Kennzeichnen von Schaltschränken So lässt sich die Nach- und Ersatzbeschilderung effizienter machen

Autor / Redakteur: Dr. Helmuth Bischoff* / Dipl. -Ing. Ines Stotz

Kurzfristige Änderungen der Anlagenfeatures, die beim Bau von Schaltschränken noch nicht absehbar waren, machen auf den Baustellen oft Nachbeschilderungen nötig – ein hoher Aufwand. Doch das muss nicht so sein.

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Oft als Nebensache behandelt aber unverzichtbar: das industrielle Kennzeichnen. Hier die Kennzeichnungsvielfalt in einem Schaltschrank.
Oft als Nebensache behandelt aber unverzichtbar: das industrielle Kennzeichnen. Hier die Kennzeichnungsvielfalt in einem Schaltschrank.
(Bild: Vescon Installation GmbH)

Bei den elektrischen Installationen im Anlagenbau gehört es zu den Aufgaben der Schaltschrankbauer, die gelieferten Schaltschränke gemäß Lastenheft auch vollständig mit den erforderlichen Kennzeichnungen zu versehen. Andreas Patzig, Werkstattleiter bei der Vescon Installation GmbH, beschreibt die Details einer Schaltschrankbeschilderung: „Das Lastenheft der Auftraggeber führt alle Prozesse in einem Schaltschrank und damit auch die Beschriftungsinhalte auf. In aller Regel besteht die Außenbeschriftung eines Schaltschrankes aus einem Metallschild, auf dem der Standort des Schrankes im Anlagenbereich, der Name des Schrankes, das Kundenlogo sowie neuerdings oft ein QR-Code als Definition des Schaltschrankes im E-Plan zu finden sind.

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Im Innern erfolgt die Bauteilbeschriftung in dreifacher Ausführung – und zwar auf der Montageplatte sowie auf den Bauteilen selbst.

Und drittens findet sich die Bauteilbeschriftung auf der zum Bauteil führenden Ader; dort als Clip oder in einer Kunststofftülle. Zu kennzeichnen sind auch die Klemmleisten und Klemmen mit durchnummerierten Plastikschildern. Außerdem sind alle Befehls- und Bedienelemente im Schrank zu kennzeichnen. Dazu zählen zum Beispiel Leuchtelemente, Notausknöpfe und andere Drucktaster, Schlüsselschalter, USB-Schnittstellen.“

Kennzeichnungsbeschaffung – in der Praxis ein aufwändiges Prozedere

Dass nach der Anlieferung von Schaltschränken auf den Baustellen die E-Pläne kurzfristig geändert werden, gehört zur Praxis des Anlagenbaus. Damit wird es bei jeder Planänderung aufs Neue nötig, die angelieferten Schaltschränke mit entsprechend geänderten Kennzeichen zu bestücken. Die meisten geänderten Kennzeichen müssen dann von den heimischen Werkstätten angefordert werden. Dafür nötige Abstimmungsprozesse zwischen Baustelle und Werkstatt bedeuten nicht nur einen erheblichen Zeitverlust, sondern auch eine Bruchstelle, an der sich gerne Fehler einschleichen.

Wenn in der Klemmleiste zum Beispiel die laufenden Nummern geändert werden und aus der Werkstatt die Kennzeichnungen mit den Ziffern fünf und sechs kommen sollen, hat man dort wegen zweier Schildchen nicht gleich Zeit, den Auftrag auszuführen. Er wird dann zunächst auf die Seite gelegt, und wenn es zur Ausführung kommt, erhält man auf der Baustelle nicht selten Kennzeichen mit den Nummern sechs und sieben geliefert.

Der beschriebene Aufwand steigert sich erheblich, wenn die Änderungen an der Anlage in mehreren Schritten vorgenommen werden, was oft der Fall ist. Dann heißt es: hier noch ein stärkerer Motor, da noch der nachträgliche Einbau einer Motorbremse und so weiter. Das bedeutet hinsichtlich der Kennzeichnungsbeschaffung eine sehr holprige und langwierige Kommunikation mit der Werkstatt.

Damit dies und der daraus resultierende Mehraufwand möglichst gering bleiben, gibt es zwar die Möglichkeit, fertige Ersatzschilder in einem Koffer mit zur Baustelle zu nehmen. Eine große Abhilfe lässt sich damit aber auch nicht schaffen, denn der wirkliche, im Prozess entstehende Kennzeichnungsbedarf ist nicht zu antizipieren. Man müsste ein viel zu großes Sortiment mitführen, um den tatsächlichen Bedarf zu decken und hätte dabei auch einen sehr großen Posten an unnötig hergestellten Kennzeichen.

