Manufacturing Execution Systems Workshops zeigen MES in der Praxis und der digitalen Transformation

Redakteur: Julia Stemann

Auf der Kongressveranstaltung Automatisierungstreff 2016 in Böblingen fanden am 5. und 6. April 2016 die Workshops „MES in der Praxis“ statt. Die Teilnehmer informierten sich über MES in praktischen Anwendungen und die Schlüsselrolle von MES für die digitale Transformation in der Produktion.

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Auditorium während dem Workshop „MES in der Praxis“ am 05. April 2016. Gerade im Zeitalter der digitalen Transformation gibt es einen hohen Informationsbedarf zu Manufacturing Execution Systems.
Auditorium während dem Workshop „MES in der Praxis“ am 05. April 2016. Gerade im Zeitalter der digitalen Transformation gibt es einen hohen Informationsbedarf zu Manufacturing Execution Systems.
(MES D.A.CH Verband)

Die Resonanz bei den Teilnehmern zeigt laut Veranstalter, dass es gerade im Zeitalter der digitalen Transformationen einen hohen Informationsbedarf zu Manufacturing Execution Systems (MES) gibt. Die Mitglieder nutzten die Möglichkeit, sich mit den MES-Experten, die als Referenten auftraten, auszutauschen. Nach vielen Vorträgen gab es laut den Veranstaltern längere Fragerunden.

Dr.-Ing. Harald Hoff von HIR berichtete darüber, wie eine Checkliste dabei helfen kann, Anspruch und Wirklichkeit bei MES zusammenzubringen. „Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden, Prozesse, Datenstrukturen, Systeme und Verantwortlichkeiten geeignet zu gestalten und last but not least eine geeignete Systemauswahl treffen“, so Hoff. Die Checkliste diene einer ersten Orientierung innerhalb der etwa 190 angebotenen Systemen in Deutschland.

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Stefan Zach von Wieland-Werke referierte über den weltweiten Rollout eines eigenentwickelten MES mit dem Fokus Standardisierung, was als Schlüssel der Integrationslandschaft in der Produktion dient. Das System Wieland Factory Suite (WFS) wird derzeit international an über 3000 Arbeitsplätzen eingesetzt.

MES spielt entscheidende Rolle im Smart-Factory-Konzept

Stefan Hoppe, Vice President der OPC Foundation, referierte über die Vorteile von OPC UA als Kommunikationsplattform für die Smart Factory: „OPC UA ist der gesetzte Standard für Industrie 4.0.“ Er berichtete über Anwendungen der Erweiterungen von OPC UA für TSN Echtzeit, Pub/Sub und AMQP.

Auch für Christoph Sauer von Nuveon stand OPC UA im Mittelpunkt seines Referats über Nuveon Infuse, einer Rapid-Application-Development-Plattform für Industrie-4.0-Webanwendungen. Sauer erklärte, wie mit Nuveon Infuse und dem eingebauten OPC UA Client Web UIs implementiert werden können. Sauer stellte außerdem die Werkzeuge vor, mit denen das benötigte Model im OPC UA Server aus den Informationen einer SPS erstellt werden kann.

Über die Rolle von MES im Smart-Factory-Konzept für die Praxis referierte Marcus Niebecker von Proxia Software. Der Vortrag stellte die Positionierung sowie die Aufgaben moderner MES-Lösungen im Kontext von Industrie 4.0 in den Fokus und zeigte auf, wie einfach Kommunikation sowie Interaktion innerhalb der Produktion sein kann.

Wie sich die MES-Welt mit Industrie 4.0 und dem Industrial Internet Consortium verändern könnte, thematisierte Thomas Lantermann von Mitsubishi Electric Europe. Sein Resümee: starten und nicht warten.

MES als Bestandteil von Industrie-4.0-Lösungen

Mit Realisierungsbeispielen für Industrie 4.0 eröffnete Dr. Olaf Sauer, stellvertretender Institutsleiter des Fraunhofer IOSB, den zweiten Veranstaltungstag. Er stellte Beispiele für praxisnahe Auftragsentwicklungen vor und ordnete MES als wichtigen Bestandteil moderner Industrie-4.0-Lösungen ein.

Das Quality Management System im Zusammenspiel mit MES stellte Uwe Kemmer von Ceram Tec in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Sein Thema: Best Practice für Qualität und Produktion in der Medizintechnik. Dabei ging es auch um FDA, Traceability und dem Closed-Loop-Ansatz.

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Benjamin Degebrodt von Dürr Systems berichtete über Effizienzgewinne mit der MES-Lösung Hydra von MPDV Mikrolab. Karl Schneebauer von MPDV Mikrolab stellte den Einsatz der MES-Lösung Hydra bei Playmobil vor. Hier geht es um die flexible Fertigung von Kleinstteilen im Kundenauftrag. Laut Dennis Jetter von Syncos sind MES im Kontext von Lean Production die Lösung, mit der Zeit und Geld gespart werden kann.

Produktionsdaten via Cloud überall verfügbar

Marco Güldenpfennig von Böhme & Weihs Systemtechnik stellte WEB MES vor. Besondere Leistungsmerkmale der geräteunabhängigen Lösung sind hier die Datenaufbereitung in Echtzeit und die ergonomische Oberfläche.

Eine konsequente Private-Cloud-Service-Lösung ist Diames, worüber Robert Schürch von CSM Systems referierte. Die IT-Infrastruktur wird dabei an einen zuverlässigen Hosting-Partner im eigenen Land auf den eigenen virtuellen Server ausgelagert. Produktionsaktivitäten der einzelnen Maschinen und Anlagen werden mit entsprechenden Kommunikationsmitteln online erfasst und auf die eigene virtuelle Plattform in der Cloud übertragen. Via geschütztem Internetzugang können diese Produktionsaktivitäten auf dem Internet-Browser oder mit entsprechenden Apps auf PC, Tablets oder Smart Phones aufgabengerecht visualisiert werden.

Über den Anspruch, Wirklichkeit und Nutzen von Industrie 4.0 für den Mittelstand berichtete Frank Egersdörfer, Vorstandsvorsitzender von Cosmino. Er berichtete über teils unrealistische Vorstellungen und Erwartungen gegenüber kurzfristiger Verbesserung durch Technologie, insbesondere Software mit Bezug auf Industrie 4.0. Einig waren sich die Referenten in der Vorgehensweise der schrittweisen Verbesserung. Nur so könne die digitale Transformation erfolgreich bewältigt werden.

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