Interview „Virtuelle Maschine schafft neutrale Abnahmekriterien“

Redakteur: Reinhard Kluger

Nicht nur der Maschinenbauer Homag setzt auf Virtuelle Maschinen von Heitec, sondern auch andere Unternehmen. Virtuelle Maschinen beschleunigen den Engineeringprozess gewaltig. Und deshalb komme der deutsche Maschinen- und Anlagenbau künftig nicht ohne diese Technik aus, will er im globalen Wettbewerb bestehen.

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Herr Preiml, Sie gelten als Verfechter von virtuellen Maschinen. Einer Technik, von der Sie sich kürzere Durchlauf- und Entwicklungszeiten von Projekten versprechen. Was genau ist für Sie eine virtuelle Maschine?

Während die Digitale Fabrik als Werkzeug zur Planung von zukünftigen Produkten und Anlagen angesehen wird, sehe ich in der Virtuellen Maschine die digitale Abbildung einer entstehenden oder bereits konstruierten Anlage oder Maschine, die zusätzlich auch noch mit realer Steuerungstechnik inkl. entsprechender Software betrieben werden kann, um Funktionen zu simulieren.

Wie passt sich eine virtuelle Maschine in die Landschaft der in Unternehmen vorhandenen üblichen CAD/CAE-Systeme ein?

Die virtuelle Maschine lässt sich in den Entwicklungsprozess sehr gut integrieren. Die erarbeiteten CAD-Daten müssen in die Virtuelle Maschine übernommen werden, genauso kann man dynamische Modelle übernehmen. Dies ist im Rahmen eines mechatronischen Prozesses sehr gut möglich. Die entwickelte SPS- oder CNC-Software kann direkt mit der simulierten Anlage gestestet werden und somit den Aufwand bei Test und Inbetriebnahme optimieren.

Können sie ein konkretes Beispiel „Virtuelle Maschine“ beschreiben?

Wir arbeiten in diesen Anwendungen mit der Firma ISG aus Stuttgart zusammen. Das Werkzeug virtuos, das wir benutzen, wurde von ISG zusammen mit dem Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen und Fertigungseinrichtungen (ISW) der Universität Stuttgart entwickelt. Als Beispiel kann ich eine Holzbearbeitungsmaschine der Firma Homag anführen, bei der die Bearbeitung von Freiformflächen simuliert wurde, um Kollisionen zu vermeiden, die bei den komplexen Bewegungsabläufen auftreten könnten.

Derzeit arbeiten wir an einer Modellierung von Funktionen für Produktionsanlagen für die Solarindustrie.

Lässt sich in Euro und Cent berechnen, wie sich virtuelle Maschinen in der Praxis rechnen?

Wir bei Heitec gehen davon aus, dass unser Ziel „Inbetriebnahmezeit geteilt durch zwei“ durch den Einsatz solcher Methoden leichter erreichbar wird. Wir wollen Schwachstellen in den Funktionen früher erkennen und gehen mit einer unter Realbedingungen getesteten Software auf die Baustelle. Auch lassen sich die Störsituationen realer darstellen, und somit erhält die Software eine höhere Qualität und Stabilität. Ein zusätzlicher Effekt ist die Reduzierung bzw. Absicherung der Liefertermine sowie das Vermeiden von Maschinen- bzw. Werkzeugschäden bei Test und Inbetriebnahmen.

Müssen die Unternehmen umdenken? Und wie?

Viele Maschinen- und Anlagenbauer sind schon dabei, ihre Organisationen in mechatronische Einheiten weiter zu entwickeln. Zusätzliche Potentiale sehe ich noch in der formalen Beschreibung der Arbeitsweise der Anlagen während der Entwicklungsphase durch die Mechanik. Auch kann ich mir vorstellen, dass sich durch die virtuelle Maschine neutrale Abnahmekriterien definieren lassen, was sowohl für den Lieferanten als auch für den Kunden von Vorteil wäre.

Ist die derzeitige Krise die beste Gelegenheit für Unternehmen sich mit virtuellen Maschinen zu beschäftigen und diese Technik einzuführen?

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