Ersatz- und Zusatzkennzeichen: Kompromisslösungen

Um die erforderliche Nachbeschilderung von Schaltschränken auf Baustellen effizienter zu gestalten, erscheint es deshalb sinnvoll, über eine Produktion der benötigten Ersatz- und Zusatzkennzeichen vor Ort nachzudenken. In der Praxis wird diese Option allerdings durch die Diversität benötigter Kennzeichnungsinhalte und Schildmaterialen erschwert: Farbdruck, Codierung, Teilauflagen der Kennzeichen auf Kunststoff, Teilauflagen auf Metall ... all dies würde den Einsatz unterschiedlicher Herstellungsverfahren erfordern. Man müsste auf den Baustellen mit einem Nebeneinander von Plottern, Gravurmaschinen, Thermotransferdruckern, Laserdruckern und unterschiedlicher Software für die Kennzeichnung arbeiten. Mehr Raumbedarf sowie ein erheblicher Dispositions-, Transport- und Wartungsaufwand rücken diese Option ins Abseits.

Angewandte Kompromisslösungen sehen kleine Thermotransferdrucker auf den Baustellen, mit denen Teile der Ersatzkennzeichnung hergestellt werden können. Außerdem finden sich auf manchen Baustellen auch kleinere Geräte zum Bedrucken von Metallschildern. So lässt sich vor Ort wenigstens ein Teil der benötigten Kennzeichen herstellen. Der große Rest muss nach wie vor von den heimischen Werkstätten und externen Dienstleistern angefertigt werden. Für die komplette Herstellung von Ersatzkennzeichen auf den Baustellen des Anlagenbaus fehlte bisher also ein taugliches Gerät.

Mobiles Kennzeichnen auf der Baustelle – bis zu 80 % einsparen

Dies zu ändern, versprechen mobile Digitaldruck-Systeme. Eines davon wird von Printolux aus Frankenthal hergestellt. Laut Hersteller sollen Anwender mit dem FB-20/400-Stone in der Lage sein, alle innerhalb und außerhalb von Schaltschränken auf Baustellen eingesetzten Schildmaterialien zu bedrucken.

Das Einsparpotenzial, das sich mit derartigen Lösungen verbindet, sehen erfahrene Schaltschrankbauer bei 80 % gegenüber den Kosten, die anfallen, wenn alles in der Werkstatt nachzufordern ist. Dazu Bodo Ullmann, Baustellenleiter des Schaltschrankherstellers Vescon Installation: „Wenn man direkt an der Baustelle mit einem einzigen Herstellungsverfahren die erforderliche Nachbeschilderung für innerhalb und auch außerhalb des Schaltschrankes herstellen kann – Schilder für Klemmen ebenso wie für außerhalb liegende Kabel oder andere Betriebsmittel – dann liegt das Einsparpotenzial bei 80 Prozent gegenüber den Kosten, die anfallen, wenn alles in der Werkstatt nachzufordern ist.“

In konkrete Zahlen gefasst: Bei angenommenen 2.000 Euro Zusatzkosten für eine mehrstufige Nachbeschilderung mittels Werkstatt-Einsatz reduzieren sich die Kosten durch mobiles Nachkennzeichnen auf 400 Euro. „Dieses hohe Einsparpotenzial lässt sich aber nur dann voll ausschöpfen, wenn man auf der Baustelle nicht drei oder vier unterschiedliche Geräte braucht, sondern nur ein einziges Gerät, das auch leicht zu transportieren und einfach zu bedienen ist“, ergänzt Ullmann.

Das von Printolux entwickelte und 2017 auf den Markt gebrachte System ähnelt von außen einem großen Trolley. Weiterhin verweist der Spezialist für Anlagenkennzeichnung auf ein robustes Gehäuse und die gut gepufferte Innenlagerung des Gerätes, was den Transport einfach machen soll. Die Druckfläche wird bis maximal 210 x 320 mm angegeben, womit sich viele herstellerunabhängige Materialien und unterschiedlichste Formate bedrucken lassen. Und es ist nur eine Software nötig, um auf der Baustelle alle benötigten Kennzeichen herstellen zu können.

* Dr. Helmuth Bischoff hat das Fachbuch „Herstellungsverfahren für die industrielle Kennzeichnung“ (Springer Heidelberg) konzipiert und redaktionell betreut.

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