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Gezeitenrechner

Über 100 Jahre alter Computer wird live restauriert

| Redakteur: Katharina Juschkat

Im Deutschen Schifffahrtsmuseum wird derzeit ein Gezeitenrechner restauriert, der mit als ältester deutscher Computer gilt. Museumsbesucher können live zuschauen – und die Forscher erhoffen sich neue Erkenntnisse über den mechanischen Computer.

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Der Gezeitenrechner funktioniert zwar noch analog-mechanisch, lässt sich aber bereits programmieren.
Der Gezeitenrechner funktioniert zwar noch analog-mechanisch, lässt sich aber bereits programmieren.
(Bild: DSM / Niels Hollmeier)

Im Deutschen Schifffahrtsmuseum (DSM) kann man derzeit live miterleben, wie einer der ältesten deutschen Computer restauriert wird: Der erste deutsche Gezeitenrechner. Diese Woche (vom 15. bis 19. Juli) setzt Restaurator Tim Lücke die Arbeit an der Gezeitenrechenmaschine aus dem Jahr 1915 fort und Museumsbesucher können ihm dabei über die Schulter schauen.

Analog-mechanischer Computer lässt sich programmieren

Tim Lücke restauriert den ersten deutschen Gezeitenrechner vom 15. bis 19. Juli – Museumsbesucher können ihm dabei zuschauen.
Tim Lücke restauriert den ersten deutschen Gezeitenrechner vom 15. bis 19. Juli – Museumsbesucher können ihm dabei zuschauen.
(Bild: DSM / Lea Heißenbüttel)

Bei dem Exponat handelt es sich um eine von nur insgesamt drei solcher Maschinen, die damals in Deutschland gebaut wurden. Weltweit gibt es weniger als dreißig stationäre Gezeitenrechner, wovon nur wenige Exemplare öffentlich zugänglich sind. „Man kann die Gezeitenrechenmaschine von 1915 durchaus als einen der ersten deutschen Computer bezeichnen,“ sagt Dr. Martin Weiss, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am DSM. „Sie arbeitet zwar analog-mechanisch und wurde nur für eine spezifische Aufgabe konstruiert, aber sie lässt sich programmieren.“

Das Wechselspiel von Ebbe und Flut genauer zu verstehen, wurde mit dem Aufkommen der Dampfschiffe im 19. Jahrhundert immer wichtiger. Auf die Idee, diese Arbeit von einer analogen Rechenmaschine, also gewissermaßen einem mechanischen Computer, erledigen zu lassen, kam zunächst der Engländer William Thomson, später bekannt als Lord Kelvin. Der erste Prototyp entstand im Jahr 1872. Als auch in Deutschland der Wunsch nach Datenautarkie aufkam, war es dann so weit: Die gewünschte Maschine war 1915 betriebsfähig.

Neue Erkenntnisse zur Funktionsweise der Maschine erhofft

„Leider sind keine Dokumente in Bezug auf die Technik bei der Konstruktion erhalten geblieben – die Maschine selbst jedoch ist vollständig intakt bewahrt,“ berichtet Weiss. Nachdem sie in den 1930ern mit einem elektrischen Druckwerk ausgestattet wurde, gelangte sie im Zweiten Weltkrieg vermutlich nach Greifswald und von dort aus an das Deutsche Hydrographische Institut in Hamburg. 1975 wurde sie dem damals neu gegründeten Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven überlassen, wo sie seitdem in der Ausstellung zu sehen ist.

Für eine vollständige Restaurierung der Maschine werden alle Komponenten im Inneren gründlich gereinigt. Ermöglicht wurde die Restaurierung durch großzügige Unterstützung der Kulturstiftung der Länder und des Deutschen Stiftungszentrums. „Wir erhoffen uns durch diese Reinigung neue Erkenntnisse zu Bau- und Funktionsweise der Maschine,“ erklärt Weiss. „Das Ziel ist dabei, die Maschine wieder funktionstüchtig zu machen.“ Durch die genauere Analyse des Materials der Einzelteile kann zunächst mehr über die präzise Arbeitsweise und mögliche Anpassungen der Maschine im Laufe ihrer Geschichte in Erfahrung gebracht und dokumentiert werden.

In einem nächsten Schritt lassen sich diese Daten mit anderen Gezeitenrechnern vergleichen. „Die deutsche Gezeitenrechenmaschine von 1915 ist damit von immensem technik- und wissenschaftshistorischen Wert, sowohl in Bezug auf die Entwicklung von Rechenhilfen, aber auch weil sie die Besonderheiten des häufig kriegsbedingten Einsatzes von Technik in Deutschland im 20. Jahrhundert widerspiegelt,“ erklärt Dr. Martin Weiss.

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