Studie: Ingenieurausbildung Studie belegt mangelnde Praxiserfahrung vieler Absolventen

Autor / Redakteur: Tobias Hüser / Sariana Kunze

Können deutsche Hochschulen inzwischen mit den Bologna-Anforderungen umgehen? Und wie gut vorbereitet sind die Studentinnen und Studenten auf die Ingenieurausbildung? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der Studie „15 Jahre Bologna-Reform – Quo vadis Ingenieurausbildung?“. Die wichtigsten Ergebnisse finden Sie hier im Überblick.

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Arbeitgeber vermissen häfuig Praxiskenntnisse bei Bachelor- und Masterabsolventen.
Arbeitgeber vermissen häfuig Praxiskenntnisse bei Bachelor- und Masterabsolventen.
(Bild: WunderBild)

Frankfurt – Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Hochschulen Bologna „können“. Auch in den Unternehmen ist Bologna angekommen und wird akzeptiert. Doch um die hohe Qualität der Ingenieursausbildung für die Zukunft zu sichern, müssen Herausforderungen gemeistert werden.

Bei 43 % der Bachelor- und 37 % der Master-Studierenden vermissen Arbeitgeber Praxiskenntnisse stark bis sehr stark. Genau diese Kenntnisse sind aber für Unternehmen zu 48 % für eine Einstellung entscheidend. 81 % der Unternehmen werten auch soziale Kompetenzen der Bewerber, ihr Auftreten und ihre Präsentation als wichtig. Laut Studie weisen jedoch Bachelor- und Master-Absolventen diese Kompetenzen nur zu 23 beziehungsweise 32 % auf.

Erfolgsmodell duale Studiengänge

Die Hochschullehrenden beurteilen diese praxisnahe Ausbildungsform, bei der die Unternehmen beteiligt sind, zu 72 % als gut bis sehr gut. 69 % der befragten Führungskräfte von Unternehmen geben an, durch duale Studiengänge gute bis sehr gute Nachwuchskräfte gewonnen zu haben.

Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer, sieht als Konsequenz dringenden Handlungsbedarf: „In der Ingenieurausbildung muss die Praxisorientierung weiter ausgebaut werden. Die Fachhochschulen zeigen, dass mehr Praxis im Studium möglich ist. Auch die Bedeutung des dualen Studiums ist bei Hochschullehrenden und Unternehmen unumstritten.“

Die Studie bewerte für den Berufseinstieg Praxissemester und -module der Fachhochschul-Studiengänge ebenso positiv wie die dualen Studiengänge, so Rauen. „Das zeigt: Nur eine stark anwendungsorientierte Ausbildung bereitet die Studierenden optimal auf eine Industrielaufbahn vor.“

Starke Zersplitterung der Studienlandschaft

Fast jeder vierte der befragten Studierenden weiß nicht, ob er später die Berufsbezeichnung Ingenieur tragen darf. Dieser Missstand liegt am vielfältigen Angebot von spezialisierten Bachelor-Studiengängen und einem fehlenden einheitlichen akademischen Grad für Ingenieurstudiengänge.

„Der VDI fordert die Einführung der akademischen Grade Bachelor und Master of Engineering oder Master of Science in Engineering. Mit solchen einheitlichen Graden wird es gelingen, die Marke „German Engineering“ für die Zukunft weiter zu stärken“, sagt Prof. Udo Ungeheuer, Präsident des VDI.

Hochschulart spielt bei Einstellung geringe Rolle

64 beziehungsweise 60 % der Führungskräfte in Unternehmen geben an, bei der Suche nach neuen Kräften keine Präferenz für Bachelor- oder Masterabsolventen von Fachhochschulen oder Universitäten zu haben. Aus Sicht der Fach- und Führungskräfte werden aber zu 42 beziehungsweise 37 % Absolventen mit breit angelegten Bachelor- oder Master-Studiengängen bevorzugt.

Die Studie offenbart hier weiteren Handlungsbedarf. Selbst bei den Lehrenden der Universitäten geben nur 41 % an, in speziellen Lehrveranstaltungen Forschungsmethoden gut oder sehr gut zu vermitteln. Bei ihren Studierenden sind nur 25 % der Meinung, hier gut bis sehr gut etwa auf eine Promotion vorbereitet zu sein. Eine forschungsorientierte Lehre kann aber ein bedeutendes Element der Praxisorientierung sein. Fast 80 % der Bachelor- und Master-Studierenden antworten zudem, über keinerlei Auslandserfahrung zu verfügen. Und über die Hälfte aller Studierenden erhielt in ihrem Studium keine oder kaum die Förderung von Fremdsprachen.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hat zusammen mit dem VDI Verein Deutscher Ingenieure und der Stiftung Mercator die Studie in Auftrag gegeben. Befragt wurden 1300 Studierende der Ingenieurwissenschaften, knapp 400 Hochschullehrende, mehr als 1400 Fach- und Führungskräfte in Unternehmen sowie gut 250 Absolventen, die kürzlich in den Beruf eingestiegen sind.

Dieser Beitrag ist zuerst auf unserem Schwesternportal PROCESS erschienen.

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