Interview zur Industrie 4.0 Standard-Debatte

„Wille zum Kompromiss kann RAMI und IIC zusammenbringen“

| Autor: Sariana Kunze

In welchen Bereichen liegt Deutschland vorne, in welchen das IIC?

RAMI hat die viel engere Bindung an die produzierende Welt und ermöglicht einen sanften Übergang von den heutigen Lösungen auf Industrie 4.0. Zudem beinhaltet RAMI das Thema Produkt-Lebens-Zyklus und die Verwaltung der Daten entlang des ganzen Zyklus. Diese Funktionalität des PLM ist notwendig für komplexe und langlebige Industrieanlagen. In anderen Bereichen ist dies vielleicht verzichtbar.

Das IIC bietet das umfassendere Modell im Hinblick auf die Einbindung in die übergreifende Struktur. Ein Kühlschrank, der in einer I4.0 Fabrik gefertigt wird, soll ja später in die Domain Smart Home übergeben werden. Zudem wird beim IIC das Thema Resilienz sehr ausführlich betrachtet. Dabei geht es um Methoden, die dafür sorgen, dass die Gesamtfunktionalität auch bei Ausfall von Teilen noch richtig funktioniert. In beiden Punkten könnten wir von dem IIC profitieren.

Das IIC fokussiert ja nicht die Produktion, sondern Mobilität, Energie oder Logistikbereiche – warum zieht sich die deutsche Plattform dort zurück, wenn doch autonomes Fahren für die Automobilindustrie ein wichtiges Forschungsfeld ist und die Wertschöpfungsketten noch enger geknüpft werden?

Deutschland schaut nicht primär mit der Brille des Generalisten aus der IT, sondern eher mit der Brille des Spezialisten für die jeweilige Domain. Die Plattform I4.0 adressiert dabei die produzierende Industrie, für Energie gibt es mit Smart Grid Aktivitäten mit Spezialisten aus diesem Feld. Ich denke, dass sich dieses Vorgehen bewährt hat und zu sehr angepassten Lösungen für die verschiedenen Felder führt. Warum sollten ausgerechnet wir Automatisierer jetzt die Lösung auch für Smart Grid erarbeiten.

Am Ende entscheiden die Use-Cases, bekommen wir immer wieder zu hören. Glauben Sie nicht, dass sich beispielsweise die IT-Unternehmen und Kommunikationsdienstleister leichter tun, interessierte Unternehmen für erste Anwendungen zu gewinnen?

Ich denke, dass ein Anwendungs-Scenario umso interessanter ist, je mehr unterschiedliche Firmen involviert sind. Ich glaube weder an reine IT Lösungen noch an reine Automatisierungslösungen. I4.0 lebt davon, dass beides zusammenwächst und zusammengehört.

Wie bewerten Sie die Aussage: die deutsche Lösung ist technisch ausgereift, es fehlt an Faszination und Kommunikation?

Das ist sicherlich bezogen auf die öffentliche Wahrnehmung durchaus richtig. Vielleicht haben wir es versäumt, neben der Basisarbeit auf technischer Ebene begleitend die Vorteile in leicht verständlicher und medienwirksamer Art und Weise darzustellen. Dies wird aber eine der wesentlichen Aufgaben der Geschäftsstelle der neuen Plattform sein und ich bin ganz zuversichtlich, dass wir damit nach und nach auch die Öffentlichkeit erreichen.

Ebenfalls auf der Vorpressekonferenz der SPS IPC Drives sprachen Sie davon, dass die Plattform Industrie 4.0 das Fenster nutzen müsse, um Gespräche mit dem IIC zu führen. Welches Ziel verfolgt die Plattform mit diesen Gesprächen?

Wir werden versuchen auszuloten, wie groß der Wille zu einem Kompromiss auf beiden Seiten ausgeprägt ist und dann entscheiden, ob wir kooperieren und ggf. wie. Wir gehen in diese Verhandlungen nicht als Bittsteller, sondern auf Augenhöhe mit einem gut gefüllten technischen Rucksack. Es würde mich sehr freuen, wenn das IIC dies genauso sieht und wir damit losgelöst von politischen Fragestellungen die technisch beste Lösung gemeinsam vorantreiben können.

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