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Hannover Messe 2017 So steuert das Fraunhofer mit dem digitalen Zwilling die Produktion

| Redakteur: Sariana Kunze

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK wollen mit einem neuen Konzept die Vision von Industrie 4.0 realisieren. Ein digitaler Zwilling soll den gesamten Produktionsprozess abbilden und jederzeit den direkten Eingriff in die Fertigung ermöglichen. Auf der Hannover Messe 2017 wird die Verschmelzung der reale und virtuelle Produktion zu einem intelligenten Gesamtsystem anhand eines Demonstrators gezeigt.

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In der Smarte Fabrik 4.0 steuert der digitale Zwilling die Produktion: Bearbeitete Rohlinge werden auf ein fahrerloses Transportsystem (FTS) gehoben.
In der Smarte Fabrik 4.0 steuert der digitale Zwilling die Produktion: Bearbeitete Rohlinge werden auf ein fahrerloses Transportsystem (FTS) gehoben.
(Bild: Fraunhofer IPK )

Die effiziente Steuerung der Fertigung gehört zu den Schlüsseltechnologien in der Industrie. Da klingt die Idee, statt einer gleich zwei Fabriken parallel aufzubauen, zunächst mal nur nach doppeltem Aufwand. Was wäre aber, wenn eine der Fabriken nur in virtueller Form existierte? Auf dieser Idee basiert das Konzept aus dem Berliner Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK. Die reale Produktionsstätte wird vollständig auf digitaler Ebene nachgebildet. Es entsteht ein virtueller Zwilling, der nicht nur die Produktionsanlage mit allen Maschinen visualisiert, sondern auch die dynamischen Abläufe und das Verhalten der Systembestandteile während der Fertigung in Echtzeit wiedergibt. Im virtuellen Zwilling lässt sich der Fertigungsprozess detailliert beobachten. Zahlreiche Sensoren geben dabei den Betriebsstatus der einzelnen Arbeitsstationen laufend an das System weiter. Für die Steuerung der Produktion eröffnen sich somit neue Möglichkeiten. Die Produktionsplaner können den Herstellungsprozess im virtuellen Abbild analysieren und dann gegebenenfalls einzelne Schritte optimieren oder neu organisieren.

Digitaler Zwilling reagiert intelligent auf Änderungen

Das Konzept des digitalen Zwillings geht jedoch weit über ein bloßes Abbilden der realen Produktionsanlage hinaus. Tatsächlich funktioniert das System bidirektional. Denn auch auf der virtuellen Ebene kann man eingreifen und Änderungen vornehmen, die sich sofort simulieren lassen. Auch die Änderungen in der realen Anlage können in den digitalen Zwilling eingespielt werden. So könnte der Produktionsleiter beispielsweise weitere Maschinen für die Bearbeitung eines Werkstücks aktivieren oder einen zusätzlichen Arbeitsschritt einbauen, etwa, wenn eine Sonderanfertigung verlangt wird. Die Fertigung muss dazu nicht gestoppt und neu konfiguriert werden, vielmehr reagiert das System intelligent auf jede Änderung und organisiert sich neu.

Maschinen und Software kommunizieren unabhängig vom Menschen

Der digitale Zwilling ist in Echtzeit mit der realen Produktionsanlage synchronisiert.
Der digitale Zwilling ist in Echtzeit mit der realen Produktionsanlage synchronisiert.
(Bild: Fraunhofer IPK )

Durch die Verschmelzung von realer und digitaler Produktion entsteht ein Gesamtsystem, das sich im laufenden Betrieb selbst überwacht, steuert und korrigiert. Maschinen und Software kommunizieren, soweit erforderlich, unabhängig vom Menschen miteinander und halten so die Produktion in Gang. Sollte beispielsweise eine Störung vorkommen, wie etwa der Ausfall eines Aggregats, kann das System selbstständig entscheiden, wie das Problem zu beheben ist. Der verantwortliche Produktionsleiter sieht dann die Änderung in der Produktion, muss aber nicht selbst eingreifen.

Über den digitalen Zwilling, den die Anlage kontinuierlich mit Daten füttert, lässt sich darüber hinaus die Qualität der Werkstücke und des Endprodukts laufend kontrollieren. Auch die Produktion einer Kleinserie mit individualisierten Einzelstücken lässt sich mithilfe dieses Konzepts schnell realisieren, und zwar so, dass die Gesamtproduktion nur minimal beeinträchtigt wird. Selbst die Herstellung von Einzelstücken (Losgröße-1-Produktion) wird durch den Einsatz von Produktmodellen für die Generierung von Produktionsmodellen (z. B. NC-Code) denkbar.

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