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Pico-Satelliten Vernetzte Kleinst-Satelliten bieten Transferpotenzial

| Autor / Redakteur: Reinhard Kluger* / Reinhard Kluger

Vernetzte Miniatursatelliten-Formationen können eine noch wichtigere Rolle beim künftigen europäischen Raumfahrttechnologie-Entwicklungsplan spielen. Bei ihnen liegt Transferpotenzial für künftige Spitzenprodukte auf dem irdischen Markt brach. Fernwirken per Satellit wäre eine denkbare Anwendung.

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Prof. Dr. Klaus Schilling, Uni Würzburg: „Europa kann mit seinem begrenzten Raumfahrt-Budget dennoch tolle Erfolge aufweisen.“
Prof. Dr. Klaus Schilling, Uni Würzburg: „Europa kann mit seinem begrenzten Raumfahrt-Budget dennoch tolle Erfolge aufweisen.“
(Bild: www.Kluger.eu)

Es ist die wohl teuerste Fahrkarte der Welt: 70 Millionen Dollar berappt die Nasa, um ihre Astronauten mit einer russischen Rakete zur internationalen Raumstation ISS zu bringen. Wohlgemerkt pro Flug und je Sitzplatz. Wen wundert‘s, dass bei solchen Ticketpreisen auch private Unternehmen mit dabei sein möchten. Von 2017 an sollen US-Unternehmen wie Boeing und SpaceX die Transporte übernehmen, die Nasa hat die Aufträge vor kurzem erst erteilt.

Mehrere Größenordnungen weniger tief in die Schatulle greifen muss Prof. Dr. Klaus Schilling, wenn er einen seiner Pico-Satelliten UWE ins Orbit befördert. UWE, das steht für Universität Würzburgs Experimentalsatellit, entwickelt in der fränkischen Universitätsstadt, und zwar am Lehrstuhl Informatik VII. Mit einer Kantenlänge von 10 Zentimetern ist er in etwa so groß wie eine Milchtüte, er wird als „Beiladung“ mit einer Trägerrakete ins All geschossen – bisher mit einer indischen oder russischen. „Uwe-1 war 2005 der 1. Deutsche Pico-Satellit mit dem Forschungsziel, Internetprotokolle an für Raumfahrtmissionen typische Verzögerungen und Störungen anzupassen und zu optimieren“, blickt Klaus Schilling zurück. UWE-3 ging 2013 in seine Umlaufbahn, und ist bis heute fehlerfrei aktiv. Aktuell arbeitet das Team des Würzburger Raumfahrtpioniers an UWE-4, erstmals mit einem elektrischen Antrieb.

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Weltumspannende Internetverfügbarkeit als Ziel

Und mit der nächsten Generation will man in den kommenden Jahren ein verteiltes, vernetztes System an kooperierenden Kleinsatelliten im All stationieren. Im Blick dabei: weltumspannende Internetverfügbarkeit. Ein Dienst, der sich kommerziell nutzen ließe. „Für die Kommunikation von Maschinen untereinander sind Satelliten von großem Nutzen, zum Beispiel für Aufgaben in der Fernwartung, wenn man über Kontinente hinweg auf Maschinensteuerungen zugreifen will, oder wenn Anlagen in Gebieten ohne sichere Internetstruktur stehen “, sieht Klaus Schilling eine von möglichen Anwendungen. „Tiefseekabel sind auch nicht billig“, hält er dagegen, wenn es um den Kostenaspekt der Raumfahrt geht. Zumal Satelliten unabhängig von Störungen auf der Erde sind: Erdbeben sind sie nicht ausgesetzt, sie sind leichter gegen Terror-Angriff zu schützen und sie bieten einen redundanten Übertragungsweg, wenn es im Kabel mal klemmen sollte. Seine Vision: ein Netz kleiner niedrig fliegender Satelliten, statt tonnenschwerer geostationärer Satelliten in einer Höhe von 36000 Kilometern.

Wie sehr der Kampf ums All tobt, zeigen die Nachrichten der letzten Wochen. Neben dem privaten Raumfahrt-Unternehmen SpaceX oder dem Spezialisten für Trägerraketen, ULA, finanzieren auch Internetfirmen wie Amazon und Google eigene Aktivitäten in Sachen Raumfahrt. Ein Ziel, das erst bei näherem Hinsehen erkennbar wird. Hier geht es nicht allein um die Technik für die Raumfahrt. Es geht um das Kommunikationsnetz, das sich damit knüpfen lässt. Bei dem die US-amerikanischen Unternehmen den Weltraum für sich erobern. Europa springt dabei zu kurz. Klaus Schilling mahnt: „Bei den vernetzten Systemen verpassen wir Europäer den Zug, obwohl wir im Bahnhof stehen.“

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