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Mitarbeiterführung

Traumrolle „Chef“ – oder die Kunst des Vorgesetzten-Daseins

| Autor/ Redakteur: Stefan Häseli / Sariana Kunze

Die Freude ist groß – endlich die Beförderung zum Vorgesetzten! Von jetzt an wird das Berufsleben anders. Denn die neue Position verlangt nicht nur kommunikatives Fingerspitzengefühl, sondern auch Klarheit über die Rollen, die mit dem Hierarchiewechsel einhergehen.

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Die Beine hochlegen und sich zurücklehnen, Aufgaben einfach delegieren und ab und zu mal nach den Mitarbeitern sehen – so stellen sich viele das Chefsein vor. Aber ist die Vorgesetzten-Rollen wirklich so erstrebenswert?
Die Beine hochlegen und sich zurücklehnen, Aufgaben einfach delegieren und ab und zu mal nach den Mitarbeitern sehen – so stellen sich viele das Chefsein vor. Aber ist die Vorgesetzten-Rollen wirklich so erstrebenswert?
(Bildquelle: © olly - Fotolia)

Führungskräfte finden sich heute mehr denn je in unterschiedlichen Spannungsfeldern wieder. Konnte der „Chef“ vor einigen Jahren einfach nur „Chef“ sein und sagen, wo und wie es lang geht, soll die Beziehung zu Mitarbeitenden heute kollegial und nah, gleichzeitig aber auch mit einer gesunden Distanz und natürlicher Autorität gelebt werden. Geht das alles zusammen?

Ja, es geht. Voraussetzung dafür ist jedoch eine intensive Auseinandersetzung nicht einfach mit der „Chef-Rolle“, sondern mit den verschiedenen Rollen einer Führungskraft. Schließlich sind mehrere Hüte im Kasten, aber jeweils nur einer auf dem Kopf. Konkret heißt das: Eine Führungskraft kann zwar Controller, Mitarbeiterbetreuer, Coach und durchsetzungsstarker Boss sein, aber nicht alles gleichzeitig in ein und demselben Moment.

Früher war alles viel ...

... ja wie war es früher eigentlich in der Berufswelt? War wirklich alles besser, wie es uns dank unseres positiven Filters rückblickend häufig vorkommt? Wenn auch nicht alles schöner war, so war Vieles doch um einiges einfacher. Diskussionslos stand fest, dass ein Schreiner das Holz richtig zuschneiden muss, mit welch geschickten Händen ein Feinmechaniker der die Uhrwerke zusammensetzen sollte und dass ein Lehrer eine klare Linie bei der Erziehung seiner Schützlinge zu demonstrieren hatte.

Und ein Chef (Chefinnen gab es damals noch kaum) musste sich durchsetzen können. Eindruck machte dabei nicht nur seine persönliche Leidenschaft – das Unternehmen war sein Leben –, mit der er andere begeistern konnte, sondern manchmal durchaus auch ein militärisch angehauchtes Vokabular.

Die Zeiten sollten sich ändern und es kam eine Phase des unermüdlichen Verständnisses für alle und alles. Basisdemokratische Züge prägten das Verhältnis zwischen Vorgesetztem und Mitarbeitern. War es früher die Frage nach dem passenden Führungsstil, setzen wir uns heute verstärkt mit uns und der Situation auseinander. Hier können Chefinnen und Chefs viel von Schauspielern lernen, und zwar in Sachen Rollenfindung: Gute Schauspieler spielen nicht, sie leben. Auch in der Führung darf es nie darum gehen, nur etwas vorzuspielen. Vielmehr gilt es gerade als Vorgesetzter, echt und authentisch zu sein.

Deutliche Rollenidentifikation gefragt

Im Licht dieser stark vereinfachten Darstellung und im zeitlichen Raffer der Geschichte wird deutlich: Während die Anforderungsprofile früher knapper und klarer waren, sind heute differenzierte Bilder nicht nur statthaft, sondern entscheidend. Eine Führungskraft muss immer stärker in mehreren Spannungsfeldern agieren: Einerseits sollen die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ernst genommen werden, andererseits soll die Strategie der Konzernleitung ohne Wenn und Aber durchgezogen werden.

Da wird beispielsweise ein rigoroser Sparkurs verordnet, aber die operative Umsetzung ist in einem ständig wandelnden Umfeld mit mehr Aufwand denn je verbunden. Umso wichtiger ist deshalb eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den verschiedenen Rollen, den verschiedenen „Hüten“, die eine Führungskraft im Alltag leben soll. Hier entscheidet die jeweilige Situation, das Gegenüber und die eigene Verfassung darüber, welche Rolle in welchem Moment gelebt wird.

Die Kunst des Vorgesetzten-Daseins

Mit der Rollenidentifikation wird die Nähe zum Theater offensichtlich. „Die ganze Welt ist eine Bühne, man tritt auf, man tritt ab“, schrieb Shakespeare. Oder etwas konkreter, angelehnt an die Geschichte von Ignaz Wrobel aus „Die Weltbühne“: „Als Gatte drücke ich einen Kuss auf die Stirn der Gattin, habe als Fahrgast eine Auseinandersetzung in der S-Bahn, als Teamleiter am Arbeitsplatz betrete ich das Büro, als Gast des Restaurants in der Mittagspause freue ich mich auf das Tagesmenü usw.“

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