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Energieeffizienz Wer macht 93 Milliarden locker?

| Redakteur: Robert Weber

Atomkraftwerke aus, Windparks an, Solarmodule aufs Dach, ein paar Stromtrassen durch die Republik und die Energiewende läuft. In der Diskussion vermisst die Industrie von der Politik aber vor allem den Effizienzgedanken – die zweite Säule der Energiewende. Hybride Fonds-Lösungen sollen bei der Finanzierung helfen.

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Energieeffizienz soll den Zählerlauf verlangsamen. Doch die Unternehmen scheuen langfristige Investitionen.
Energieeffizienz soll den Zählerlauf verlangsamen. Doch die Unternehmen scheuen langfristige Investitionen.
(Bild: Harry20 unterCC BY-SA 3.0-Lizenz, wikicommons)

Auf zwei Säulen soll die Energiewende fußen – der Umstellung der Energieversorgung und der Energieeffizienz in den privaten Haushalten und in den Betrieben. Doch Heinz Dürr, ehemaliger Topmanager der Republik, Ex-Bahn-Chef und Großaktionär der Dürr AG, vermisst von der Politik bis dato das Engagement für den Effizienzgedanken. Er ist ein rastloser Werber für Einsparungen von Energie in der Fabrik. Ohne Energieeffizienz keine Energiewende, bringt es Dürr auf einer Veranstaltung in Stuttgart auf den Punkt. Doch der Firmenlenker weiß auch, dass sich Investitionen in Effizienz rechnen müssen. Ein Spagat, den viele Energiemanager machen müssen, denn Amortisationszeiten von mehr als drei Jahren sind in vielen Betrieben heute tabu.

Momentan konzentrieren sich viele Firmen vor allem auf Energie- und Umweltprojekte, die eine schnelle Steuer- oder Abgabenbefreiung versprechen. Eine weitere Erklärung: Geschäftsführer oder Vorstände wechseln häufiger und individuelle Entlohnungsmodelle setzen bei vielen Managern noch zu sehr auf kurzfristige Gewinne. Es fehlt der Ansporn für Investitionen über einen längeren Zeitraum, da diese zunächst oft auch das private Portemonnaie des Verantwortlichen belasten, Gewinne verringern und ein möglicher Nachfolger streicht dann in der Zukunft die ideellen und finanziellen Lorbeeren ein – ein Fehler im System? Hinter vorgehaltener Hand maulen einige Ingenieure und Techniker, dass es vor allem ein Problem der unternehmerischen Einstellung der Betriebswirte und MBA-Absolventen sei, die heute in der Mehrzahl an den Schalthebeln der Macht säßen.

Die Amortisationszeit bremst Projekte aus

Kersten-Karl Barth, Substainibility Director bei Siemens, gibt nicht viel auf Vorurteile, Gerüchte oder das Bauchgefühl. Er will es wissen. Der Technologiekonzern hat eine Erhebung zu Investitionshemmnissen bei Effizienzmaßnahmen vorgelegt. Das Ergebnis: Es fehlt laut Befragten ein politisches Anreizsystem, die Marktsituation der Unternehmen behindert Ausgaben, die Amortisationszeiten sind zu lang und der Kapitalmangel oder der begrenzte Zugang zu Geldquellen würden die Entscheider hemmen. Dabei wäre aus Sicht der Demoskopen viel Energie und vor allem Geld einzusparen. Bis zu 199 TWh pro Jahr könnte die deutsche Wirtschaft an Energie einsparen. 42 TWh im Bereich elektrische Energie und 157 TWh im thermischen Bereich. Spareffekt pro Jahr: 11,2 Mrd. Euro. Investieren müssten die Unternehmen 93 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Der Haushalt der Bundesrepublik Deutschland liegt bei rund 300 Mrd. Euro pro Jahr. Würde man eine Amortisationszeit von drei Jahren als Grenze einziehen, dann läge laut Siemens-Studie das Einsparpotential bei 79 TWh pro Jahr oder 4,4 Mrd. Euro. Demgegenüber ständen Investitionen von 13 Mrd. Euro.

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