„Monitoring Report Wirtschaft Digital 2016“ Wie digital sind deutsche Unternehmen?

Redakteur: Dr. Gesine Herzberger

Wie digitalisiert sind die einzelnen Branchen der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland eigentlich? Dieser Frage stellte sich auch der aktuelle „Monitoring Report Wirtschaft Digital 2016“. Die Deutschen sind gut dabei: 70 % haben die Digitalisierung schon in ihre Unternehmensstrategie eingebunden.

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Der Digitalisierungsgrad deutscher Unternehmen steigt immer weiter. 2016 haben sogar schon 70 Prozent der Unternehmen die Digitalisierung in ihre Unternehmensstrategie eingebunden.
Der Digitalisierungsgrad deutscher Unternehmen steigt immer weiter. 2016 haben sogar schon 70 Prozent der Unternehmen die Digitalisierung in ihre Unternehmensstrategie eingebunden.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Die Digitalisierung der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland hat sich im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesteigert. Laut Wirtschaftsindex DIGITAL, den TNS Infratest und das ZEW im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im „Monitoring Report Wirtschaft DIGITAL 2016“ veröffentlicht haben, erreicht Deutschland beim Digitalisierungsgrad seiner gewerblichen Wirtschaft jetzt 55 von 100 möglichen Indexpunkten. Dies ist ein Anstieg gegenüber zum Vorjahr um sechs Punkte. Die Prognose der befragten Unternehmen sieht Deutschland in fünf Jahren bei einem Wert von 58 Punkten liegen.

Digitalisierungsgrad steigt

„Damit die Unternehmen weiterhin solche deutlichen Fortschritte in der Umsetzung der Digitalisierung machen können, bleibt es wichtig, die Hemmnisse weiter abzubauen. Neben Breitband und Investitionsbedarfen, kann auch die Klärung von Datenschutz- und Datensicherheitsfragen die Rahmenbedingungen erleichtern“, sagt Dr. Sabine Graumann von TNS Infratest, die die Gesamtverantwortung für die Studie trägt. 47 % (2015: 34) der gewerblichen Wirtschaft haben ihre unternehmensinternen Prozesse hoch digitalisiert. 70 % (2015: 64) haben die Digitalisierung in ihre Unternehmensstrategie eingebunden. Die Digitalisierung der Geschäftstätigkeit hat sich ebenfalls erhöht. 43 % der gewerblichen Wirtschaft (2015: 27 %) generiert mehr als 60 % ihres Umsatzes bereits digital. Die Nutzungsintensität digitaler Technologien ist nach wie vor hoch. 72 % der festangestellten Mitarbeiter nutzen stationäre, 31 % mobile Geräte. Die Nutzung digitaler Dienste ist noch steigerungsfähig.

Große Unterschiede zwischen den Branchen

Der Wirtschaftsindex DIGITAL zeigt, dass sich die gewerbliche Wirtschaft hauptsächlich in drei Digitalisierungsdimensionen zwischen „hoch“, „durchschnittlich“ und „niedrig“ digitalisiert aufteilen lässt. 27 % der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sind „hoch“ digitalisiert (>= 70 Indexpunkte), 49 % „durchschnittlich“ (40 bis 69 Punkte im Index) und 24 % sind „niedrig“ (< 40 Punkte) digitalisiert. Betrachtet man die elf Kernbranchen innerhalb dieser Dimensionen werden große Unterschiede deutlich.

„Hoch“ digitalisiert: Die IKT-Branche ist und bleibt digitaler Vorreiter und hat einen Sprung auf 75 Indexpunkte geschafft. Damit liegt sie deutlich über dem gesamten Wirtschaftsindex DIGITAL 2016 von 55 Punkten. Als „hoch“ digitalisiert gelten auch die wissensintensiven Dienstleister mit heute 70 und in fünf Jahren 79 Punkten. Nach der Prognose werden sich diese im Jahr 2021 sogar vor der IKT-Wirtschaft mit 77 Punkten platzieren.

„Durchschnittlich“ digitalisiert: So zeigen sich sieben der elf analysierten Kernbranchen der gewerblichen Wirtschaft. Die Finanz- und Versicherungswirtschaft positioniert sich mit 61 Punkten auf Rang drei nach den hoch digitalisierten Branchen. Prognostiziert wird ihr eine Verbesserung um drei Punkte bis 2021. Der Handel liegt aktuell bei 55 Punkten (2021: 58 Punkte) und behauptet seinen vierten Rang mit deutlichem Vorsprung zur Energie- und Wasserversorgung mit 48 Punkten (2021: 52 Punkte) auf Rang fünf. Rang sechs im Index erreicht der Maschinenbau mit 46 Punkten (2021: 47 Punkte) vor der an siebter Stelle platzierten chemisch-pharmazeutischen Industrie, die aktuell und künftig 45 Punkte im Index erzielt. Während die Verkehrs- und Logistikbranche mit 43 Indexpunkten im Jahr 2016 auf Rang acht liegt, verbessert sie sich bis 2021 durch einen deutlichen Zuwachs auf 47 Indexpunkte auf Rang sieben. Der Fahrzeugbau ist und bleibt mit jeweils 40 Punkten in beiden Jahren auf Rang neun.

