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„Wir setzen auf Green Energy“

Bonfiglioli zeigt Zuversicht trotz Krise

03.02.2009 | Autor / Redakteur: Reinhard Kluger / Reinhard Kluger

Thomas Becker, Geschäftsführer Bonfiglioli Deutschland: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir den Umsatz in Deutschland mehr als verdoppelt.“
Thomas Becker, Geschäftsführer Bonfiglioli Deutschland: „In den vergangenen fünf Jahren haben wir den Umsatz in Deutschland mehr als verdoppelt.“

Thomas Becker, Geschäftsführer Bonfiglioli Deutschland, sieht sein Unternehmen breit aufgestellt, um gut durch die Krise zu kommen. Eine schwächere Nachfrage im Bereich der mobilen Antriebstechnik und Industrieantriebe könne man durch ein Plus bei regenerativen Energien kompensieren. Sogar über den Einsatz von Umrichtern bei Pumpenantrieb denke man nach.

Die im vergangenen Jahr geplanten Wachstumsziele, sie ließen sich zwar nicht verwirklichen, dennoch kann der italienische Antriebsspezialist Bonfiglioli einen Rekordumsatz vermelden. Nach vorläufigen Berechnungen erzielte man mit 8,4 Prozent Wachstum gegenüber dem Vorjahr 2008 weltweit einen Umsatz von 662,3 Millionen Euro. Eigentlich Grund genug, um mit Zuversicht in die Zukunft zu sehen. Aber in Zeiten wie diesen ist alles anders, besonders, was Voraussagen über den künftigen Geschäftsverlauf betreffen. „Wir tun uns derzeit mit Wachstumsprognosen schwer“, erklärt Bonfiglioli-Deutschland Geschäftsführer Thomas Becker, befragt nach dem langfristigen Ausblick. „Es herrscht viel Nebel.“ Immerhin, so schätzt er, könne es so werden wie 2007/2008: „Aber es wird schwierig“, so seine Einschränkung. Der langfristige Ausblick fehle, das Geschäft werde kurzfristiger.

Umsatzbringer Green Energy

Insgesamt wolle Bonfiglioli nicht klagen, denn im Januar sei der Deutschland-Umsatz nicht schlecht gewesen, man habe sogar mehr gehabt als im gleichen Monat in 2008. „Das gehe aber so nicht weiter“, sagt Thomas Becker. Übertragen auf Bonfiglioli Deutschland heißt das im Detail: Das Geschäft mit Projekten aus dem Bereich der regenerativen Energien, Green Energy, läuft stabil. Dank der Kompetenzen in Antrieben und Einspeiseeinheiten für die Solar- und Windkrafttechnik, erwartet Bonfiglioli, dass dieser Bereich Umsatzverluste bei mobiler Antriebstechnik ausgleichen könne. Der Absatz an Antrieben und Getrieben für die Windkraft sei eine Stütze für den Umsatz. Becker: „Für die Windkraft haben wir Aufträge bis Ende 2009. Windkraft bleibt für uns ein Markt mit Zukunft.“

Und weil das Geschäft mit regenerativen Energien so gut laufe, denkt Bonfiglioli intern sogar über den Einsatz seiner Antriebe in geothermischen Anlagen nach, so über Antriebe für Pumpen. Becker: „Wir bewerten derzeit dieses Geschäft, es gibt Diskussionen.“

Hoffen auf Investitionen in Infrastruktur

Schwächer geworden ist hingegen der Umsatz mit Baumaschinen, um 30 bis 50 Prozent. Aber hier hoffe man, dass sich das geplante Konjunkturpaket der Bundesregierung in Infrastruktur-Investitionen auswirke. Der Bereich Industrie habe sich ebenfalls abgeschwächt, Bonfiglioli habe aber den Rückgang von Bestandskunden durch Hinzugewinnen neuer Aufträge und Kunden weitestgehend kompensieren können, sagt Thomas Becker.

