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Karrierefaktor

Wenn der Traumjob sich in eine Sackgasse verwandelt

| Autor/ Redakteur: Bernhard Kuntz / Sariana Kunze

Drum prüfe, wer sich ewig/länger bindet... Dieser Ausspruch trifft nicht nur bei der Partnerwahl, sondern auch bei der Wahl des Arbeitgebers zu. Denn immer wieder entpuppen sich vermeintliche Traumjobs als berufliche Sackgassen. Wer also im Job ein "böses Erwachen" vermeiden möchte, sollte sich nicht von Gehalt und Sozialprestige blenden lassen. Oft schützt ein genaues Prüfen der neuen Position vor Fehlentscheidungen.

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Was tun, wenn der Traumjob sich als Sackgasse entpuppt?!
Was tun, wenn der Traumjob sich als Sackgasse entpuppt?!
(Jens Goetzke_pixelio.de )

„Höher, schneller, weiter.“ Nach dieser olympischen Maxime agieren viele hochqualifizierte Spezialisten und Führungskräfte bei der Jobsuche – und landen zuweilen auf dem Hosenboden. Das heißt, verführt von einem Stellenangebot, das ihnen einen höheres Gehalt, mehr Sozialprestige oder ein schnelleres berufliches Fortkommen verspricht, nehmen sie eine neue Stelle an, die sich nach kurzer Zeit als Sackgasse erweist. So zum Beispiel Nicole Nagel*. Die 39-jährige Betriebswirtin erhielt, nachdem sie fast ein Jahrzehnt als Controllerin für einen Chemiekonzern im Rheinland tätig war, von einem mittelständischen Maschinenbauer im Schwabenländle, der gerade in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, das Angebot, dessen Controlling neu aufzubauen. Und da Nagel neben der Aufgabe die Position und das Gehalt reizte, schlug sie spontan zu.

Doch dann saß das Stadtkind in der schwäbischen Provinz und merkte: „Die ticken hier ja ganz anders. In Köln sprach ich mit meinen Kollegen über die neusten Filme und Theaterstücke sowie angesagten Bars. Doch hier drehen sich die Gespräche um den örtlichen Feuerwehrverein und Strickanleitungen. Und mein direkter Chef, der Geschäftsführer Finanzen des Betriebs? Der sagte zwar in den Auswahlgesprächen, ich hätte beim Aufbau des Controllings weitgehend freie Hand. Doch faktisch pfuscht er mir permanent ins Handwerk.“ Das heißt: Bereits nach wenigen Tagen bereute Nagel ihren Entschluss und sehnte sich nach Köln und ihren Freunden zurück.

Die Chemie muss einfach stimmen

Nicht einmal enttäuscht war Nagel dann auch, als der Geschäftsführer Finanzen nach der Hälfte der Probezeit, nach drei Monaten ihr mitteilte: „Wir werden die Zusammenarbeit mit Ihnen beenden.“ Auch überrascht war sie nicht. Denn auch sie spürte: Die Chemie stimmt nicht. Die eigentlichen Probleme begannen für die Controllerin erst, als sie wieder in Köln in ihrer Wohnung saß. Denn dort wurde ihr erst so richtig klar: „Meine alte Stelle bei dem Chemiekonzern habe ich nicht mehr. Wenn ich jedoch eine neue, meiner Qualifikation angemessene Stelle finden möchte, muss ich mich eigentlich bundesweit bewerben – obwohl ich inzwischen weiß: Ich möchte im Raum Köln bleiben.“

Immer die Konsequenzen eines möglichen Flops berücksichtigen

Ähnliche Fehler begehen oft laut Alexander Walz, Geschäftsführer der Personalberatung Conciliat, hoch qualifizierte Stellensucher. Sie manövrieren sich, weil sie die Konsequenzen eines Stellenwechsels nicht ausreichend reflektieren, „in eine Situation, in der es nur in Ausnahmefällen noch eine optimale Lösung gibt“. Denn ihre Arbeitsmarktsituation ist eine andere als die von Handwerkern. Erweist sich bei einem Elektriker ein neuer Job als Flop, dann findet er meist am selben Ort oder zumindest in derselben Region einen neuen Arbeitsplatz. Anders ist es, wenn sich bei einem hochqualifizierten Spezialisten oder einer gehobenen Führungskraft der neue Job als Flop erweist. Dann muss sich der Kandidat meist bundesweit bewerben – also einen erneuten Umzug in Kauf nehmen. Außer er ist, wenn er zum Beispiel eine Familie hat, bereit, künftig eine Wochenendehe zu führen.

Was dies bedeutet, unterschätzen viele. So zum Beispiel der Diplom-Kaufmann Claus Steger*. Der gebürtige Hamburger erhielt von dem IT-Unternehmen, für das er in der Hansestadt arbeitete, vor fünf Jahren das Angebot, in dessen Münchner Zentrale deren „Salesmanager Europe“ zu werden. Steger schmeichelte dieses Angebot nicht nur, er rechnete sich auch aus: „Wenn du den Job zehn Jahre machst, hast du ausgesorgt.“ Seine Frau war von dem Job-Angebot nicht so begeistert. Denn sie wollte mit ihren beiden pubertierenden Kindern keinesfalls nach München ziehen. Doch sie gab Steger freie Hand: „Wenn du den Job machen willst, dann tue es. Dann führen wir eben eine Wochenendehe.“ Also trat Steger die Stelle an und pendelte fortan hin und her. Doch rasch erwies sich die neue Stelle in München als deutlich herausfordernder als gedacht. Und was er völlig unterschätzt hatte: Als Salesmanager Europe musste er immer wieder in die entlegensten Ecken Europas reisen. Folglich wurde aus den geplanten regelmäßigen Wochenendflügen nach Hause, nach Hamburg oft nichts. Und wenn doch? Dann war seine Tasche voller Arbeit. Nach kurzer Zeit merkte Steger: Die neue Stelle nagt an seiner Substanz. Und nach eineinhalb Jahren wurde er mit einem Burn-out in eine Klinik eingeliefert. Und nachdem er ein halbes Jahr krankgeschrieben war, unterschrieb er einen Auflösungsvertrag mit seinem Arbeitgeber – „mit einer satten Abfindung“. Doch was hat er davon? Wenig! Gesundheitlich ist Steger zwar wieder auf dem Damm. Doch eine neue Festanstellung hat der heute 54-Jährige in den letzten drei Jahren nicht mehr gefunden. Stattdessen jobbt er ab und zu für einige Monate als „Interimsmanager“ – oder wie er selbst ironisch sagt, als „gutbezahlter Leiharbeiter“.

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