Expertenmeinung /Teil 1

Was eigentlich ist der Kern der Automatisierung?

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Anbieter zum Thema

Bosch Rexroth

Steffen Winkler ist Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei der Bosch Rexroth AG.
Steffen Winkler ist Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei der Bosch Rexroth AG.
(Bild: Bosch Rexroth)

Industrielle Automatisierung umfasst aus funktionaler Sicht beispielsweise das Steuern, Regeln, Messen, Antreiben und Überwachen und dient dazu, Anwender zu entlasten, die Effizienz von Prozessen zu steigern sowie neue Geschäftsmodelle möglich zu machen. Dadurch können zum Beispiel Ressourcen wie Energie und Rohstoffe effektiver genutzt werden und die menschliche Arbeitsbelastung kann reduziert werden.

In Kombination mit entsprechenden Software-Lösungen – zum Beispiel in Form von Apps, wie wir sie über unser Ökosystem von CTRLX Automation bieten – lassen sich typische Automatisierungsaufgaben, aber auch Anforderungen an Zukunftstechnologien wie KI, 5G und Simulationslösungen einfach umsetzen.

Die von uns sowie von Drittanbietern bereitgestellten Apps unterstützen die Aufgabenstellungen der Automatisierung in Industrieunternehmen, die heute geprägt sind von zunehmender Digitalisierung, Flexibilisierung und Nachhaltigkeitsaspekten. Gleichzeitig können Anwenderinnen und Anwender ihre eigenen Apps entwickeln. Die Unterstützung nahezu aller gängigen Programmiersprachen und die entsprechenden Engineering-Tools ermöglichen die Entwicklung von Automatisierungslösungen ohne Bindung an anbieterspezifische beziehungsweise proprietäre Systeme.

Gleichzeitig bringt CTRLX Automation eine Vielzahl von fertigen Standard-Bausteinen mit, zum Beispiel für PLC, Motion, Safety, Kommunikation oder die sichere Anbindung an IT-Systeme. Mit der App-basierten Architektur können diese flexibel mit eigenen Softwarebausteinen und/oder Lösungen von Drittanbietern kombiniert werden.

Wir interpretieren industrielle Automatisierung also als rechte Hand des Menschen sowie als Motor, um Prozesse zu beschleunigen und Software-basierende Technologien – die zum Beispiel digitale Wertschöpfung versprechen – in Maschinen und Anlagen zu bringen.

Faulhaber

Dr. Andreas Wagener ist Leiter System Engineering bei der Dr. Fritz Faulhaber GmbH & Co. KG.
Dr. Andreas Wagener ist Leiter System Engineering bei der Dr. Fritz Faulhaber GmbH & Co. KG.
(Bild: Faulhaber)

In diesem Zusammenhang fällt mir immer die Rechenmaschine von Konrad Ernst Otto Zuse ein. Eine davon steht in München im Deutschen Museum. Anlass für diese Erfindung war, dass Zuse sich wiederkehrende und damit monotone Berechnungen ersparen wollte und sie deshalb automatisiert hat. Pointiert formuliert wäre der Kern der Automatisierung damit die systematisierte menschliche Faulheit.

Das gilt auch für die Industrie. Automatisierung ersetzt hier monotone, unbeliebte oder gefährliche Handarbeit. Dank Automatisierung muss heute niemand mehr am Fließband stehen und Lackierdämpfe einatmen. Lackierroboter nehmen uns diese Arbeit ab.

Gleichzeitig bedeutet Automatisierung auch technischen Fortschritt. Vergleicht man die grobschlächtigen Maschinen der Vergangenheit mit den heutigen Anlagen, die beispielsweise in der Halbleitertechnik mit Wiederholgenauigkeiten von unter einem Mikrometer arbeiten, erkennt jeder, dass dies ohne Automatisierung nicht möglich wäre.

Google

Dominik Wee ist Managing Director Manufacturing and Industrial bei Google.
Dominik Wee ist Managing Director Manufacturing and Industrial bei Google.
(Bild: Google)

In der Tat ist das Thema sehr komplex und letztlich ist es eine Domäne hochspezialisierter Experten mit Jahrzehnten an Erfahrung in diesem Bereich.

