Externe Experten gefragt Wie Tele-Health zur effizienten und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung beiträgt

Autor / Redakteur: Wolfgang Bayer / Ines Stotz

Die technischen Möglichkeiten der Behandlung und der kontinuierlichen Überwachung vor allem von chronischen Krankheiten entwickeln sich rapide. Neben professionellen Anwendungen für Ärzte und Krankenhäuser können künftig auch Angebote für — kranke und gesunde — Konsumenten eine Rolle spielen.

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Miniaturisierung und Computerisierung der Medizintechnik haben in den letzten Jahren dazu geführt, dass immer mehr medizinisch relevante Messwerte mit Hilfe von Geräten erfasst werden können, die auch von Laien zu bedienen sind. Zugleich erlauben es die rasanten Fortschritte in der Kommunikationstechnik inzwischen auch große Datenmengen sicher über weite Entfernungen zu übertragen. Zusammen haben diese beiden Trends dazu geführt, dass ein neues Anwendungsgebiet für Medizintechnik entstanden ist, Tele-Health.

Generell kann man darunter alle Anwendungen verstehen, bei denen medizinische Daten aus der Ferne erfasst oder beurteilt werden. Zusätzlich sollte man zwischen Anwendungen für Ärzte und Krankenhäuser und Anwendungen für Konsumenten unterscheiden. Gerade letzteres steht aber erst am Anfang der Entwicklung.

Für Ärzte und Krankenhäuser bedeutet Tele-Health heute vor allem eine Möglichkeit über Zweitbefundungen die eigene Diagnose zu bestätigen oder einen Spezialisten zu konsultieren, der in der eigenen Einrichtung nicht vorhanden ist. Beides trägt erheblich zur Sicherheit und Schnelligkeit von Diagnosen bei. Für die Wahl zwischen verschiedenen Behandlungsoptionen ist dies von großer Bedeutung. Die Anwender können dabei bereits heute auf eine Vielzahl innovativer Angebote verschiedener Hersteller zurückgreifen. Für die dynamische Entwicklung des Gebietes Tele-Health spielt das Systemwissen, welches die Unternehmen der medizintechnischen Industrie in vielen Jahren erworben haben, eine große Rolle. Mindestens ebenso wichtig ist aber die enge Kooperation mit den zukünftigen Nutzern der Produkte und Systeme.

Dabei ist es aus technischer Sicht heute praktisch kaum noch von Bedeutung, um welche Art von Daten es sich handelt. Kardiologen können anhand einer elektronisch übertragenen EKG-Kurve feststellen, ob der Patient einen Herzinfarkt hatte. Pathologen können anhand eines hochauflösenden Mikroskopbildes einer Gewebeprobe bestimmen, ob es sich um einen bösartigen Tumor handelt. Radiologen können mit einer Serie von CT- oder MR-Bildern entscheiden, ob der Patient einen Schlaganfall erlitten hat. Natürlich stellen diese verschiedenen Anwendungen unterschiedliche Anforderungen an die Qualität und Bandbreite der Übertragungswege – und sie werden bereits in zahlreichen Einrichtungen weltweit in der beschriebenen Weise benutzt.

Mega-Cities — Herausforderung für die Gesundheitsversorgung

Zudem sind sie nicht nur für die Industrieländer sondern auch für zahlreiche Schwellenländer in den Wachstumsregionen der Welt von großer Bedeutung. Gerade in den städtischen Regionen, insbesondere den entstehenden Mega-Cities, steht die Gesundheitsversorgung vor ähnlichen Herausforderungen. Tele-Health leistet hier einen wichtigen Beitrag um bei begrenzten Ressourcen eine sowohl effiziente als auch qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu organisieren. Telemedizinische Systeme können auch dazu beitragen eine qualitativ hochwertige Versorgung in Regionen mit geringer Bevölkerungsdichte oder großen Entfernungen zu organisieren. In den skandinavischen Ländern wird diese Möglichkeit bereits intensiv genutzt. Auch für Deutschland kann dies in Zukunft sinnvoll sein, um in dünner besiedelten Regionen Haus- und Allgemeinärzten die Chance zu geben, Facharztkollegen zu konsultieren. Ohne diese Möglichkeit müsste der Patient für die Untersuchung ansonsten eine längere Fahrt zum Spezialisten auf sich nehmen.

Bei Reihenuntersuchungen zur Vorsorge kann Tele-Health ebenfalls einen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten. Ein Beispiel ist das Mammographie-Screening-Programm, das in Deutschland gerade für die Untersuchungen zur Brustkrebsvorsorge bei Frauen ab 50 Jahre aufgebaut wird. Dabei erstellt der untersuchende Arzt zunächst eine Mammographie und einen Befund der Aufnahme. Diese werden dann elektronisch in ein Screening-Zentrum übertragen, wo die Diagnose durch einen zweiten Spezialisten bestätigt oder geändert wird. Die hohe Zahl von Untersuchungen, die hier vorgenommen werden, stellt dabei sicher, dass die Spezialisten dort über besondere Erfahrung verfügen und auch schwierige Fälle sicher diagnostizieren können.