Umfrage

Überstunden, bis der Arzt kommt

| Autor: Heidemarie Schuster

Die Arbeitszeiten sind in Deutschland zwar gesetzlich geregelt, daran halten sich aber längst nicht alle.
Die Arbeitszeiten sind in Deutschland zwar gesetzlich geregelt, daran halten sich aber längst nicht alle. (Bild: Pixabay)

Die Umfrage „So arbeitet Deutschland“ von Sthree zeigt auf, dass ein Großteil der Deutschen die maximale Tagesarbeitszeit überschreitet und damit die Gesundheit gefährdet. In Zeiten der „New Work“ stehen Überstunden, Druck und psychische Probleme ganz oben auf der Liste.

Der Begriff „New Work“ steht für Flexibilität, Selbstbestimmung, Agilität, aber auch für Überstunden, Druck und psychische Probleme. In Zusammenarbeit mit Yougov befragte Sthree 1.515 Angestellte und Selbstständige in Deutschland für die Studie „So arbeitet Deutschland“. Alarmierend bei der Umfrage: Mehr als die Hälfte der Befragten arbeitet auch mal mehr als die gesetzlich erlaubten zehn Stunden pro Tag – und das meist im Wissen ihres Vorgesetzten. Die Konsequenzen bleiben nicht aus: Viele sehen bereits jetzt mentale Probleme als wesentliche Folge der neuen Arbeitswelt und wünschen sich, diese würden auch von Arbeitgeberseite ernster genommen werden.

Das Ende des 8-Stunden-Tages?

Die Gesetzeslage in Deutschland gibt vor, dass niemand länger als zehn Stunden am Tag arbeiten darf. Dies wird jedoch nicht immer eingehalten: Laut 53 Prozent der Befragten kommt es in ihrem Job vor, dass sie mehr als die gesetzlich vorgeschriebene maximale Tagesarbeitszeit arbeiten. „Diese Zahl allein ist bereits bedenklich“, meint Sthree-Geschäftsführer Timo Lehne. „Jedoch zeigt sich obendrein: Bei 71 Prozent weiß der Chef meist oder sogar immer darüber Bescheid.“ Ist eine Tageshöchstzeit also überhaupt noch realistisch? Nein, sagen 59 Prozent der Befragten: Sie plädieren für eine maximale Wochen- oder gar Monatsarbeitszeit.

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Doch auch innerhalb der rechtlichen Grenzen sind Überstunden Alltag: 70 Prozent leisten Mehrarbeit – die Dunkelziffer mag sogar höher liegen. Denn 13 Prozent haben schon einmal weniger Stunden erfasst, als sie tatsächlich geleistet haben. Die gute Nachricht: Immerhin 76 Prozent erhalten einen finanziellen oder Freizeitausgleich für die zusätzlich geleistete Arbeit. Doch die Frage nach Freizeit oder Geld stellt sich für 21 Prozent überhaupt nicht. Für sie sollten Überstunden gar nicht erst anfallen.

Die Mehrarbeit bringt außerdem Nachteile mit sich. Bei 77 Prozent macht sich der Stress im Arbeitsleben bereits deutlich bemerkbar. Und das von zweierlei Seiten: 30 Prozent der Angestellten und Selbstständigen fühlen sich vor allem vom Vorgesetzten oder Auftraggeber unter Druck gesetzt, 28 Prozent jedoch am ehesten von sich selbst.

„Obwohl gerade Flexibilität und Autonomie Kernbegriffe der neuen Arbeitswelt sind, zeigt die Studie doch deutlich: Arbeitnehmer und Freelancer in Deutschland wünschen sich mehr Stabilität und Struktur, um Zeit- und Leistungsdruck zu verringern“, so Lehne. Eine bessere Balance zwischen Arbeitsumfang und -zeit (32 Prozent), klare Anweisungen (24 Prozent) und mehr Planbarkeit (23 Prozent) sind die Top 3-Wunschfaktoren für weniger Belastung.

Zeit, etwas zu Unternehmen

Laut den Studienergebnissen besteht dringender Handlungsbedarf beim Thema Überstunden. 63 Prozent sehen mentale Probleme wie Burnout oder Schlafstörungen bereits jetzt als eine Folge von New Work. 67 Prozent befürchten sogar, die psychische Belastung werde in den nächsten Jahren noch steigen. Besonders problematisch vor diesem Hintergrund: Nach wie vor, so empfinden mehr als die Hälfte der Befragten in Deutschland, werden körperliche Schwächen ernster genommen. 71 Prozent wünschen sich deshalb von ihrem Arbeit- oder Auftraggeber eine Gleichbehandlung körperlicher wie mentaler Probleme.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Partnerportal IT-Business.de.

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