Was wir sehen, ist die konstant steigende Bedeutung von Automatisierung – der allgegenwärtige Fachkräftemangel und Supply Chain-Krisen, wie sie gerade in der Pandemiezeit spürbar wurden, sind besonders drängende Gründe dafür.

Dazu besteht die Notwendigkeit, Silos aufzubrechen: Ein Autohersteller möchte zum Beispiel wissen, wenn ein Auto im Betrieb ein Problem hat, woran es liegt und wie das Problem durch die eigene Wertschöpfung und über Wertschöpfungsstufen hinweg analysiert werden kann.

Darüber hinaus gibt es immer mehr technische Möglichkeiten, die aber auch immer schwieriger durch die Mitarbeitenden zu beherrschen sind. Wir müssen die Technologie folglich demokratisieren, sie also so aufsetzen, dass sie einfach zu verwenden ist, und das Personal auf den Shopfloor mitnehmen.

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IBM Automation

Marius Merkel ist Senior Sales Manager bei IBM Automation.
Marius Merkel ist Senior Sales Manager bei IBM Automation.
(Bild: IBM)

Industrielle Automatisierung ist für mich der Ansatz, bei dem Maschinen, Computer und Technik für industrielle Zwecke eingesetzt werden. Für einige Vordenker ist die Automatisierung nicht nur der Ursprung der Dritten Industriellen Revolution, sondern auch eine grundlegende Komponente für die Entwicklung der sogenannten Vierten Industriellen Revolution, bei der die Automatisierung mit künstlicher Intelligenz und vollständiger Vernetzung vorangetrieben wird. Auch ich bin überzeugt, dass die Automatisierung der Business-Prozesse sowie der IT, der nächste logische Schritt der industriellen Automatisierung ist, weil die Automatisierung im Unternehmen immer End-2-End betrachtet werden muss.

Automatisierung ist ein komplexes Thema, jedoch lässt sich dieses greifen. Die erzielten Mehrwerte hinsichtlich Kosten, gesteigerte Effizienz und Flexibilisierung lassen sich deutlich messen. Für uns ist dabei die bereits erwähnte End-2-End Betrachtung zwischen den Fachbereichen und der IT entscheidend.

Jeder Fach- und Geschäftsbereich eines Unternehmens greift heute auf digitale Anwendungen und Daten zurück oder besitzt sogar direkte Abhängigkeiten zu diesen Anwendungen beziehungsweise Daten – wie man so schön sagt: Daten sind das neue Gold.

Ich stelle immer die Frage, welchen Mehrwert bringt ein vollautomatisierter Business-Prozess, der in Korrelation zu ein oder mehreren Anwendungen des Unternehmens steht, wenn diese Anwendungen auf einmal ausfallen oder nicht mehr die Daten liefern können, die das Business braucht?

Wenn diese Anwendungen dann auch noch länger nicht bereitstehen, da man sich mit manuellem Aufwand auf Fehlersuche begibt oder manuell etwas in der Kern-Architektur anpassen muss, um das Problem zu beheben, dann können auch automatisierte Prozesse in der Produktion nicht mehr laufen. Dies kann einen enormen Schaden für den Fachbereich mit sich bringen – auch bereits bei wenigen Minuten des Ausfalls!

Andersrum lässt sich diese Frage auch stellen, welchen Mehrwerte als Unternehmen habe ich, wenn ich einen vollautomatisierten IT-Bereich habe, binnen Sekunden Fehler beheben und IT-Ressourcen bereitstellen kann, wenn ich manuelle und schlecht aufgesetzte Business Prozesse besitze?

Was ich damit sagen möchte – Unternehmen, die dies verinnerlichen und die unterschiedlichen Bereiche vom Business bis zur IT zusammenagieren lassen, werden bei weitem erfolgreicher sein als diejenigen, die weiterhin eine harte Trennung vornehmen. Was ist hierbei wichtig? Die Grenzen zwischen den Bereichen verschwimmen stetig und dies gilt es konzeptionell und technologisch aufzufangen.

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