Kreativtechniken Vergiss Brainstorming: So können Ideen gezielt sprudeln

Autor / Redakteur: Jens-Uwe Meyer* / Sariana Kunze

Wenn neue und brauchbare Ideen gefragt sind, dann ist oftmals guter Rat teuer. Denn Brainstorming bedeutet für viele Arbeitnehmer endloses zusammensitzen ohne wirkliches Ergebnis. Eine andere Vorgehensweise, wie z.B. APFEL-Kreativtechnik, kann dabei helfen, den Ideenknoten zu lösen.

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Mit der APFEL-Kreativtechnik kann der Ideenknoten gelöst werden.
Mit der APFEL-Kreativtechnik kann der Ideenknoten gelöst werden.
(Bild: ©Stuart Miles - stock.adobe.com)

Eine neue Idee muss her. Und zwar eine, die brauchbar und etwas wirklich Neues ist. Wenn Unternehmen diese Anforderung an ihre Mitarbeiter kommunizieren, fällt meist das Zauberwort Brainstorming. Oftmals wird von der neugebildeten Arbeitsgruppe erwartet, dass stundenlanges grübeln ohne (Denk-) Vorgaben, besser bekannt als Brainstorming, ein großes Spektrum an kreativen Geistesblitzen hervorbringt. Doch leider sieht die Realität der Ideensuche anders aus: Anstatt eines Geistesblitzes entsteht häufig nicht mehr als ein kleiner Funke. Laut Expertenmeinung gehört das Brainstorming sogar zu den schlechtesten Methoden, um neue Ideen zu entwickeln, die den Anforderungen der Unternehmen entsprechen. Aus folgendem Grund: Die Beteiligten gehen unvorbereitet und unstrukturiert ans Werk. Ohne ein definiertes Ziel verpufft die aufgewendete Energie somit häufig – ohne dass die Ideensuche ein brauchbares Ergebnis hervorbringt.

Doch wie sollte man stattdessen vorgehen? Im Unternehmensalltag hat sich eine Reihe von Techniken jenseits von „Lass uns mal brainstormen“ bewährt. Das Stichwort APFEL fasst verschiedene Kreativtechniken zusammen und ist eine Eselsbrücke, die für Assoziationen, Perspektivenwechsel, Fragetechniken, Ebenenwechsel und Lotteriemethode. Mit APFEL im Kopf kann der Prozess der Ideenfindung in einer Gruppe gezielt gesteuert werden. Dabei lassen sich die unterschiedlichen Techniken miteinander kombinieren. Beispielsweise können erst Assoziationen entwickelt werden und dann Fragen zu den Assoziationen gestellt werden. Oder: erst bilden die Teilnehmer Assoziationen und wechseln dann die Ebene. Aber auch aus verschiedenen Perspektiven Fragen zu bilden ist möglich.

Assoziationen wecken: Einstieg in die Kreativrunde

Zu Beginn einer Kreativrunde sollten im ersten Schritt die naheliegenden Einfälle abgesaugt werden. Hierfür eignet sich eine sehr banale Frage: „Hat jemand Ideen für ...?“ Die Teilnehmer sollten dann zwei, drei Minuten alles aufschreiben, was ihnen zu der vorgegebenen Fragestellung einfällt. Im Anschluss können alle Stichworte in Form eines Mindmap auf einem Flipchart gesammelt werden. Oder noch besser: Die Teilnehmer können direkt auf einen leeren Flipchartbogen an einer Wand alle ihre Einfälle zum Thema skizzieren. Silent Thinking heißt diese Methode. Sie verhindert unkoordinierte Diskussion gleich zu Beginn eines Termins und fördert die Fokussierung auf das Thema. Die so gewonnenen Assoziationen und die ersten Ideen bilden eine gute Ausgangsbasis für die weitere Ideenfindung mit Hilfe anderer Kreativtechniken.