Nachhaltig geht man das Gebiet Servoumrichter an, einen Markt, den Bonfiglioli seit zwei Jahren bearbeitet. Bislang habe man mit diesen Produkten eine siebenstellige Summe an Umsatz realisieren können. Becker: „Wir haben jetzt die ersten Applikationen im Markt, zum Beispiel bei Druckmaschinen.“ Bonfiglioli ist dabei, die Strukturen für den Servomarkt weiter auszubauen, denn die Servotechnik bedarf spezieller Kompetenzen. Man werde noch einige Zeit benötigen, um dieses Gebiet weiter voranzutreiben, zumal der Markt mit großen Wettbewerbern gut besetzt sei, die sich spezifisch auf Servotechnik spezialisiert haben. Becker: „Wir werden mit Sicherheit noch viele Jahre brauchen, um einen großen Marktanteil zu bekommen. Alles andere wäre Illusion und unrealistisch.“ Becker weiter: „Aber, das war nie unsere Zielrichtung, sondern wir wollen Step by Step vorgehen.“

Servotechnik Step by Step voran

Servotechnik, für Bonfiglioli heißt das Programm: Servomotoren mit den entsprechenden präzisen Planetengetrieben, sowie Servoumrichter mit Positionier- und Synchronisierfunktionalität. Was fehlt, ist die übergeordnete Steuerungsthematik, wie MMI und Industrie-PC. Das heißt, man könne heute eigentlich für den Servobereich eine reine Antriebslösung bieten, ein Paket aus Motor, Getriebe und Umrichter, mit einer integrierten Steuerung. Becker: „Es ist also nur eine Nische.“ Andere Wettbewerber hätten dagegen ein komplettes Programm. Becker: „Daran arbeiten wir! Es wird noch viele Jahre dauern, um hier weiterzukommen.“ Bonfiglioli setze bei den Servos auf das preiswertere Segment. Becker: „Dort, wo jemand einen dynamischen Antrieb braucht — vielleicht auch Dynamik, dort, wo jemand tatsächlich auch einen kompakteren Motor mit einem hohen Wirkungsgrad braucht, dort finden sich unsere Lösungen.“

Kompaktes Servowinkelgetriebe

Mit dem Servo präzise um die Ecke, so lässt sich eine Bonfiglioli-Neuheit auf den Punkt bringen, die man zur Hannover Messe 2009 vorstellt: Die Servogetriebereihe LC. Mit fünf Baugrößen von 10 bis 300 Nm Nenndrehmoment (28 bis 360 Nm Spitzen-Bremsmoment) gibt es die Servowinkelgetriebe mit geringem Gewicht, hoher Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit. Mit einem Untersetzungsbereich von i = 6 bis 20 in zweistufiger und i = 24 bis 100 in dreistufiger Ausführung wird es den Drehzahlanforderungen gerecht. Das durch Dauerschmierung wartungsfreie Getriebe wird mit einem Standardspiel von 12‘ bzw. 15‘ oder auf Wunsch mit auf 6‘ bzw. 8‘ reduziertem Spiel angeboten. Verschiedene Abtriebsoptionen sind verfügbar. Das Servowinkelgetriebe LCK ergänzt die bewährte axiale Reihe LC für den Einsatz in engen Bauräumen.

Für alternative Energieformen

Für Anwendungen grüner Energie eignet sich eine weitere Neuheit, der modulare Solar-Wechselrichter RPS 450 TL. In sieben Ausbaustufen mit Nennleistungen von 250 kWp bis 1 MWp, hoher Effizienz und Wirtschaftlichkeit erfüllt das System die Anforderungen moderner Photovoltaikanlagen. Das modulare System ist die konsequente Weiterentwicklung der bewährten Kompaktgeräte RPS 450, die den Bereich von 30 bis 170 kWp abdecken. Das modulare System gilt als weiterer wichtiger Schritt des italienischen Antriebsspezialisten in den Markt der alternativen Energien.

Auf DC-Seite stehen zwei Einzelmodule mit 140 kWp bzw. 170 kWp zur Verfügung, die mit den AC-Modulen sehr einfach zu kombinieren sind. Je nach Einbausituation kann die Verkabelung unter den Geräten oder über Dach erfolgen. Der MPP-Trackingbereich spannt sich über 425 bis 875 VDC (max. 900 VDC). Aufgrund des Einsatzes multipler MPP-Tracker entstehen weniger Verluste und somit höchste Effizienz. Mit einstellbarem Netz-Monitoring für Spannung und Frequenz sowie Datenspeicherungs- und Kommunikationsoptionen sind die Geräte für Dauereinsatz und Fernwartung gerüstet. Die Wechselrichter sind gegen Überspannung geschützt. Eingebaute Filter sorgen für die Einhaltung der europäischen EMV-Richtlinien.

 

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