Maxon Motor Schweizer Antriebsspezialist sorgt seit 50 Jahren für außergewöhnliche Bewegungen

Redakteur: Wolfgang Leppert

Maxon Motor blickt zurück auf ein halbes Jahrhundert Geschichte, geprägt von Innovation, Qualität, Zuverlässigkeit, Präzision und Fortschritt. Die Antriebe der Schweizer werden überall dort eingesetzt, wo sie unter Extrembedingungen funktionieren müssen — vom Erdinnern bis zum Mars.

Anbieter zum Thema

Was im Dezember 1961 als Produktionsstätte des Elektrokonzerns Braun aus Frankfurt geplant war, ist heute ein eigenständiges Unternehmen mit Weltruf. In den 50 Jahren seines Bestehens hat Maxon Motor Innovationen geprägt, Veränderungen und Launen der Wirtschaft getrotzt und das Verständnis von hochpräzisen Antriebssystemen völlig neu definiert. Mit fast 1900 Beschäftigten – davon über 1000 am heimatlichen Standort Sachseln – gilt der größte Arbeitgeber im schweizerischen Kanton Obwalden als Aushängeschild für die gesamte Region. Dabei hat vor allem ein Auftrag die Firma ins Bewusstsein der Öffentlichkeit katapultiert: als nämlich am 4. Juli 1997 der Rover Sojourner der NASA auf dem Mars landete, ausgerüstet mit elf DC-Motoren von Maxon.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 8 Bildern

Seit 1997 zählt man nun zu den bevorzugten Lieferanten der NASA. Jedoch schrieb das Unternehmen bereits Anfang 2004 mit der NASA ein wichtiges Kapitel der gemeinsamen Geschichte, als nämlich die Mars-Rover Spirit und Opportunity, ausgestattet mit je 39 Maxon-Mikromotoren, erfolgreich auf dem Mars landeten. Damals hätte niemand zu glauben gewagt, dass die Rover mehr als sechs Jahre funktionieren. Ursprüngliches Missionsziel war lediglich drei Monate Betriebszeit. Im März 2004 startete zudem eine weitere wichtige Weltraummission: Die europäische Kosmetensonde Rosetta, ebenfalls ausgestattet mit Maxon-Motoren, brach damals zu einer mehr als zehn Jahre dauernden Reise auf.

In seinen Anfängen aber war das Unternehmen erst einmal gezwungen, aus der Not eine Tugend zu machen: Nachdem Braun 1967 an Gillette verkauft worden war, drohten der damaligen Interelectric Sachseln starke Auftragseinbußen. Somit stand das noch junge Unternehmen unter dem Druck, in Windeseile ein neues Produkt zu entwickeln — andernfalls drohte das Aus. Dank wegweisender Vorarbeiten an den Gleichstrom-Kleinstmotoren in der firmeneigenen Entwicklungsabteilung wurde es möglich, in Rekordzeit nicht nur ein ganzes Typenprogramm von DC-Motoren zu entwickeln, sondern auch das patentierte Herstellungsverfahren für den eisenlosen Rotor mit der ebenfalls patentierten, rautenförmigen Wicklung. Das Fehlen von Eisen im Rotor erhöhte den Wirkungsgrad um fast das Doppelte gegenüber herkömmlichen DC-Motoren — der Grundstein für alle noch folgenden Innovationen.

Roboter führt bedrohte Fische in sichere Gewässer

Neben der Raumfahrt nutzen Anwender die Maxon-Motoren beispielsweise auch in der Medizintechnik, Industrieautomation, in Autos und Flugzeugen, bei Handwerk- und Freizeitgeräten, in der Sicherheitstechnik, bei Geldautomaten, in der Mess- und Prüftechnik und — nicht zu vergessen — in der Robotik. Dort haben in der Vergangenheit vor allem zwei Anwendungen von sich reden gemacht: humanoide Roboter und Roboter-Fische. Mit einem solchen Roboter-Fisch etwa, angetrieben von Maxon, können in Zukunft Fischschwärme aus Gefahrenzonen in sichere Gewässer geführt werden. Für seine innovativen Produkte hat das Unternehmen denn auch zahlreiche Preise gewonnen: 1996 den Innovationspreis der Zentralschweizerischen Handelskammer für das A-max-Programm, 2005 den MER-Award der NASA, ein Jahr später den Zentralschweizerischen Unternehmerpreis und 2010 mit dem Motor für Extrembedingungen EC 22 HD zum zweiten Mal den Innovationspreis der Zentralschweizerischen Handelskammer.

