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Projekt-Territorien schützen

Von Hunden, Katzen, Projektleitern und Chefs

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Liebe Chefs und Projektleiter, solche Situationen können in der Hitze des Projekts und unter Kundendruck immer mal passieren. Damit die oben angedeuteten destruktiven Reaktionsvarianten erst gar nicht in Erwägung gezogen werden, sollten Grenzverletzungen deshalb zeitnah thematisiert werden. Und es sollte sichergestellt werden, dass sie sich nicht wiederholen. Beispielsweise wird geklärt, unter welchen Rahmenbedingungen von höherer Stelle ins Projekt eingewirkt werden darf. Wichtig: Es sollte sich um sehr triftige Gründe handeln, die für alle Beteiligten plausibel und nachvollziehbar sind. Beispielsweise akute Notfälle, in denen sehr schnell reagiert werden muss und der Projektleiter, aus welchen Gründen auch immer, nicht verfügbar ist. Es sollte klar sein, dass es sich um eine Ausnahme handelt.

In Projektteams sollte man die Territorialgrenzen respektieren.
In Projektteams sollte man die Territorialgrenzen respektieren.
(Bild: gemeinfrei, pixabay.com / CC0 )

Leider kommt es in Unternehmen immer wieder auch zu kleinen Territorialverletzungen, die in der Summe das Fass zum Überlaufen bringen. Dazu gehört die ungefragte Nutzung von Arbeitsmitteln der Kollegen oder Mitarbeiter. Auch wenn uns diese Mittel von der Firma zur Verfügung gestellt werden, gehören sie gefühlt uns, wenn wir uns für sie verantwortlich fühlen (und so soll es ja schließlich sein). Eine weitere Unart ist das rücksichtslose Verfügen über die Zeit anderer, also das Entern eines zeitlichen Territoriums. Wir sollten davon ausgehen, dass die Leute nicht herumsitzen und Däumchen drehen, bis jemand kommt und ihrer nutzlosen Existenz Sinn verleiht.

Wer einfach in ein Büro platzt, Menschen bei der Arbeit stört oder sie zwingt, alles stehen und liegen zu lassen, um sich um das eigene akute Anliegen zu kümmern, sollte einen wichtigen Grund haben. Andernfalls stellt dieses Verhalten eine Geringschätzung der Menschen und ihrer Tätigkeit dar. Eine höfliche Frage, ob es gerade passt, ist nicht zu viel verlangt. Besonders unangenehm ist die Verletzung der natürlichen Schutzzonen und der Intimsphäre. Dazu gehören beispielsweise das Setzen auf den Schreibtisch der Kollegin oder des Mitarbeiters, Körperdistanzen unter einer Armlänge, unangemessener Körperkontakt oder verbale Grenzüberschreitungen wie fragwürdige Witze und Anspielungen.

Führungskräfte sollten besonders sensibel auf territoriale Bedürfnisse und Ansprüche achten. Gerade bei ihnen wird diese Form der Wertschätzung als besonders positiv empfunden, weil sie die Macht hätten, auch ohne territoriales Gespür (zumindest eine ganze Weile) klar zu kommen. Achtung und Respekt beruhen ja bekanntermaßen auf Gegenseitigkeit.

Umgekehrt ist es auch wichtig, die eigenen Territorien zu schützen, z.B. indem der Projektleiter die Aussprache mit Führungskräften sucht, die ins Projekt hineinregieren, oder die Führungskraft die Befugnisse der Projektleitung klar definiert und angemessen auf Grenzüberschreitungen reagiert. Ob Sie nun Chef, Projektleiter oder Mitarbeiter sind: Haben Sie den Mut, die territorialen Verhältnisse im wörtlichen und übertragenem Sinne sichtbar zu machen, um einen gemeinsamen Modus vivendi zu finden. In Bayern sagen wir so treffend: S ghörn imma zwoa dazua: Oana, der‘s mocht und oana, der si‘s gfoin lasst.

Falls Sie eine Übersetzung dieser Weisheit wünschen, schicken Sie mir eine E-Mail.

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