Handlingsystem Steriles Operationsbesteck aus erstem vollautomatisiertem Krankenhaus-Lager

Redakteur: Sariana Kunze

Das weltweit erste sterile vollautomatisierte Lager für Operationsbesteck hat in einem Krankenhaus in Kopenhagen seinen Betrieb aufgenommen. Sind in der Industrie automatisierte Lagerhaltungssysteme gängige Praxis, war eine Anlage für die Reinigung und Bereitstellung von Operationsbestecken in einem Krankenhaus eine Premiere. Ein solches Lagerhaltungssystem stellt einen Kostendämpfer im Gesundheitswesen dar.

Firma zum Thema

Kernstück der Handlingssysteme sind elektrische Achsen vom Typ EGC von Festo.
Kernstück der Handlingssysteme sind elektrische Achsen vom Typ EGC von Festo.
(Festo)

Die Chirurgen im Kopenhagener Krankenhaus führen täglich mindestens sechzig Operationen durch. Dementsprechend muss das Krankhauspersonal täglich Unmengen an Operationsbesteck reinigen, desinfizieren und wieder steril bereitstellen. Für jede Operationsart benötigen die Chirurgen unterschiedliche Instrument-Kombinationen. Die IT-Spezialisten des Krankenhauses erkannten hierbei einen immensen finanziellen und zeitlichen Aufwand, dem es entgegenzuwirken galt.

Anlageninstallation in 10 Tagen bei laufendem Betrieb

Das Unternehmen Gibotech wurde vom Krankenhaus beauftragt ein vollautomatisiertes Lager für Operationsbesteck zu installieren. Das Pilotprojekt im Gesundheitswesen wurde von Gibotech-Techniker in nur zehn Tagen bei laufendem Betrieb in den Kellerräumen eines Neubaus des Krankhauses realisiert. Für einen reibungslosen Ablauf ist die Anlage mit elektrischen Antrieben und Clean-Design-Komponenten von Festo ausgestattet. Lars Vinge, Produktionsleiter des dänischen Automatisierungsspezialisten Gibotech, berichtet: „Die Anlage funktionierte vom ersten Tag an.“

Bildergalerie

Lagerhaltungssystem spart 10 Mannjahre ein

Die Anlage entlastet das Krankenhauspersonal davon, schwere Körbe mit Operationsinstrumenten manuell handhaben zu müssen: Dazu zählt das Zusammenstellen, Reinigen, Sterilisieren, Einlagern und die Entnahme für den geplanten Operationstermin. Sie spart damit den Einsatz von zehn Mannjahren und macht damit Ressourcen frei, die das Krankenhaus für andere Investitionen nutzen kann.

Das Lagerhaus verfügt über 1.900 Lagerplätze und 1.800 Körbe, die alle mit RFID-Schildern versehen sind. Insgesamt kann das System bis zu 100 Transaktionen täglich verarbeiten. Bei im Moment 60 Operationen, die die Chirurgen täglich durchführen, sind die Kapazitäten der Anlage noch nicht ausgereizt. Jeder Korb hat eine Durchlaufzeit von fünf bis zehn Minuten.

Täglich 100 Operationen verarbeiten

Das Personal belädt manuell Drahtkörbe mit den Operationsbestecken, die in Steril-Spülmaschinen gereinigt werden. Daraufhin werden die Körbe mit den Instrumenten mit hygienischem Krepppapier ausgeschlagen, das beim Sterilisationsprozess im Autoclaven nicht beeinträchtigt wird. Im nächsten Schritt stellt das Personal die Instrumente in operationsspezifischen Bündeln zusammen, je nach Anforderung der Operationen des nächsten Tages. Die Drahtkörbe kommen ins Lagersystem, wo sie leicht mit Barcodes, RFID und Datenblättern auffindbar sind. Handlingsysteme helfen, die Lagerplätze zu finden.

Kernstück der Handlingsysteme sind elektrische Achsen vom Typ EGC von Festo. Mit hoher Präzision und Zuverlässigkeit verteilen sie die Drahtkörbe auf die 1900 Lagerplätze des Regalsystems. Dort, wo das OP-Besteck nah an die Anlagenkomponenten herankommen kann, sind pneumatische Clean-Design-Komponenten vom Typ Crdsnu im Einsatz, die nach Reinraumklasse 8 zertifiziert sind. CPX/MPA-Ventilinseln sind dezentral installiert und per Ethernet/IP mit Rockwell-Steuerungen verbunden.

Krankenhaus benötigt höchstmögliche Anlagenverfügbarkeit

Die Herausforderung für alle Antriebe ist die sehr reine und trockene Atmosphäre in der Anlage. „Aber damit hatten weder die pneumatischen noch die elektrischen Antriebe von Festo Probleme“, betonte Projektleiter Vinge. Die Anlagenverfügbarkeit sollte bei 97 Prozent liegen. Das Krankenhaus in Kopenhagen ist eine Referenzanlage und soll auch auf weitere Krankenhäuser weltweit ausgedehnt werden. Die Anlage ermöglicht eine erhebliche Kostenreduktion im Gesundheitswesen.

(ID:36935500)