27654080

Daneben bliebt der Antriebsspezialist geprägt von stetiger Expansion und anhaltendem Wachstum bei Umsätzen und Mitarbeiterzahlen. Die Erschliessung des europäischen Raums begann 1980 mit der ersten Tochtergesellschaft in München. 1981 übernahmen die Obwaldner den US-Vertriebspartner der Interelectric Sachseln in San Francisco. In der zweiten Hälfte der Achtziger schließlich kamen nicht nur in Europa, sondern vor allem auch im Fernen Osten neue Vertriebspartner hinzu, womit dem wachsenden lokalen Servicebedürfnis Rechnung getragen wurde. Die Vertriebsgesellschaften in Deutschland, den Vereinigten Staaten und Japan wurden bis zum Ende des Jahrzehnts mit dutzenden weiterer Händler verstärkt. Zugleich wurde auch die Produktion ausgebaut: 1989 mit einer Fabrik in Sexau (D) und 2004 mit einer Produktionsstätte im ungarischen Veszprém. Damit steht heute eine Produktionsfläche von 16.000 m2 in drei Ländern und ein Netz aus Vertriebsgesellschaften und Vertragshändlern in mehr als 30 Ländern zur Verfügung; rund 80 Prozent der gesamten Produktion wird in 55 Länder exportiert. Und so wird das letzte Geschäftsjahr voraussichtlich mit einem Umsatz von über CHF 300 Millionen als eines der besten in die Firmengeschichte eingehen.

Kontinuität in der Unternehmensführung sichert nachhaltigen Erfolg

„Die Innovationskraft und Nachhaltigkeit hat Maxon Motor vor allem zwei Persönlichkeiten zu verdanken, die Kontinuität und Stabilität nach Sachseln gebracht haben“, resümiert Hauptaktionär Dr. Karl-Walter Braun: „Bodo Fütterer und Jürgen Mayer.“ Fütterer, ein exzellenter Ingenieur aus Deutschland, war bereits Mitte der 50er Jahre von Max Braun, dem Gründer des gleichnamigen Elektrogeräte-Herstellers, für die Rasierapparat-Entwicklung eingestellt worden. Er leitete diesen Bereich, bis er 1961 in die Schweiz kam. 1967 wiederum trat der Bayer Jürgen Mayer, ebenfalls diplomierter Maschinenbau-Ingenieur, ins Konstrukteure-Team von Maxon ein, bis er 1970 in den Verkauf wechselte und die internationale Vertriebsorganisation aufbaute. 1974 folgte die Beförderung zum Verkaufs- und Marketingleiter. Als sich Bodo Fütterer aus der operativen Leitung und später aus dem Verwaltungsrat zurückzog, übernahm Mayer 1993 den Vorsitz der Geschäftsleitung respektive 2004 zusätzlich die Funktion als Delegierter des Verwaltungsrats.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Seit 2007 setzt sich die Geschäftsleitung aus Eugen Elmiger (Sales & Marketing), Armin Lederer (Operations), Dr. Ulrich Claessen (Entwicklung) und Hauptaktionär Dr. Karl-Walter Braun (Controlling) zusammen. Am 1. Januar 2011 wurde Eugen Elmiger, der auch bereits seit über 20 Jahren bei Maxon tätig ist, zum Vorsitzenden der Geschäftsleitung ernannt.

Unternehmensphilosophie basiert auf Partnerschaft und Verantwortung

Bereits 1972 hat das Unternehmen eine eigene Kinderkrippe eröffnet, dazu kamen 1977 die Mitarbeiterpublikation „maxon post“ und 1986 der Bau eines eigenen Sportplatzes. Seit 1998 führt Maxon Motor in Sachseln das Fabrikgespräch durch: eine Dialogplattform für Mitarbeiter und die regionale Bevölkerung. 2003 schließlich wurde Maxon im Ranking einer Wirtschaftszeitung als eine der 25 beliebtesten Firmen geführt. Und auch in Punkto Frauenquote zeigte sich der Antriebsspezialist fortschrittlich: Mit Dorothea Zünd wurde 2004 die erste Frau in den Verwaltungsrat gewählt.

Ebenso wird seit jeher ein schonender Umgang mit Ressourcen und der Umwelt gepflegt. Die ISO-Umweltnorm ist in allen Unternehmensprozessen fest verankert, und seit 2005 hält die Zentralbahn direkt vor dem Firmengelände. Darüber hinaus stellt Maxon Motor nicht nur effiziente Antriebssysteme her, sondern setzt — wo immer möglich — auf erneuerbare Energien: Beispielsweise werden Photovoltaik-Anlagen an den Produktionsstandorten in der Schweiz und in Deutschland betrieben.

(ID:377967)