Perspektivenwechsel: Blick aus einer anderen Richtung

Bei dem Perspektivenwechsel sollten sich die Mitarbeiter in neue, ungewohnte Rollen versetzen. Anstatt allgemein zu fragen „Was fällt Ihnen zum Thema ein?“, werden gezielt Rollen vergeben. Entweder naheliegende Rollen wie:

  • „Sie sind ein frustrierter Kunde. Was denken Sie zum Thema?“ Oder:
  • „Sie sind der Innovationschef unseres Mitbewerbers. Welche Gedanken haben Sie?“ Oder ausgefallene:
  • „Sie sind der Redakteur der Zeitschrift .... Wie sieht die erste Seite Ihres Magazins zum Thema aus?“
  • „Sie sind ein Comedian und machen einen Gag über das Thema. Welchen?“

Solche Rollenwechsel führen zu neuen Sichtweisen und somit zu neuen Ideen. Gut möglich, dass eine davon ein kreativer Treffer ist, der den Weg zur Lösung weist. Dabei sollte der Perspektivenwechsel immer stets mit anderen Kreativtechniken kombiniert werden. Beispielsweise eignet sich dazu die Assoziationen aus verschiedenen Perspektiven.

Fragen: unbekanntes Terrain erkunden

Eine sehr einfache, aber wirkungsvolle Kreativtechnik ist das Stellen von „Unbekannt“-Fragen. Die Mitdenker werden z.B. aufgefordert, in fünf Minuten alles aufzuschreiben, was sie nicht über das Thema wissen – und zwar in Frageform. Vielleicht verbergen sich dahinter genau die Knackpunkte, die der Lösung des Problems im Wege stehen. Auch hier gilt: Das Beantworten von Unbekannt-Fragen sollte mit Kreativtechniken kombiniert werden – z.B. dem Perspektivenwechsel. Diese Fragen können beispielsweise gestellt werden:

  • „Was weiß ein Techniker nicht über dieses Thema?“ Oder:
  • „Welche Fragen stellt sich der Schichtleiter, wenn er ...? Auf welche Fragen sucht er dann Antworten?“

Ebenenwechsel: Geistig abheben

Beim Ebenenwechsel geht es darum, schnell von der konkreten auf die abstrakte Ebene und wieder zurück zu wechseln. Ein Beispiel: Es wird nach einem neuen Anwendungsgebiet für eine Simulationssoftware gesucht, um sich neue Kundengruppen zu erschließen. Wer wissen möchte, wozu die Software mit geringen Anpassungen noch genutzt werden könnte, wechselt zunächst auf die abstrakte Ebene: „Eine Simulationssoftware hilft Menschen dabei, mittels mathematischer Modelle das Verhalten eines tatsächlichen Phänomens nachzustellen.“ Danach wechseln Sie wieder zurück auf die konkrete Ebene: „Was kann oder muss simuliert werden?“ Die Kreativtechnik des Ebenenwechsels empfiehlt sich, wenn vorhandene Lösungen auf neue Anwendungsgebiete übertragen werden sollen. Oder: Die Antwort ist schon definiert, aber das passende Problem muss noch gefunden werden. Dann empfiehlt es sich, sich vorzustellen, dass jemand genau nach dieser Lösung gesucht hat. Und zu fragen: Wer könnte dies sein? Und: Wie lautet sein Problem?

Lotteriemethode: Der Zufall regiert

Bei dem Inspirationslotto handelt es sich um eine verrückte Methode zur Ideensuche. Mit dieser Technik lassen sich ausgefallene und oftmals unkonventionelle Ideen mit viel Spaß entwickeln. So funktioniert es: Das Kreativteam wird in Zweiergruppen aufgeteilt und es werden wahllose Begriffe in den Raum geworfen: Bergbahn, Strom, Bier. Die Teams sollen dann anschließend binnen 60 Sekunden z.B. eine Idee für eine Verkaufsaktion generieren, die im weitesten Sinne etwas mit der Ausgangsfrage und Zufallsinspiration zu tun hat. Diese Methode ist praktisch eher schwierig zu beschreiben. Sie sollte einfach ausprobiert werden, am Besten am Ende eines Kreativmeetings oder zwischendurch. Diese Technik lockert alle Teilnehmer auf, Blockaden können so gelöst werden und Ideen zum sprudeln gebracht werden.

* *Jens-Uwe Meyer, Geschäftsführer, Ideeologen – Gesellschaft für neue Ideen GmbH

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