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IoT Wie verändert die neue Cloud-Edge-Ära die Industrie?

| Autor: Martina Hafner

Der Nutzen von IoT für die Industrie werde nicht mehr angezweifelt, glaubt Oliver Niedung von Microsoft Deutschland. Unsere Kollegen der Elektronikpraxis sprachen mit dem IoT-Spezialisten Hans-Jürgen Hilscher sowie Oliver Niedung über Datenintelligenz und eine neue Ära in der Industrie.

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Edge Computing gilt als zentrales Konzept, wenn es um Datenverarbeitung für die Cloud geht.
Edge Computing gilt als zentrales Konzept, wenn es um Datenverarbeitung für die Cloud geht.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Das Interview führten unsere Kollegen der Elektronikpraxis.

Edge Computing gilt als zentrales Konzept, wenn es um Datenverarbeitung für die Cloud geht. Wie definieren Sie den Begriff Edge?

Oliver Niedung: Früher habe ich versucht, den Begriff für deutsche Vorträge zu übersetzen. Mittlerweile habe ich das aufgegeben. Wir bei Microsoft nennen es Edge. Alles andere passt nicht. In einer Netzwerk-­Topologie hat man oftmals irgendwo die zentralen Einheiten. Bei modernen Architekturen ist das in der Regel die Cloud. Edge ist im Prinzip das, was sich am Entferntesten von der zentralen Computing Entity aufhält: am Rand des Netzwerks. Dort, wo die Daten entstehen, da sprechen wir über die Edge, in der Fabrik, im Krankenhaus, im Einzelhandel, in der Filiale.

Die Gesprächspartner: Hans-Jürgen Hilscher von Hilscher Automation und Oliver Niedung von Microsoft mit Redakteur Sebastian Gerstl (v.l.n.r) in Frankfurt.
Die Gesprächspartner: Hans-Jürgen Hilscher von Hilscher Automation und Oliver Niedung von Microsoft mit Redakteur Sebastian Gerstl (v.l.n.r) in Frankfurt.
(Bild: Vogel Communications Group)

Hans-Jürgen Hilscher: Das ist jetzt natürlich die Perspektive aus der Cloud. Man blickt von dort auf die Edge herunter und sagt, „da entstehen die Daten“. Von der OT-Ebene her betrachtet entstehen diese noch ein paar Meter tiefer: im Sensor, an der Schnittstelle, im Prozess. Das sind viele binäre Daten und Fix-Graphs. Kein Mensch kann die in ihrer Reinform verstehen oder überblicken, es sei denn, er steckt ganz intensiv drin und weiß, mit welchen Standards gearbeitet wird. Will ich mit meinem System in die Cloud, muss ich erst einmal in der Lage sein, aus diesem ganzen Wust von Nullen und Einsen Informationen zu machen. Das heißt, sie zu aggregieren. Erst dann bekommen die Daten letztendlich Werte, also Informationen, die ich auch verarbeiten kann. Die Edge ist also das Verbindungsglied.

Die Edge ist auch eine Plattform, auf der man Intelligenzdaten von verschiedenen Herstellern miteinander kombinieren kann. An der Stelle bekommt die intelligente Edge hohe Bedeutung, weil sich damit individuelle Probleme lösen lassen.

Welche Vorteile bietet Edge Computing denn den Unternehmen und Entwicklern?

O. Niedung: Wir sehen vier Vorteile beim Edge Computing. Der Erste ist Datenschutz und Datensouveränität. Wir sind tatsächlich in der Lage, Daten nur lokal zu halten. Punkt zwei sind die Kosten. Natürlich freut sich Microsoft, wenn sämtliche Daten, die aus so einem Prozess in der Edge ankommen, direkt in unsere Cloud übertragen werden. Es ist aber nicht unbedingt immer sinnvoll, schon gar nicht ökonomisch. Betreiber sind jetzt in der Lage, eine Kostenkontrolle zu haben, indem sie sagen: Wir belassen bestimmte, beispielsweise hochfrequente Daten, wieder am Entstehungsort, und geben nur das in unseren Augen Nötigste weiter. Das lässt sich auch flexibel variieren. Wenn ich zum Beispiel eine Anomalie erkannt habe, möchte ich vielleicht mehr Daten auf einmal sehen als im normalen Betrieb.

Der dritte Vorteil ist Latenz. Gerade in der Prozessindustrie muss ich innerhalb von Millisekunden reagieren können. Wenn ich erst den ganzen Weg in die Cloud und wieder zurück gehen muss, ist dieser Weg viel länger, als wenn ich Daten vor Ort verarbeite. Der vierte Vorteil, der in all das eben genannte mit hineinspielt, ist die Verfügbarkeit eines robusten und breitbandigen Internets – oder besser gesagt, die Eigenschaft, mit Edge Computing davon nicht komplett abhängig zu sein. Wir haben einfach noch viele Gegenden, auch hier in Deutschland, die nicht alle immer robusten und breitbandigen Zugang zum Internet haben.

H.J. Hilscher: Wenn wir in die Zukunft blicken, werden wir noch weit mehr Funktionalitäten der Edge sehen, die heute noch mit diskreten Devices oder Lösungen realisiert werden. Wir haben zum Beispiel Soft-PLCs, aber warum sollte eine Soft-PLC nicht auf einer Edge laufen? Ich denke, da werden sich in der Automatisierungstechnik noch Veränderungen oder Alternativlösungen ergeben.

Wieso wird gerade jetzt die Intelligent Edge für die Automatisierung so wichtig?

O. Niedung: Die Zeit ist reif. Der Nutzen von IoT für die Industrie wird nicht mehr angezweifelt. Die meisten Unternehmen sind jetzt in der Situation, sich um die eigene digitale Transformation zu kümmern. Das ist eine Folge des Marktdrucks. Technologisch hat es lange Zeit gedauert, die Cloud auf einen Reifegrad zu bringen, mit dem Service-Level-Agreements sehr gut funktionieren. Microsoft hat die Azure Cloud 2008 gelauncht, und in den vergangenen elf Jahren haben wir sehr viele Erfahrungswerte gesammelt. Viele von den Sachen, die sich bisher in der Cloud sehr gut bewährt haben, bringen wir jetzt zurück auf Gerätebene, in die Edge.

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H.J. Hilscher: Die Automatisierung selbst bringt keine großen neuen Technologien hervor. Dafür ist die Landschaft viel zu heterogen. Es gibt zu viele Mitspieler in der mittleren und kleineren Größe, die nicht in der Lage sind, so etwas zu leisten. Das heißt, eine Technologie entsteht meist erst in anderen Bereichen. Erreicht sie dort dann einen gewissen Reifegrad – meist verbunden damit, dass sie einen gewissen Kostenfaktor unterschreitet – wird sie auch für die Automatisierung interessant. Ein gutes Beispiel ist die Kommunikationstechnik. Ethernet wurde z.B. jahrelang ausschließlich in der IT genutzt.

Ich sehe es so, wie Oliver es beschreibt: Diese Technologien sind jetzt so weit, dass sie für die Automatisierungstechnik, gerade auch in dieser Vielfalt, mit entsprechendem Knowhow vernünftig genutzt werden können.

Das ungekürzte Interview lesen Sie hier:

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