Open Source

Sercos goes Linux und ermöglicht innovative Automation mit Industrial Ethernet

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Mehr Kontrolle für Anwender und Entwickler

Da bei Open Source Software der gesamt Quellcode offen zugänglich ist, sieht Carsten Emde auch keine Gefahr, dass Projekte schnell im Sand verlaufen. „Open Source Software kann nicht abgekündigt werden. Mit Linux braucht ein Maschinenbauer seinen Kunden nicht mehr etwas zu versprechen, was sein früherer Lieferant von proprietärer Software nicht halten konnte – nämlich die kontinuierliche Pflege der Software während des gesamten Lebenszyklus einer Maschinenserie.“ Das macht Open Source Software sogar sicherer als viele kommerzielle Projekte. Hier kann ein Hersteller beschließen, eine Produktreihe nicht weiterzuführen oder eine Entwicklungsrichtung einzuschlagen, die Anwendern nicht gefällt. Mit Open Source Software können Endkunden das Projekt problemlos in Eigenregie weiterführen oder Entwicklungen in ganz neuen Anwendungsfeldern vorantreiben.

Neue Impulse

Die Verfechter der Open Source Idee hoffen, der Fabrikautomation auf der Software-Seite neue Impulse geben zu können. Denn man muss im Maschinen- und Anlagenbau zwischen der physischen Automation und der logischen Automation unterscheiden. Bei der Hardware gibt es verschiedene Industrial-Ethernet-Lösungen, die durch Kabel und Protokolle sicherstellen, dass Steuerbefehle und Informationen zwischen Antrieben und Steuerungen ausgetauscht werden. Hier verläuft die Entwicklung naturgemäß in längerfristigen Entwicklungsschritten, um die Kompatibilität der Komponenten sicherzustellen. Eine permanente Änderung von Steuerbefehlen würde keine Vorteile bringen.

Neue Wege in der Software-Entwicklung

Anders sieht es auf der Software-Seite aus. Hier können neue Programmier-Werkzeuge, bessere Entwicklungsumgebungen und schnellere Prozessoren spürbare Fortschritte bringen. Bestehende Anlagen können durch innovative Software in den Steuerungen verbessert werden, was bei verhältnismäßig geringen Investitionen die Produktivität erhöhen kann. Außerdem kann es für Entwickler sehr attraktiv sein, neue Programme zu entwickeln, wenn diese auf einer ganzen Reihe von Hardware-Lösungen laufen können und nicht nur auf der Steuerung eines Herstellers.

Als Open Source Software ist Linux auf verschiedenen Plattformen anpassbar. Sie läuft nicht nur auf Standard-PCs, sondern wird auch gerne in Embedded-Lösungen verwendet. Software, die auf Linux aufbaut, kann durch einfache Compilierung portiert werden. Bei allen Vorteilen gibt es im Maschinenbau auch einen entscheidenden Haken. Die Software in der Steuerung muss mit der Hardware kommunizieren können. Dies erfolgt über sogenannte Treiber, die die Übersetzungsarbeit von Kommandos für die jeweiligen Geräte und Netzwerke übernehmen.

Treiber keine triviale Angelegenheit

Die Entwicklung von Treibern ist keine triviale Angelegenheit. Zum einen ist es auch für eine Gruppe talentierter Programmierer eine Herausforderung, das Know-how einer gewachsenen und praxiserprobten Technologie zu replizieren. Zum anderen verwenden viele Hersteller in ihren Protokollen geschützte Methoden. Diese können sie nicht offenlegen, ohne im Sinne des Open Source Gedankens auf die kommerzielle Nutzung ihrer Rechte bei dieser speziellen Implementierung zu verzichten.

Das ist ein Dilemma. Einerseits möchte das OSADL der Software-Entwicklung in der Fabrikautomation neue Impulse verleihen, indem der Gesamtmarkt für mehr Entwickler geöffnet wird. Andererseits verhindern teilweise Patente, dass offene Lösungen die proprietäre Hardware und die Real-Time-Netzwerke ansprechen können. Denn auch veröffentlichte Treiber würden unter die GNU General Public License fallen.

„Unsere Mitglieder drängen darauf, dass wir Lösungen mit den Anbietern finden“, sagt Carsten Emde, „es gibt namhafte Maschinenbauer, die Open Source und Linux als die ideale Basis für eine innovative und verlässliche Software-Entwicklung ansehen. Dazu muss aber auch ein Industrial Ethernet so frei ansprechbar sein wie es jeder Ethernet-Controller in einem Computer ist – gleichgültig, wer den Chip hergestellt hat.“

Wie der Maschinenbau von Open Source profitiert

Sercos International hat – als erster und bisher einziger Anbieter einer High-Performance Echtzeit-Ethernet-Lösung – auf der Hannover Messe 2009 angekündigt, eine Treiber-Bibliothek für Sercos III unter Open Source Bedingungen zur Verfügung zu stellen. „Sercos International tritt als Nutzerorganisation seit seiner Gründung 1990 für offene, herstellerunabhängige und frei verfügbare Technologie ein“, erklärt Peter Lutz, Geschäftsführer von Sercos International, „als leistungsfähige Real-Time-Ethernet-Lösung verwendet zwar auch Sercos III patentierte Technologien. Weil die entscheidenden Rechte jedoch im Besitz der Nutzerorganisation sind, konnten wir eine Masterbibliothek erarbeiten, die sowohl den Ansprüchen der Open Source Bewegung wie den Rechten auf geistiges Eigentum entsprechen.“

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