von zwei Pylonen auf einer Uferseite der Donau gehalten, über dem Wasser schwebt die 21 Meter breite Stahlkonstruktion frei. Der 95 Meter hohe Doppelturm, von dem die Stahlseile abgespannt sind, ist nach hinten und zur Seite geneigt, auf seiner Spitze thront eine Aussichtsplattform wie ein verirrtes UFO, zu der bis zu tausendmal am Tag ein Aufzug durch den linken Pylon pendelt. Manchmal auch nicht, denn immer wieder gab es in der Vergangenheit technische Probleme. Dann mussten Besucher die 430 Stufen der Nottreppe durch den anderen Pylon hinabsteigen.

2003 schloss der Betreiber das Restaurant in 85 Metern Höhe und die Aussichtsplattform darüber für eine Generalrenovierung. Der Betreiber suchte einen Systemanbieter, der die Verkabelung für den Aufzug erneuert. Zwei so genannte Systemanbieter zogen ihre Angebote zurück, weil sie die Anforderungen für zu schwierig hielten. Die Lapp Gruppe als dritter Bewerber traute sich und meisterte die Herausforderung mit Bravour. Der Spezialist für Verbindungslösungen aus Stuttgart installierte eine fast 50 Meter lange Energieführungskette in dem leicht geneigten Pylon, sie hält die Kabel von den Wänden fern und führt sie sicher zur Aufzugskabine.

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Strategie: Konfektionierung aus einer Hand

Lapp liefert fertig bestückte, also mit Kabeln und Steckern fertig vorbereitete Schleppketten – so genannte Energieführungsketten – schon seit vielen Jahren. Kleinere Versionen für Millionen Bewegungszyklen gehen an Maschinenbauer, die damit zum Beispiel Roboter bestücken. Große Versionen mit zig Metern Reichweite werden an Baumaschinen montiert oder auf Ölbohrplattformen. Lapp ist dabei nach eigener Aussage der einzige Anbieter, der Kompetenzen aus eigener Komponentenfertigung mit Know-how für die Konfektionierung von Leitungen oder ganzen Energieführungsketten aus einer Hand bietet. Auf Wunsch übernimmt Lapp sogar die Montage in der Anlage beim Kunden.

Seit 2015 führt die Lapp Gruppe diese Aktivitäten unter dem Namen Ölflex Connect Chain. Sie ist Teil der Ölflex-Connect-Strategie, mit der Lapp alle Aktivitäten rund um die Konfektionierung von Leitungen und die Bestückung von Schleppketten zusammenfasst und weiter ausbaut. Schon seit den 1980er Jahren hat Lapp Erfahrungen mit solchen Lösungen gesammelt. Die Neue Brücke in Bratislava ist dabei ein Beispiel für viele gelungene Projekte.

Nichts schleift mehr: Schleppkette führt Kabel

Am 15. Juni 2005 eröffnete das Restaurant auf der Aussichtsplattform wieder – unter dem passenden Namen „UFO“. Von hier reicht der spektakuläre Blick auf Burg, Parlament und an sonnigen Tagen bis zu hundert Kilometer weit ins Hinterland. Lapp hatte die alte Rollenkonstruktion zur Führung der Kabel zwischen Pylon und Aufzugkabine durch eine robustere Lösung ersetzt. Sie sorgt dafür, dass die Kabel nicht die Wände des Pylons berühren. Die beiden Pylonen des Turms sind nämlich aus der vertikalen Achse geneigt, noch dazu in unterschiedlichen Winkeln: 7 Grad nach innen und 17 Grad nach hinten, um die Last der Stahlseile von der 7.537 Tonnen schweren zweigeschossigen Brücke aufzunehmen. In der alten Konstruktion rollte die Aufzugkabine seitlich liegend an Schienen in die Höhe. Auch die Kabel mussten in der ursprünglichen Konstruktion über Rollen laufen, um nicht an der Wand zu schleifen.

Die Lapp-Ingenieure bauten stattdessen eine ausgeklügelte Energieführungskette zur Versorgung der Aufzugkabine, die pro Fahrt zehn Personen in 45 Sekunden nach oben befördert. Sie entschieden sich für eine spezielle Silvyn Chain Schleppkette aus Stahl. Sie ist 48,36 Meter lang und steckt in einem Käfig aus Stahl, der die Schleppkette in der richtigen Neigung im Turm führt und den Kontakt der Schleppkette mit den Wänden verhindert. Außerdem gleicht diese Konstruktion die thermische Ausdehnung der fast hundert Meter hohen Stahlpylone aus. Ob Winter oder Sommer – extreme Temperaturen, die früher häufig zu Ausfällen führten, können der Energiekette und dem Aufzug nichts mehr anhaben.

Gebaut für Jahrzehnte

Wenn sich der Aufzug in Bewegung setzt, beträgt die Beschleunigung kurzzeitig 1,5 m/s2, die Endgeschwindigkeit liegt bei 3 m/s2. Nur hochflexible Kabel halten diesen Belastungen über viele Jahre stand, mehrere zehn Mio. Zyklen sind das Ziel. Die Energieführungskette ist mit Lapp-Kabeln vom Typ Ölflex FD 855 P (zwei mal 50 Meter) und Unitronic FD CP TP plus (zwei mal 50 Meter) bestückt, also in Ausführungen, die eigens für hochdynamische Anwendungen, enge Biegeradien und einen weiten Temperaturbereich geeignet sind. Die Ölflex-Leitung versorgt die Aufzugkabine mit elektrischer Energie, etwa für die Beleuchtung und die Steuerung. Die Unitronic-Leitung überträgt Daten für das Soundsystem und einen Videoprojektor, der die Gäste während ihrer kurzen Fahrt in die Höhe unterhält.

Die Ausrüstung der Neuen Brücke war Teamarbeit von mehreren Partnern der weltweiten Lapp-Familie. Lapp Kabel s.r.o. in Tschechien lieferte die Lösung an den Kunden, Produktentwicklung und Test erfolgten bei U.I. Lapp in Stuttgart, die Schleppkette stammt vom langjährigen Lapp-Partner Brevetti Stendalto aus Italien.

SPS IPC Drives: Halle 6, Stand 258

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