Produkthaftung Strafverfahren – ein Berufsrisiko für technische Führungskräfte

Autor / Redakteur: Helmut Borsch, Führungstrainer und Geschäftsführer der AFW Wirtschaftsakademie / Karl-Ullrich Höltkemeier

Ob Arbeitsunfälle während der Produktion oder das Inverkehrbringen eines fehlerhaften Produktes: Entstehen Schäden, kommt es knüppeldick – nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für Sie als technische Führungskraft. Für Schäden aus Pflichtverletzungen haften Sie u. U. persönlich und unbeschränkt mit Ihrem Privatvermögen!

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( Archiv: Vogel Business Media )

Bei der Säuberung eines Glasdaches der Lufthansa-Werft in Hamburg war der 38jährige Gebäudereiniger Sven durch eine Glasscheibe gestürzt und 17 Meter tief in einen Container gefallen. Sein Sicherheitsseil war an den scharfen Glaskanten zerrissen. Er starb an inneren Verletzungen. Nach einem Verfahren über zwei Instanzen verurteilte kürzlich das Landgericht Hamburg den Chef der Gebäudereinigungs-Firma und dessen Vorarbeiter zu empfindlichen zweistelligen Geldstrafen.

Ein Leben lässt sich nicht in Geld aufwiegen

Bei der Auftragsvergabe war der Reinigungs-Unternehmer von den Mitarbeitern der Lufthansa ausführlich über die Gefahren auf dem Glasdach aufgeklärt worden: Es gab Bretter, die als Laufstege über das Dach hätten gelegt werden müssen. Der Chef hatte dies als schriftliche Anweisung an seinen Vorarbeiter Hans-Jochen weitergeben sollen. Und der Vorarbeiter, der die Einweisung des Verunglückten übernommen hatte, hätte dafür sorgen müssen, dass die Anweisung befolgt wurde.

Nach Auffassung des Gerichts stand fest, dass der Fensterputzer nicht ausreichend unterwiesen wurde. Es sei eine Grundpflicht des Arbeitgebers, darauf zu achten, dass seine Mitarbeiter nicht tödlichen Gefahren ausgesetzt werden. „Ein Leben lässt sich nicht in Geld aufwiegen“, sagte der Richter, „aber die Strafen sind ein Symbol für die Verantwortlichkeit!“

Strafbefehl gegen einen technischen Geschäftsführer

In einem anderen Fall hat das Amtsgericht Tettnang kürzlich einen Strafbefehl gegen einen technischen Geschäftsführer und seinen Gehilfen erlassen, weil sie sich der Beihilfe zur Körperverletzung eines ihrer Arbeiter schuldig gemacht hatten. Dieser hatte vorschriftswidrig mit einem elektrischen Hochdruckreiniger und einer defekten Kabeltrommel hantiert. Ihn traf ein Stromschlag er wurde sofort in die Unfallstation der Universitäts-Klinik Tübingen eingewiesen und war dann monatelang krank.

Der Unfall war unvermeidbar, weil beide Vorgesetzten es unterlassen hatten, ihren Hausmeister auf das gefahrlose Arbeiten mit einem Hochdruckreiniger hinzuweisen, ihn mit einer im Freien zugelassenen Kabeltrommel auszurüsten, dafür zu sorgen, dass der Anschluss nur an einer mit FI-Schalter gesicherten Steckdose erfolgen durfte und einen Defekt an der Isolierung der Trommel vorher fachmännisch hätten beseitigen lassen müssen. Zur Abschreckung in ähnlichen Fällen und wegen des besonderen öffentlichen Interesses hielt die Staatsanwaltschaft es für geboten, von Amts wegen einzuschreiten. Auch hier verhängte das Gericht hohe Geldstrafen.

Schadensersatz-Verfahren gegen Vorgesetzte sind keine Seltenheit

Ähnlich spektakuläre Straf- und Schadensersatz-Verfahren gegen Vorgesetzte aller Ebenen sind längst keine Seltenheit mehr. Es geht um unerlaubtes Betreiben von Maschinen, Luftverschmutzung, das Einleiten giftiger Chemikalien ins Grundwasser, um unterlassene Hilfeleistung bei Betriebsunfällen oder um verspätete Rückrufaktionen beim serienmäßigen Einbau

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