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Dichtungstechnik Weniger Reibung bringt mehr Energieeffizienz

| Redakteur: Carina Schipper

Wenn die Temperaturanzeige im Auto verrücktspielt, kann das mehrere Gründe haben. Eine mögliche Ursache kann in der Zylinderkopfdichtung liegen - im Vergleich zu den anderen Komponenten eines Verbrennungsmotors ein eher unscheinbares Teil. Diese muss dann ausgetauscht werden, denn ohne Dichtungen funktioniert der Motor nicht mehr. Das gilt auch für elektrische, hydraulische und pneumatische Antriebe. Auf der Hannover Messe 2015 stellen Dichtungshersteller im Rahmen der Teilmesse Industrial Automation, Motion, Drive & Automation (MDA) ihre Produkte und Neuheiten rund um Dichtungen vor.

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Der Simmerring gehört zu den Dichtungs-Klassikern und wurde nach seinem Entwickler Walther Simmer benannt.
Der Simmerring gehört zu den Dichtungs-Klassikern und wurde nach seinem Entwickler Walther Simmer benannt.
(Bild: Freudenberg Sealing Technologies)

„Zu den ausstellenden Unternehmen gehören sowohl weltweite Marktführer wie Freudenberg Sealing Technologies, Parker-Prädifa und Trelleborg als auch viele kleinere Spezialisten, die sich auf einzelne Marktsegmente der Dichtungstechnik konzentrieren”, berichtet Marc Siemering, Geschäftsbereichsleiter Hannover Messe, Deutsche Messe AG. Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des VDMA und verantwortlich für die Antriebs- und Fluidtechnik, unterstreicht die Bedeutung der vermeintlich unscheinbaren Dichtungstechnologie: „Antriebs- und Fluidtechnik sind im industriellen Alltag von zentraler Bedeutung und stehen im Zentrum der technologischen Entwicklung. Daher gilt den einzelnen Bauteilen, darunter die Dichtungen, ein großes Augenmerk. Hier werden, vor den Augen des Anwenders verborgen, im tribologischen Kontakt Höchstleistungen vollbracht.”

Zu den technischen Trends im Dichtungsmarkt gehört die Reduzierung der Reibung. Je weniger Reibung die Dichtung erzeugt, desto größer ist die Energieeffizienz des Antriebs. Vor allem optimierte Geometrien und verbesserte Elastomerwerkstoffe führen dabei zum Ziel. Beispiele für derartige Entwicklungen sind die „Low Emission Sealing Solutions”, die Freudenberg Sealing Technologies in Hannover zeigen wird. Das „Highlight” am Stand von Parker-Prädifa wird eine neue Werkstoff-Familie sein, die nach Überzeugung der Entwickler nicht nur die Dichtungstechnik verändern wird. Denn das neue Material kann sowohl zu Dicht- und Führungselementen mit hervorragender Verschleißfestigkeit und sehr gutem Rückstellvermögen verarbeitet werden als auch zu anderen technischen Bauteilen. Besonders eignet es sich für die anspruchsvollen Anforderungen in der Hydraulik. Darüber hinaus wird Parker neue Dichtungswerkstoffe für Anlagen der Nahrungs- und Getränkeindustrie sowie für fluidtechnische Anwendungen und für die Automobilindustrie vorstellen. Als interessante Konstruktionslösungen zeigt der Hersteller Einsatzfälle der FlexiCase-Rotationsdichtungen. Das Unternehmen entwickelte sie für rotierende Anwendungen in rauen Umgebungen mit extrem hohen Temperaturen, hohen Gleitgeschwindigkeiten und korrosiven Medien, das heißt zum Beispiel für Kompressoren, Spezialpumpen und Hydraulikmotoren.

Dichtungen können mehr

Interessant für viele Konstrukteure von Antrieben in Maschinen, Anlagen und Fahrzeugen ist die Integration von Zusatzfunktionen in die Dichtung. So hat Freudenberg Sealing Technologies eine thermochromische Beschichtung erarbeitet, die der Dichtung als Temperatursensor dient – eine Neuheit, die ebenfalls auf der MDA vorgestellt wird. Für rotative Antriebe stehen Dichtungen mit integrierten Encodern zur Drehzahlerfassung zur Verfügung: Hier wird die Dichtung Teil des Antriebs- und Automatisierungskonzeptes. Neben der stationären Antriebstechnik stellt die Automobilindustrie eine zentrale Zielbranche der Dichtungshersteller dar. Diese verfolgen intensiv die Entwicklung von speziellen Dichtungstypen für die Elektromobilität. Zwar benötigt ein reines Elektrofahrzeug weder Zylinderkopf- noch Kurbelwellendichtungen und Kolbenringe. Aber in einem typischen Elektroauto aus aktueller Produktion wie dem Chevrolet Volt mit Range Extender sind rund sechshundert Dichtungen verbaut, und an viele werden hohe Anforderungen zum Beispiel in Bezug auf Lebensdauer, Leckagesicherheit und Reibungsreduzierung gestellt. Weitere Hightech-Märkte für die Dichtungstechnik sind neben dem allgemeinen Maschinen- und Fahrzeugbau auch die Luftfahrt, der Schiffbau, die Baumaschinenindustrie sowie die Lebensmittel- und Pharmaindustrie. Konstrukteure aus all diesen Bereichen werden auf der MDA nicht nur neue Dichtungssysteme kennen lernen, sondern auch Komplettlösungen für Medienschnittstellen wie zum Beispiel die neuen Rohrverschraubungen von Stauff. Das Unternehmen, weltweit bekannt als Hersteller der „Stauff-Schellen“, wird in Hannover erstmals ein Rohrverschraubungssystem aus eigener Fertigung zeigen, das für Leckagesicherheit in hydraulischen Anlagen sorgt. Die Dichtung mit 24o-Dichtkonus und O-Ring ist dabei ein zentrales Element. In Hannover sind aber nicht nur neue Dichtungssysteme zu sehen, sondern auch neue Fertigungstechnologien für Dichtungen. Freudenberg demonstriert auf seinem Stand vor Ort die flexible Herstellung von Gummiformteilen durch 3D-Druck und UV-Härtung – ein ideales Verfahren für die schnelle Produktion von Dichtungen in kleinen Losgrößen.

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