Micro Innovation Was wichtig und was richtig ist bestimmt allein der Kunde

Redakteur: Wolfgang Leppert

Aus dem Blickwinkel der Kunden ist die Welt oft ganz anders als aus der eigenen Perspektive. Genau deshalb betrachtet und beurteilt Micro Innovation das eigene Portfolio und jede Neu- oder Weiterentwicklung konsequent mit der „Brille der Kunden“. Nur so entstehen letztlich Lösungen nach Maß, die Abnehmer wirklich überzeugen, versichert Oliver Schleicher, seit Mai 2008 Geschäftsführer der Micro Innovation GmbH in Bonn.

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Mit der Vision, komplexe Steuerungsanlagen einfach und robust bedienbar zu machen, ist Micro Innovation im Jahr 1990 angetreten. Inwieweit, Herr Schleicher, hat das Unternehmen diese Mission inzwischen erfüllt?

In diesem Punkt ist der Weg das Ziel, denn jeder Technologieschritt eröffnet neue Möglichkeiten, spezielle Lösungen zum Nutzen unserer Kunden umzusetzen. Die Vision als erfüllt zu betrachten würde daher bedeuten, stehen zu bleiben — und das läuft der Philosophie nach permanenter Weiterentwicklung klar zuwider. Wir sind ständig in Bewegung und arbeiten jeden Tag daran, neue und interessante Automatisierungslösungen zu entwickeln, was wir auch mit unserem Motto ,Innovation in Automation‘ nach außen hin signalisieren.

Wie würden Sie die aktuelle Markt- und Wettbewerbsposition von Micro Innovation charakterisieren, und was sind nach Ihrer Einschätzung die zentralen Stärken des Unternehmens?

Die entscheidende Abgrenzung zu wichtigen Wettbewerbern liegt im Aufbau unseres Portfolios von offenen Automatisierungslösungen. Wir berücksichtigen dabei zwei Arten von Kundenbedürfnissen: zum einen nach reinen Automatisierungskomponenten, zum anderen nach Teil- und Gesamtsystemen. Mit systemischen, offenen Komponenten, die auch eine problemlose Ankopplung an Third Party-Geräte erlauben, ermöglichen wir Innovation in Anlagen oder Maschinen, ohne dass der Kunde alle bestehenden Komponenten ersetzen oder auf vorgegebene verzichten muss. Als Beispiel sind hier die reinen HMI-Geräte mit unserer Visualisierungssoftware Galileo zu nennen, die dank zahlreicher Schnittstellen und Unterstützung von über 100 Kommunikationsprotokollen mit allen wichtigen Third Party-Komponenten kommunizieren können. Wie der Name ,systemische Komponente‘ bereits andeutet, können alle Bestandteile des Portfolios aber auch zu durchgängigen Gesamtsystemen vereint werden, bestehend zum Beispiel aus HMI-PLC, E/A-Komponenten und Motion-Control.

Den Bedürfnissen der Maschinen- und Anlagenbauer folgend hat Micro Innovation sein System-Portfolio in vier Leistungsklassen gegliedert (Archiv: Vogel Business Media)

Aus der langjährigen engen Zusammenarbeit mit OEM-Kunden haben wir gelernt, die Welt mit den Augen der Maschinen- und Anlagenbauer zu betrachten. Mit dieser Perspektive entstanden durch Adaption aus dem Maschinenbau vier Leistungsklassen für das System-Portfolio: Compact, Standard, Universal und Performance. Die Compact-Klasse richtet sich dabei an den Maschinen- und Apparatebau im unteren Preissegment, wobei das für uns nicht heißt, dass bei der Leistungsfähigkeit der Geräte Abstriche gemacht werden müssen. Die Standard-Klasse deckt den Leistungsanspruch mittlerer Standardmaschinen ab, wohingegen die Universal-Klasse wegen ihres modularen Geräteaufbaus für mittlere und größere OEM-Maschinen ausgelegt ist. Die Performance-Klasse wiederum bietet offene Hard- und Software-Plattformen für die Highend-Automatisierung. Aufgrund unseres systemischen Komponentenansatzes können die Geräte im Bedarfsfall natürlich auch über die Leistungsklassen hinweg miteinander kombiniert werden. Mit dieser Flexibilität können wir Kunden situativ und damit optimal betreuen, was eine unserer klaren Stärken ist.

Sowohl Ihr Motto ,Innovation in Automation‘ – sie haben es bereits erwähnt — wie auch Ihr Firmenname selbst lassen auf eine ausgeprägte Innovationskultur schließen. Was macht Sie so sicher, im Wettbewerb um die besten Technologien immer an der Spitze mitzumischen?

Wir investieren jährlich fast 20 Prozent des Unternehmensumsatzes in die Entwicklung neuer und die kontinuierliche Verbesserung bestehender Produkte und bauen natürlich unser Entwicklungsteam aus. So sind die Kunden trotz langfristiger Lieferverpflichtung von bis zu zehn Jahren immer auf dem aktuellen Stand der Technik. Qualität und Innovation stehen bei unserem Tun an oberster Stelle. Deshalb bieten wir nur Produkte an, deren Technologien in Hard- und Software vollständig beherrscht werden. Unsere Entwicklungsabteilung beschäftigt sich deshalb beispielsweise nicht mit dem einfachen Assembling irgendwelcher zugekauften Rechnermodule oder Komponenten. Mit dieser Entwicklungsphilosophie sind wir immer in der Lage, unseren Kunden für alle Belange rund um unsere Produkte kompetent und effizient Auskunft geben zu können. Das grenzt uns technologisch von Wettbewerbern ab.

