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130 Jahre Bosch Von der Werkstätte zum Weltkonzern

Redakteur: Katharina Juschkat

Vor 130 Jahren, am 15. November 1886, gründete Robert Bosch seine gleichnamige Firma. Anfangs beinahe zum Scheitern verurteilt, verhalf der Magnetzünder dem Unternehmen schließlich zum Welterfolg. Aber es war letztlich der Veränderungswille, der Bosch langfristig erfolgreich werden ließ.

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Robert Bosch mit Angestellten in Stuttgart-Feuerbach im Jahr 1935.
Robert Bosch mit Angestellten in Stuttgart-Feuerbach im Jahr 1935.
(Bild: Bosch)

Wie eine Erfolgsgeschichte liest sich das nicht gerade: Eröffnung im November 1886, bis 1891 von zwei auf gerade einmal 15 Mitarbeitern gesteigert. Im selben Jahr war das Startkapital fast aufgebraucht, der Firmengründer brauchte Bürgschaften von der Mutter, zusätzliche Bankkredite und 1892 stand das noch junge Unternehmen am Rande der Insolvenz. Vieles ist seitdem passiert. Heute beschäftigt Bosch rund 375.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz in Höhe von 70,6 Milliarden Euro. Aus der einstigen Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik ist eines der zehn größten Unternehmen Deutschlands geworden, das in mehr als 150 Ländern tätig ist. Eine Erfolgsgeschichte.

Impulse aus den USA

Offen sein für Neues und neue Märkte erschließen – das war Robert Bosch schon in jungen Jahren als Unternehmer wichtig. Im Alter von 23 Jahren wagte er den Sprung über den großen Teich. Er reiste in die USA, um bei Edison zu arbeiten und Einblicke in die Elektrotechnik zu erhalten, die damals in den USA weiter fortgeschritten war als in Europa. Bosch erhoffte sich, mit den neuen Impulsen in Deutschland ein zukunftsträchtiges Geschäft aufbauen zu können.

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Voller Tatendrang kam der junge Bosch 1886 zurück in seine Heimat und gründete am 15. November 1886 die Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik in Stuttgart. Auf die erste Euphorie folgte jedoch Ernüchterung. Da sich der Aufbau der Stromversorgung in Stuttgart hinzog, kam das Geschäft mit der Elektrotechnik nicht ins Rollen. Bosch stand am Rande der Insolvenz. Mit viel Einsatz konnte er sein Unternehmen mit kleineren Kundenaufträgen am Leben halten. Als die öffentliche Stromversorgung stand, stellte sich der erhoffte Erfolg jedoch nicht ein. Die Kunden waren weniger offen für elektrotechnische Neuerungen als der junge Bosch sich erhofft hatte.

Mut zu scheitern

Doch Robert Bosch verlor nicht den Mut. Überzeugt von seinem Optimismus, seinem Tatendrang, und dem Glauben an sich und seine Mitarbeiter hielt er nach neuen Geschäftsmöglichkeiten Ausschau. Das Jahr 1897 ist das vielleicht wichtigste Jahr in der Firmengeschichte. Dieses Jahr markiert den Beginn des Aufstiegs von Bosch zum Weltkonzern.

Bereits seit 1887 fertigte das Unternehmen Zündanlagen für Standmotoren, die in Gebäuden Strom erzeugen. Bis 1896 waren es insgesamt rund 1000 Stück. Das Geschäft dümpelte vor sich hin. Doch ein Jahr später sollte sich das ändern. Ein Kunde wünschte sich eine Zündung, die in einem Benzinmotor eingesetzt werden kann. Eine Zündung, die es bis dahin nicht gab. Unmöglich? Bosch beauftragte seinen Werkmeister Arnold Zähringer, die bisherigen Zündanlagen weiterzuentwickeln. Ein großes Wagnis. Für Bosch jedoch bedeutete es den entscheidenden Durchbruch, der das Unternehmen in die Welt der Fabrikanten katapultiert. Denn die Magnetzündung erwies sich als einziges zuverlässiges System für das Auto. Mit der Erfolgsgeschichte des Automobils nach 1900 wurde auch Bosch zum Weltkonzern. In den ersten fünf Jahren verkaufte Bosch 50.000 Exemplare seines Zündsystems, bis 1912 waren es bereits eine Million Stück.

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Historische Zahlen, Daten, Fakten

Mitarbeiter

  • 1886: 3
  • 1896: 14
  • 1906: 611
  • 1916: 5 639
  • 1956: 38 488
  • 1976: 105 872
  • 2015: 375 000

Umsatzanteil außerhalb Deutschlands im Jahresdurchschnitt

  • 1886: 0 %
  • 1896: 3,3 %
  • 1906: 78,9 %
  • 1916: 9,8 %
  • 1956: 18,8 %
  • 1996: 61 %
  • 2015: 80 %

Produktionszahlen Magnetzündung (Kernprodukt Aufstieg zum Zuliefererunternehmen)

  • 1887: 1 Stück
  • 1888: 4 Stück
  • 1891: 130 Stück
  • 1896: 528 Stück
  • Bis 1896 nur für Stationärmotoren, insgesamt 1 000 Stück gefertigt
  • 1897: Neue Magnetzündung für Automobile
  • 1902: Bis dahin insgesamt 50 000 Stück
  • 1910: Jahresproduktion 200 000 Stück (fast ausschließlich für Fahrzeugmotoren)
  • 1912: Bis dahin insgesamt eine Million Stück gefertigt

Frühzeitige Internationalisierung erschließt Marktchancen

Den riesigen Erfolg der Magnetzündung hatte auch Robert Bosch nicht erwartet. Als er 1900 den Entschluss fasste, eine Fabrik zu errichten, plante er eine Größe für etwa 200 Mitarbeiter. Zu dieser Zeit umfasst seine Belegschaft 30 Arbeiter und er überlegte, einen Teil des neuen Gebäudes zu vermieten. Er ging davon aus, dass sein Unternehmen auf maximal 100 Mitarbeiter anwachsen würde. Ein Irrtum. Nur acht Jahre später beschäftigte Bosch mehr als 1000 Mitarbeiter.

Doch der Erfolgsgeschichte der Magnetzündung stand Robert Bosch als vorausschauender und verantwortungsvoller Unternehmer skeptisch gegenüber. Im Wissen um die Abhängigkeit von einem einzelnen Produkt erschloss er neue Märkte auf der ganzen Welt. Ab 1908 waren Bosch-Zündungen auf allen Kontinenten erhältlich. So konnte das Unternehmen wachsen und internationale Bekanntheit erlangen. Langfristige Stabilität erlangte Bosch mit weiteren Produkten für das Automobil sowie Elektrowerkzeugen, Hausgeräten und Industrietechnik.

Geschäftsfelder ändern sich, Verantwortung bleibt

Die Fähigkeit zur Veränderung, das Überleben des Unternehmens durch den Einstieg in neue Sparten, aber auch den Ausstieg aus defizitärem Geschäft zu sichern, ist eines der Merkmale, das die Unternehmensgeschichte wie einen roten Faden durchzieht – bis heute. Ein Motiv für Robert Bosch und seine Nachfolger war und ist dabei die Verantwortung für die Mitarbeiter, nicht die Profitabilität als Selbstzweck. Denn Robert Bosch erkannte damals schon: „Wenn meine Magnetzündung eine Eintagsfliege ist, womit beschäftige ich meine Leute dann?“ (kj)

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