„Niedrig“ digitalisiert: Das ist und bleibt das Gesundheitswesen mit 36 Punkten (2021: 38 Punkte) und das sonstige verarbeitende Gewerbe, das als Schlusslicht mit 35 Punkten auf Rang elf stagniert.

Welche Vorteile bietet die Digitalisierung den Unternehmen?

84 % der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft sehen in der Verbesserung der Zusammenarbeit mit externen Partnern, 80 % in der Effizienzsteigerung unternehmensinterner Prozesse die beiden größten Vorteile, die die Digitalisierung ihren Unternehmen gebracht hat. Drei Viertel bestätigt deutlich erkennbare Wachstumssteigerungen, 71 % eine sichtbare Steigerung ihrer Innovationsfähigkeit.

Woran hapert es?

Das größte Hemmnis für den Ausbau der Digitalisierung in der gewerblichen Wirtschaft stellt die Unterversorgung mit Breitband (40 % der Befragten) dar. Mit 38 % ist der hohe Investitionsbedarf die zweitgrößte Hürde. Obwohl 85 (2015:80) % der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft die Digitalisierung für insgesamt bedeutsam halten, geben immerhin noch 32 % an, dass der hohe Zeitaufwand eine Hürde darstelle. Fast jedes vierte Unternehmen sieht in fehlenden, verlässlichen Standards (28 %) und in Datenschutz- und Datensicherheitsfragen (25 %) Erschwernisse, die der Digitalisierung entgegenstehen. 25 % der Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft halten die Digitalisierung nicht für notwendig.

Handlungsbedarf durch die Politik

Im Zentrum des politischen Bemühens sollte weiterhin die digitalisierungsfreundliche Gestaltung der Rahmenbedingungen stehen. Die wichtigsten Hemmnisse, die der Digitalisierung entgegenstehen und politisch zu bekämpfen sind, sind die mangelhafte Versorgung mit Breitbandverbindungen sowie der Fachkräftemangel. Die rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere in den Bereichen Datenschutz und Datensicherheit müssen kontinuierlich und schnell mit Blick auf den rapiden technischen in ökonomischen Wandel fortgeschrieben werden. Die Entscheidungsträger für die rechtlichen Rahmenbedingungen sind besser und kontinuierlich für die Schaffung eines geeigneten Umfeldes für innovative Geschäftsmodelle weiterzubilden. Der „Wert der Daten“ ist bewusst als Chance wahrzunehmen. Auswertungen sollten dem Kunden dienen, beispielsweise im Gesundheitswesen dem Wohl der Patienten. Auch hier sind die angemessenen Rahmenbedingungen durch die Politik noch zu schaffen. Das Gleiche gilt für die digitale Arbeitswelt.

Zum Wirtschaftsindex DIGITAL

Der Wirtschaftsindex DIGITAL zeigt in einer Zahl an, wie weit die Digitalisierung in den deutschen Unternehmen aktuell fortgeschritten ist und wie sie sich bis 2021 verändern wird. Der Wirtschaftsindex DIGITAL misst in einer Zahl zwischen 0 und 100 Punkten den Digitalisierungsgrad der deutschen gewerblichen Wirtschaft, ihrer Teilbranchen und des Mittelstands. Digitalisierungsprofile geben Auskunft darüber, wie weit die Digitalisierung in jedem Wirtschaftsbereich vorangeschritten ist, wie hoch das Digitalisierungstempo künftig sein wird, welche Hürden bestehen und wie es um die Weiterbildung in Digitalkompetenzen bestellt ist.

Zum „Monitoring-Report Wirtschaft Digital 2016“

Der Monitoring-Report Wirtschaft Digital 2016 analysiert im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), welchen Mehrwert die Digitale Wirtschaft für Deutschland schafft und wie sich der Standort im internationalen Vergleich der führenden zehn digitalen Wirtschaftsnationen (Standortindex Digital) positioniert. Im vorliegenden Monitoring-Report wurde mit dem Wirtschaftsindex Digital der Digitalisierungsgrad der gewerblichen Wirtschaft in Deutschland nach Branchen differenziert erhoben.

Zur Studienerhebung

TNS Infratest führte April bis Juli 2016 eine repräsentative Befragung unter den deutschen Unternehmen zum Stand und zu den künftigen Perspektiven der Digitalisierung in Deutschland durch. Es wurden 924 Interviews durchgeführt. Der Fragebogen wurde in enger Projektpartnerschaft gemeinsam mit dem ZEW Mannheim, erarbeitet. Die Befragung ist für die gesamte gewerbliche Wirtschaft repräsentativ, das heißt für die folgenden elf Branchen: den Maschinenbau, den Fahrzeugbau, die chemisch-pharmazeutische Industrie, das sonstige verarbeitende Gewerbe, die Informations- und Kommunikationswirtschaft, die Energie- und Wasserversorgung, den Handel, den Bereich Verkehr und Logistik, die Finanz- und Versicherungswirtschaft sowie für die wissensintensiven Dienstleister und die Gesundheitswirtschaft.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf unserem Schwesterportal www.marconomy.de

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