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Robotik

So können bessere Roboter für den Menschen konstruiert werden

| Autor/ Redakteur: Stefanie Reiffert / Sariana Kunze

Ein querschnittsgelähmter Mann steuert nur mit der Kraft seiner Gedanken ein Exoskelett. Unglaublich aber wahr: Bei der Eröffnungszeremonie der Fußball Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien hat der junge Mann sogar den Ball mit einem Kick ins rollen bringen können. Zwei Jahre später veröffentlichen die Forscher des Walk-Again-Projekts nun eine dazu Studie. Das Training an der Mensch-Maschine-Schnittstelle hat die Genesung der Patienten gefördert. Prof. Gordon Cheng über die neuen Ergebnisse und das Zusammenleben von Menschen und Robotern.

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CellularSkin bietet ein Konzept fuer ein robustes und selbstorganisierndes Netzwerk von Sensoren.
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(Bild: Astrid Eckert / TUM)

Was begeistert Sie so an Robotern?

Ich war schon in meiner Kindheit von Robotern fasziniert. In den Zeichentricksendungen, mit denen ich aufgewachsen bin, ging es immer darum, dass Roboter den Menschen helfen. Ich hatte daher immer eine sehr positive Einstellung zu ihnen. Diese Faszination sowie das technische und wissenschaftliche Interesse für Roboter sind bis heute geblieben.

Haben Sie einen Lieblingsroboter?

Alle Roboter aus Star Wars, besonders R2D2 natürlich. Und Astro Boy ist einer meiner Favoriten. Das ist ein Roboter, der fortwährend den Menschen hilft, was mir sehr gefällt.

Auch beim Projekt Walk Again soll die Technik den Menschen unterstützen. Was war hier Ihr Ansatz?

Walk Again wurde 2008 ins Leben gerufen. Forschungsleiter ist mein guter Freund Prof. Miguel Nicolelis. Er ist einer der Top-Experten in den Neurowissenschaften, insbesondere im Bereich der Mensch-Maschine-Schnittstelle. Wir hatten das Ziel, ein robotergesteuertes System zu entwickeln, das gelähmten Menschen helfen kann, wieder zu fühlen und zu gehen.

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Wie würden Sie den Moment beschreiben, in dem der junge Mann im Stadion in Brasilien gegen den Ball getreten hat?

Das war ein wundervoller Moment, ein Meilenstein. Wir haben viele Monate damit verbracht, Patienten beim Umgang mit dem Exoskelett zu trainieren. Wir wollten sehen, ob es möglich wäre, dass sie mit seiner Hilfe gehen und fühlen können. Viele Wissenschaftler aus verschiedenen Fachrichtungen haben zusammengearbeitet, um das zu erreichen. Für uns alle war es ein sehr wichtiger Augenblick.

Nun gibt es neue Ergebnisse aus dem Projekt. Könnten Sie diese kurz zusammenfassen?

In den vergangenen zwei Jahren hat das medizinische Team die klinischen Studien an den Patienten fortgeführt. Dabei stellte sich heraus, dass sich ihr physiologischer und mentaler Zustand verbessert hat. Sie konnten ein gewisses Maß an Kontrolle über die Bewegung ihrer Beine wiedererlangen. Das hat uns sehr überrascht.

Welche mögliche Erklärung könnte es dafür geben?

Die sogenannte neuronale Plastizität spielt eine Rolle. Das Gehirn kann sich mithilfe von Training über eine gewisse Zeit umorganisieren. Es gibt eine Menge Theorien über das Körperschema, eine Repräsentation unseres Körpers im Gehirn, mit dessen Hilfe wir Empfindungen und Bewegungen zuordnen können. Mit dem entsprechenden Training können wir aber neue Vernetzungen im Gehirn erzeugen, die es uns erlauben, das Körperschema neu zu organisieren und ein neues Element wie das Exoskelett zu integrieren.

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