Zugleich ist Spitzentechnologie meist nur im Verbund mit einem starken Vertrieb und einem umfassenden Dienstleistungsangebot erfolgreich. Wie sehen Sie Micro Innovation hier aufgestellt?

Micro Innovation ist einerseits durch eigene Vertriebskanäle in Deutschland und der Schweiz sowie international durch die Moeller-Vertriebsstruktur vertreten. So sind unsere Automatisierungslösungen bereits heute für alle wichtigen Märkte weltweit verfügbar. Ziel ist es natürlich, dieses erfolgreiche Vertriebskonzept weiter auszubauen. Mit unserem breitgefächerten Produktportfolio aus Visualisierungs-, PLC- und Motionkomponenten sind wir gut aufgestellt. Aufgrund der Flexibilität unseres Portfolios können wir auch immer mehr Branchenlösungen anbieten. Vergleichbar zu Lego-Bausteinen stellen wir daraus maßgeschneiderte Automatisierungslösungen zusammen. Eine sehr hohe Marktdurchdringung haben wir bereits in der Verpackungsindustrie erreicht. Weitere wichtige Branchen sind der Bereich Heizung, Lüftung und Klima, die Lebensmittel- und Getränkeindustrie sowie der Textilmaschinenbau, wo wir weiter richtig Gas geben.

Können Sie den daraus erwachsenden Kundennutzen kurz an einem konkreten Beispiel verdeutlichen?

Mit der Gruppierung unserer Produkte in vier Leistungsklassen haben wir uns gezielt ,die Brille unserer Kunden‘ aufgesetzt und bewusst eine Einteilung möglicher Lösungen aus Maschinen- oder Anlagensicht gewählt. So fällt es unserer Ansicht nach Kunden wesentlich leichter, die passende Systemlösung für ihre Automatisierungsaufgabe zu finden. Zusätzlich hat der Kunde aber auch die Möglichkeit, aufgrund unseres Portfolios mit systemischen Komponenten über die Leistungsklassen hinweg Geräte zu kombinieren. Er erhält dadurch maßgeschneiderte Lösungen, die auf einem soliden Standard-Produktsortiment basieren. Zusätzlich profitiert er von der Durchgängigkeit der Entwicklungswerkzeuge auf der Software- und Steuerungsseite über das gesamte Produktportfolio. Das generiert dem Kunden einen zusätzlichen Mehrwert. Dass wir bereits in der Vergangenheit mit diesen Ideen auf dem richtigen Weg waren, zeigt auch die Tatsache, dass marktführende Maschinenhersteller zu unseren langjährigen Kunden zählen. Zusätzlich unterstützt unser Portfolio mit offenen, systemischen Komponenten einen sanften Systemwechsel, denn selten entscheiden sich Kunden in einem Schritt für eine komplett neue Automatisierungslösung.

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Seit mehr als 15 Jahren pflegt Ihr Haus eine enge Zusammenarbeit mit Moeller. Wie ist die Arbeitsteilung in dieser Partnerschaft gestaltet, und welche Vorteile ergeben sich daraus – sowohl für die beiden Firmen wie insbesondere auch für die Kunden?

Von Beginn dieser Zusammenarbeit an passen die beiden Unternehmen von ihrer System- und Komponentenstruktur sehr gut zusammen. Wir ergänzen uns sowohl in technologischer wie auch auf vertrieblicher Seite optimal. Diese Synergien auf strategischer wie auch auf Produktebene bilden für uns deshalb klar das Fundament für die Zukunft und damit für eine weitere langjährige, erfolgreiche und partnerschaftliche Zusammenarbeit. Für Kunden ergibt sich vor allem der Vorteil, durch die Partnerschaft stets die für ihn passende Gesamtlösung zu erhalten – und das weltweit.

Sie selbst haben im Mai dieses Jahres die Geschäftsführung der Micro Innovation GmbH in Bonn übernommen. Welche Schwerpunkte und Ziele haben Sie sich persönlich in dieser Funktion gesetzt?

Mein klares Ziel besteht darin, jährlich ein Wachstum über dem Branchenschnitt zu generieren, denn kein Unternehmen lebt von dem, was es produziert, sondern ausschließlich von dem, was es verkauft. Das bedeutet für mich, systematisch neue Kunden zu gewinnen. Deshalb werden wir den Vertrieb auch mit Blick auf den globalen Markt kontinuierlich weiter auszubauen. Wir haben in Bonn bereits ein schlagkräftiges Team für das globale Key Account Management gebildet und werden den Ausbau unserer internationalen Automatisierungskompetenz weiter voran treiben. Zusätzlich wollen wir das Vertrauen unserer Kunden durch Innovationen auf Produkt- und Dienstleistungsebene sowie unternehmerische Kontinuität weiter stärken. Ein weiteres Ziel ist es, den Geschäftsbereich Gebäudeautomatisierung im Markt zu etablieren — erste Erfolge können wir bereits verzeichnen. Um den eingeschlagenen Weg geradlinig weiter zu verfolgen, werden wir in diesem Bereich systematisch unser bestehendes Produktportfolio komplettieren, um als lösungsorientierter Systemanbieter über eine starke Basis zu verfügen. So stärken wir die Rolle von Micro Innovation als bevorzugter Ansprechpartner für Automatisierungslösungen im Allgemeinen.

