20. AUTOMATION DAY Über 100 Teilnehmer interessierten sich für High Performance Engineering

Redakteur: Reinhard Kluger

Der 20. Automation Day fand am 17. Oktober 2011 in Nürnberg statt. „High Performance Engineering“, so das Thema. Die Vorträge und Diskussionen zeigten: Im Engineering schlummern Reserven, die die Automatisierung ausschöpfen muss. Eine Möglichkeit bietet Cyber Physical Systems. Ein innovativer Ansatz, um den Herausforderungen der Zukunft gerecht werden zu können.

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Begrüsste die Besucher des 20. Automation Day in Nürnberg: Michael Sperber, infoteam Software.
Begrüsste die Besucher des 20. Automation Day in Nürnberg: Michael Sperber, infoteam Software.
( Archiv: Vogel Business Media )

„Cyber Physical Systems - ein Enabler für High-Performance Engineering?“, so der Titel des Einführungsvortrags von Prof. Dr.-Ing. Birgit Vogel-Heuser, TU München. Weil die Automatisierung schon seit langem die Optimierung der Engineering-Vorgänge in allen Disziplinen des Maschinen- und Anlagenbaus anstrebt, muss sie sich neuen Herausforderungen stellen. Cyber Physical Systems, CPS, ist solch ein Ansatz. Er fasst neue Geschäftsprozesse, Beschreibungsmittel und Methoden zusammen, die dem Automatisierer helfen sollen, künftigen Engineering-Abläufe noch effektiver zu beherrschen. „Cyber Physical Systems sind die konsequente Weiterentwicklung eingebetteter Systeme aus Sicht der Informatik. Aus Sicht der Automatisierungstechnik sind CPS die Einbeziehung der unternehmensübergreifenden globalen Vernetzung und der sich selbst adaptierenden Supply-Chains“, sagt Birgit Vogel-Heuser.

Durchgängig modularisieren ist künftig unersetzlich

Integriertes Engineering - in der Praxis nutzt man derzeit Plattformen. Am Beispiel des Engineering-Frameworks ProMaster informierte Siegfried Schülein, Baumüller, über solche Plattformen. Seine Fazit: Wichtig dabei sind durchgängige Tools fürs Engineering und für die Inbetriebnahme.

„IEC61499 – Die neue IEC61131?“ Prof. Valeriy Vyatkin, University of Auckland, zeigte auf, was Tools nach IEC61499 leisten. (Siehe Interview zum Thema im Kasten).

Im Engineering muss man von Zeit die Prozessabläufe überdenken und restrukturieren. Wie ein solches Projekt in der Praxis verlaufen kann, Mathias Denk, GE Jenbacher, zeigte den entsprechenden Anforderungsprozess in einem Restrukturierungsprojekt bei GE Jenbacher auf, der Gasmotorensparte von GE. Anhand eines Beispiels erläuterte er die abteilungsübergreifende Spezifikation der Anforderungen sowie deren Absicherung und Kommunikation mit Zulieferern. Seine Erkenntnis: „Durchgängige Modularisierung ist für zukunftsfähige Steuerungssoftware unerlässlich.“

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Maschine mit Software war gestern, Software mit Maschine ist morgen. Auf diesem Weg in die Zukunft begleiten unabhängige Beratungsunternehmen den Maschinenbauer. „Engineering-Aspekte bei der Auswahl von Automatisierungsplattformen“, so das Thema des Vortrags von Felix Rhöse, vom Beratungsunternehmen ITQ. Praxisnah zeigte er auf, welche Anforderungen und Kriterien eine moderne Entwicklungsumgebung erfüllen sollte, um nachhaltig Engineeringkosten zu senken. Seine Bilanz: „Werkzeuge müssen ein ergonomisches und effizientes Software Engineering unterstützen.“

Agile Softwareentwicklung in der Automatisierung

Einen noch nicht so weitverbreiteten Ansatz zum Thema erläuterte Philipp Salzgeber, Bachmann: „Agile Softwareentwicklung in der Automatisierung“. Sie stelle für Unternehmen und deren Mitarbeiter eine große Herausforderung dar. Wie man sie praxisnah umsetzt, dazu gibt der Automatisierungsexperte unter anderem folgende Tipps: Zu Beginn müsse das Team den Umsetzungsaufwand der Arbeitspakete gemeinsam schätzen. Dann sollte man die Projektlaufzeit in möglichst viele kleine Unterprojekte aufteilen, häufig den Fortschritt beurteilen und die Zwischenergebnisse firmenintern präsentieren lassen. So behalten Unternehmen den Überblick über den Prozess und ob der Verlauf im Plan liegt.

„Automatisierung in der Softwarequalitätssicherung - mehr Freiraum im Engineering für neue Produkte“: Bruno Fellhauer, Schunk, beschrieb in seinem Vortrag die automatisierte Testdurchführung eines Schunk-Antriebsreglers. Anhand eines Beispiels aus seinem Unternehmen zeigte er auf, wie man die Automatisierung in der Softwarequalitätssicherung erreichen kann.

Mehr Freiraum im Engineering

„Testautomatisierung für „Drive-Based Automation“, Raphael Dunker, SEW Eurodrive, informierte über den Weg vom einfachen Antrieb bis zur ausgereiften Automatisierungslösung. Das Pilotprojekt, das der Antriebsspezialist gemeinsam mit infoteam realisierte, wurde erfolgreich umgesetzt.

Der letzte Vortrag auf dem Automation Day war anders als all die anderen. Dass es mit dem Nachwuchs bei Ingenieuren derzeit hapert, ist allgemein bekannt. Dem allgemeinen Ingenieurmangel Paroli bieten, will nun Dr. Rainer Stetter. Und das nicht allein mit Worten, sondern auch mit Taten. Seine neugegründete Stiftung „Technik macht Spaß!“ fördert den Nachwuchs. Seine zur Demonstration mitgebrachten Roboter und Fahrzeuge animierten auf dem Automation Day so manchen zum Ausprobieren, getreu dem Motto: So macht Technik Spaß!

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