Expertenmeinung /Teil 1

Was eigentlich ist der Kern der Automatisierung?

Seite: 6/6

Anbieter zum Thema

Schneider Electric

Michael Krausnick ist Sales Director Endusers & System Integrators bei Schneider Electric.
Michael Krausnick ist Sales Director Endusers & System Integrators bei Schneider Electric.
(Bild: Schneider Electric)

Ich persönlich war schon immer von den erstaunlichen Möglichkeiten der Automatisierungstechnik fasziniert. Wer kennt das nicht. Maschinen und Roboter, die mit höchster Fingerfertigkeit filigranste Bewegungsabläufe ausführen, besitzen nicht nur in Kinderaugen eine ganz eigene Anziehungskraft. Und möglicherweise sind wir damit auch schon bei einer ersten Definition von Automatisierung angelangt: Es geht um einen bemerkenswerten Vorgang, bei dem viele einzelne technische Komponenten und deren charakteristische Funktionen so aufeinander abgestimmt werden, dass ein vom Menschen weitestgehend autonomes System entsteht, das eigenständig dazu in der Lage ist, ein bestimmtes Endergebnis zu produzieren – egal, ob es sich bei diesem Ergebnis um die automatisierte Temperaturregelung in einem Gebäude oder um die automatisierte Anfertigung eines Sicherheitsrelais handelt.

Gleichzeitig bezieht sich der Begriff Automatisierung aber auch auf die Tätigkeit des Automatisierens. Und hier wird es interessant. Denn wenn wir über den Kern der Automatisierung sprechen, dann reicht es nicht aus, zu beschreiben, was Automatisierung eigentlich ist (autonome Prozesse), sondern es geht auch darum, zu fragen: Wie werden die einzelnen technischen Komponenten orchestriert?

Hierbei geht es also weniger um innovative Technologien wie Digital Twin oder KI an sich, sondern vielmehr um die Art und Weise, wie sich das Beste aus diesen Technologien herausholen lässt. Also um die Bedingungen für deren optimale Nutzung.

Eine Frage, mit der wir uns bei Schneider Electric sehr intensiv beschäftigen. Beim Vergleich der beiden IEC Normen 61131 und IEC 61499 kommt man etwa schnell zu dem Schluss, dass es die eine Automatisierung eigentlich nicht gibt. Zu unterschiedlich sind die beiden darin definierten Herangehensweisen etwa hinsichtlich der Verteilung von Intelligenz, der Portierbarkeit von Softwareobjekten oder des Engineering-Prozesses.

Sick

Markus Scaglioso ist Senior Vice President Global Industry Center Factory Automation bei der Sick AG.
Markus Scaglioso ist Senior Vice President Global Industry Center Factory Automation bei der Sick AG.
(Bild: Sick AG)

Unser Umfeld entwickelt sich zunehmend dynamisch. Die Globalisierung, Digitale Transformation, der demographische Wandel und eine spürbare Verknappung von Ressourcen steigern den Druck auf (industrielle) Unternehmen. Um produktiv zu bleiben und weiter am Markt bestehen zu können, müssen Betriebe ihre Produktionsprozesse flexibel und effizient gestalten.

Vor allem bei sich wiederholenden, ermüdenden Aufgaben oder potenziell gefährlichen Konstellationen (Safety) reduzieren (industrielle) Automatisierungslösungen die Notwendigkeit von menschlichem Eingreifen in den Betrieb von Anlagen. Die Mitarbeitenden können ihre freigewordenen Kompetenzen für komplexere Aufgaben nutzen, die direkt Mehrwert generieren und nicht von Technologien, Maschinen etc. übernommen werden können.

Turck

Dirk Wunder ist Leiter Corporate Marketing bei Turck.
Dirk Wunder ist Leiter Corporate Marketing bei Turck.
(Bild: Turck)

Automatisierung ermöglicht es, Maschinen und Anlagen, aber auch Logistikprozesse schneller, effizienter und auch nachhaltiger, also ressourcenschonender, zu machen. Verschiedenste Technologien eröffnen immer mehr Möglichkeiten zur Optimierung und Individualisierung. Eine zukunftsweisende Veränderung zum Beispiel ist das Zusammenwachsen der OT (Operational Technologie) und der IT (Information Technologie). Automatisierung kommt in derartig vielen Bereichen zum Einsatz, dass durch diese Zulieferrolle zwar Schwankungen entstehen, aber eine echte Krise in der Automatisierung nicht vorliegt. So wird beispielsweise gerade jetzt in einigen Branchen immer mehr automatisiert, wie etwa in den Bereichen Pharma, Biotech oder Logistik.

Weidmüller

Dr. Thomas Bürger ist Leiter der Division Automation Products & Solutions (APS) des Elektrotechnikunternehmens Weidmüller sowie Geschäftsführung der Weidmüller GTI Software.
Dr. Thomas Bürger ist Leiter der Division Automation Products & Solutions (APS) des Elektrotechnikunternehmens Weidmüller sowie Geschäftsführung der Weidmüller GTI Software.
(Bild: Weidmüller)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Dr. Thomas Bürger, Leitung der Division Automation Products & Solutions (APS) bei Weidmüller und Geschäftsführung der Weidmüller GTI Software

Was wir mit Einzug des Industrial IoT in die Automatisierung erleben, ist die konsequente Nutzung von neuen Technologien für eine bessere und effizientere Automatisierungstechnik. Diese Kompetenz, Technologien aus anderen Industrien intelligent in Automatisierungsprodukten und -lösungen so zu nutzen, dass sie für möglichst viele unterschiedliche industrielle Anwendungen (vom Maschinenbau über Prozessindustrie bis hin zu Anwendungen auf Schiffen oder in Infrastrukturprojekten) eingesetzt werden können, ist Grundlage der Automatisierungstechnik. Gute Beispiele aus der Vergangenheit sind hier sicher PC-Technologie oder auch das Ethernet.

Dies muss selbstverständlich kombiniert sein mit einer hohen Lösungskompetenz in der Anwendung. Das heißt, mit einem perfekten Verständnis der Anforderungen bei den Kunden und einer idealen Umsetzung dieser Anforderungen in Automatisierungslösungen. Neu ist sicherlich die Art des Zusammenarbeitens – sowohl bei der Produktentwicklung als auch bei der Erstellung von Automationslösungen. Hier geht, ganz klar, der Trend hin zu mehr Offenheit und mehr partnerschaftlichen Zusammenarbeit in offenen Ökosystemen. Über den gesamten Lebenszyklus von Automatisierungsprodukten, von der Entwicklung bis zur Anwendung, wird zum Beispiel über digitale Plattformen zusammengearbeitet. Zwischen Lieferanten und Kunden aber auch mit weiteren Komponentenlieferanten, Systemintegratoren oder auch Freelancern.

* Karin Pfeiffer, Wirtschafts- und Fachjournalistin, redaktion.kpfeiffer@gmail.com; Ines Stotz, Redakteurin, Vogel Communications Group

(ID:48286130)