Die SPS/IPC/DRIVES 2008 steht unmittelbar bevor: Welche wesentlichen Neuheiten oder Weiterentwicklungen wird Micro Innovation in Nürnberg präsentieren?

Leistungsträger im „Taschenformat“: der neue XV100 mit 400MHz RISC-Prozessor und touchbedienbarem 3.5“ TFT-Display (Archiv: Vogel Business Media)

Mit dem XV100 zeigen wir in der Compact-Klasse mit einem 400MHz RISC-Prozessor und einem touchbedienbaren 3.5“ TFT-Display hohe Leistung im ,Kleinformat‘. Mit dieser Technologieplattform und einem attraktiven Preis-/Leistungsverhältnis setzten wir Massstäbe für die nächste Generation von Embedded-Systemen auf dem Markt. Das XV100 kann dabei alle ,Rollen‘ vom HMI bis zur HMI-PLC übernehmen – je nach Anforderungsprofil des Kunden. In Verbindung mit dem neuen XI/ON ECO Ethernet-Gateway ergibt sich daraus eine leistungsfähige Automatisierungslösung im ,Taschenformat‘. Mit MXpro als PLC nach IEC61131-3 und dem XV100 kann mit Ethernet als Feldbus sehr kostenoptimiert automatisiert werden. Neben dem Ethernet-Gateway sind neu auch multifunktionale Module der ECO-Linie für das XI/ON System erhältlich. Das reduziert die Anzahl der I/O-Module in vielen E/A-Konfigurationen von Maschinen deutlich.

Messeneuheit XV700: das System verspricht beste Leistungsparameter, große Offenheit und hohe Flexibilität (Archiv: Vogel Business Media)

In der Performance-Klasse erwartet die Kunden mit dem XV700 ein System mit sehr guten Leistungsparametern, großer Offenheit und hoher Flexibilität. Dass dabei nicht auf Kompaktheit verzichtet wurde, zeigt die ,Breite‘ der Modellreihe mit verfügbaren Displaygrössen von 8,4“ bis 19“. Versionen ohne Display für den ,Headless‘-Betrieb im Schaltschrank reihen sich nahtlos in die Antriebstechnik ein. Auch für diese Geräte gelten unsere hohen Massstäbe für Embedded-Systeme: Es gibt keine rotierende Teile und zwei Compact Flash als Massenspeicher für das Embedded-Betriebssystem und allfällige Programm- oder Prozessdaten. Mindestens zehn Schnittstellen gehören zur Grundausstattung: zweimal RS232, viermal USB Host, einmal Ethernet 10/100, einmal Ethernet 10/100/1000, Profibus und CAN. Darüber hinaus können die Möglichkeiten mit einer optional stckbaren PCI-Karte vervielfacht werden. Unsere Performance-Klasse definiert sich also über mehr als die reine Prozessorleistung.Quasi als ,Bruder‘ wird den XV700-Geräten das XP700 zur Seite gestellt. Bei annähernd gleichem Grundaufbau sind diese Geräte offene Industrie-PCs mit Windows CE oder XP, jedoch ohne Feldbus-Schnittstellen und PLC-Teil. Optional können XP700-Systeme mit einer Harddisk und – wenn nötig – mit einer aktiven Lüftung ausgerüstet werden. Das System wächst gewissermaßen mit den Kundenanforderungen – was im Übrigen eine Stärke aller unserer Systeme ist.

Das „Chamäleon“, ein neues Panel für die Gebäudeautomation mit dem bislang einmaligen Konzept variabler Frontblenden (Archiv: Vogel Business Media)

Über Partner sind wir ja bereits seit längerem auch in der Gebäudeautomation tätig. Zur SPS/IPC/DRIVES 2008 stellen wir nun ein speziell für den Gebäudebereich entwickeltes Panel mit 5.7“ Farb-TFT Display in VGA-Auflösung und resistivem Touchscreen vor. Das Gerät wartet mit zwei innovativen Ansätzen auf. Einerseits kann es in normierte Unterputzdosen aus dem Standardsortiment für Elektroinstallationen eingebaut werden. Einmalig in der Branche ist allerdings das Konzept der variablen Frontblenden; es setzt der Fantasie des Anwenders bei der Gestaltung und den verwendeten Materialien fast keine Grenzen. Egal ob Glas, Kunststoff, Edelstahl oder Granit: Das ,Chamäleon‘ lässt sich immer perfekt anpassen — auch wenn die Ansprüche später einmal wechseln sollten.

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