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Nachgefragt: 3 Experten zu Bildverarbeitungs-Trends – Teil 1

Symphonieorchester IBV und Automation

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Ist denn das Potenzial, was Bildverarbeitungssysteme in Zukunft leisten können, den industriellen Anwendern ausreichend bekannt? Oder wird es eher die aktuellen Entwicklungen antreiben? Was muss angepackt werden, auch im Hinblick auf Ausbildung und Studiengänge?

Rainer Schönhaar:Product Manager bei Balluff
Rainer Schönhaar:Product Manager bei Balluff
(Bild: Balluff)

Rainer Schönhaar: Industrie 4.0 erzwingt ein Umdenken oder eine Evolution in der Automatisierungstechnik. In gleicher Weise werden die Anforderungen an die Kamerasysteme und Smart-Kameras steigen. Lange Zeit war die Bildverarbeitung eine abgeschlossene Einheit mit eigenen Regeln und Standards. Dies wird sich verändern. Wir sehen hier neue Herausforderungen im Bereich Softwareentwicklung. Zum einen werden modulare Systeme, Tools, Funktionsbausteine gefordert, zum anderen aber auch eine Standardisierung in der Datenübergabe. Des Weiteren verschmilzt Bildverarbeitungskompetenz mit Automatisierungs-Know-how. Die Technologie wird derzeit noch in separaten Disziplinen vorangetrieben. Nun ist es an der Zeit, diese Einzelinstrumente zu einem „Symphonie- orchester“ zusammenzuführen. Hinzukommt, dass die Experten von morgen über ein besonders breites Wissen verfügen müssen und auch für einen regen Austausch zwischen den einzelnen Disziplinen sorgen sollten. Durch die Verbindung von fundierter Bildverarbeitungskompetenz mit der Steuerungsexpertise der Automatisierungsindustrie lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandorts nicht nur sichern, sondern auch weiter ausbauen.

Horst A. Mattfeldt:Director Standard Products bei Matrix Vision
Horst A. Mattfeldt:Director Standard Products bei Matrix Vision
(Bild: Matrix Vision)

Horst A. Mattfeldt: Hier gilt es einen Weg zu finden, welcher sowohl Bildverarbeitungsprofis als auch Einsteigern oder Anfängern gerecht wird. Während die Einsteiger nicht abgeschreckt werden dürfen, was durch Abstrahieren der Bedienung und durch Wizards verwirklicht werden kann, muss gleichzeitig für die IBV-Profis die API verfügbar gemacht werden, sodass diese eine Bildverarbeitungssoftware mit eigener Funktionalität erweitern können. Diese Doppelstrategie stellt die Profis zufrieden und erweitert gleichzeitig den Anwenderkreis, was die aktuelle Entwicklung natürlich antreibt. Die Hochschulen vermitteln die notwendigen Grundlagen hierzu. Dennoch ist es wünschenswert, wenn die Vernetzung mit der Industrie bei gleichzeitiger Unabhängigkeit der Hochschulen vorangetrieben wird. Damit die Unabhängigkeit gewährleistet ist, sind zusätzlich staatliche Fördermittel notwendig. In beruflichen Schulen beispielsweise will das Land Baden-Württemberg dies mit einem Betrag von vier Millionen Euro tun, um damit acht Lernfabriken einzurichten. Somit befassen sich nicht nur Studenten mit dem Thema sondern auch Azubis. Für einen ganzheitlichen Nachwuchs ist damit der erste Schritt getan.

Dr. Olaf Munkelt:Geschäftsführer bei MVTec Software
Dr. Olaf Munkelt:Geschäftsführer bei MVTec Software
(Bild: MVTec Software)

Dr. Olaf Munkelt: Das Potenzial ist bei weitem noch nicht ausreichend bekannt – auch deshalb, weil die IBV in immer neue Industrien und Anwendungsfelder hineinwächst. Beispiele hierfür sind die Automatisierung in der Landwirtschaft sowie in der Logistik und im Einzelhandel. Wichtig ist es nun, den Mehrwert der IBV für neue Anwendergruppen verfügbar zu machen. Und natürlich wächst mit dem zunehmenden Einsatz von Bildverarbeitungstechnologie auch der Bedarf an Personen, die diese Verfahren beherrschen. Hierbei bedarf es zweierlei: Zum einen müssen Produkte bereitgestellt werden, die den Einstieg in die Bildverarbeitung erleichtern. Zum anderen sollte beispielsweise in geeigneten Studiengängen das Wissen zur Bildverarbeitung breiter vermittelt werden. MVTec bietet hierfür ein Standardbuch zur industriellen Bildverarbeitungs-Technologie, das Kollegen im Unternehmen verfasst haben. Das Werk wurde in vier Sprachen übersetzt und hat sich bereits vieltausendfach verkauft. Zudem hält unser Unternehmen Fachvorträge und ist an Hochschulen mit Vorlesungen zu verschiedensten Machine-Vision-Themen aktiv.

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Über den Autor

Dipl. -Ing. Ines Stotz

Dipl. -Ing. Ines Stotz

Fachredakteurin Automatisierung, Maschinenbau-Ingenieurin, Fachjournalistin seit 2001; Vogel Communications Group