Funktechnik & Stromversorgung Zuverlässige Steuerungstechnik für Seilbahnen

Autor / Redakteur: Klaus Vollrath* / Dipl. -Ing. Ines Stotz

Im Gebirge sind Seilbahnen ein unverzichtbares Transportmittel. Allerdings bedingen die raue Umgebung und die Sicherheit der Passagiere hohe Anforderungen an Robustheit und Zuverlässigkeit der eingesetzten Systeme.

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Von der Bergstation aus eröffnet sich der Blick auf ein herrliches Alpenpanorama.
Von der Bergstation aus eröffnet sich der Blick auf ein herrliches Alpenpanorama.
(Bild: Klaus Vollrath)

„Die Seilbahn Pizzo di Claro auf den Monte Saurù in Lumino ist typisch für viele der kleineren unter den mehr als 2.400 Seilbahnen in der Schweiz“, erläutert Claudio Tscharner, Geschäftsführer und Inhaber des Unternehmens Tscharner Seilbahnsteuerungen im schweizerischen Zizers. Da Straßenbau in dem steilen und im Winter oft verschneiten Gelände schwierig und teuer ist, könnten erhebliche Teile der Alpen ohne diese Verkehrsmittel nicht oder kaum genutzt werden.

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Hierbei gibt es große Unterschiede: Während einige Bahnen in den Zentren des Wintertourismus große Verkehrsaufkommen bewältigen müssen und entsprechend finanzstark sind, ist das Transportaufkommen bei vielen der kleineren Anlagen eher bescheiden. Die Einnahmen sind daher oft knapp und decken manchmal nicht einmal die Betriebskosten. Bei den Betreibern dieser Bahnen handelt es sich häufig um lokale Kooperativen der Bewohner bzw. Nutzer hochgelegener Gebäude oder landwirtschaftlicher Flächen.

Hohe technische Anforderungen für Antrieb & Co

„Da sich Seilbahnen hoch über dem Boden befinden bzw. in steilem Gelände bei Ausfall der Bremsen hohe Geschwindigkeiten erreichen würden, sind die Sicherheitsanforderungen sehr streng“, ergänzt Melanie Tscharner. Alle wesentlichen Komponenten und Funktionen wie Antrieb, Positionskontrolle oder Bremsen müssen ständig überwacht und auf Ausfälle sofort reagiert werden. Bei kritischen Betriebszuständen – zum Beispiel Abweichungen zwischen verschiedenen Gebern für die Position der Kabinen oder die Öffnung einer Gondeltür mitten auf der Strecke – muss der Antrieb kontrolliert stillgesetzt werden. Die entsprechenden Vorschriften sind streng und werden von Behörden bzw. Fachleuten der entsprechenden Verbände auf Bundes- oder Kantonsebene regelmäßig akribisch überwacht. Dort ist man stolz darauf, dass Seilbahnen weit sicherer sind als andere Verkehrsmittel wie Automobil oder Eisenbahn. Die Einhaltung der ständig strenger werdenden Vorschriften ist für die Betreiber jedoch ein erheblicher Kostenfaktor.

Kleinere Seilbahnen unter finanziellem Druck

„Ursprünglich gab es hier lediglich eine Materialseilbahn für die rund 40 Häuser sowie ein Restaurant oben auf dem Monte Saurù“, verrät der für den Betrieb zuständige Mitarbeiter Marcello Pucci. Im Jahr 1999 entschlossen sich die Hausbesitzer zusammen mit der Gemeinde Lumino, diese zu einer Kleinseilbahn mit zwei Kabinen von je vier Personen umzubauen. Um die Kosten für die Besitzer zu verringern, wurde sie auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Doch trotz der zusätzlichen Nutzung durch aktuell ca. 4.000 jährlichen Fahrgäste bleibt der Betrieb ein Zuschussgeschäft. Als 2018 eine umfassende Renovierung der Steuerung erforderlich wurde, waren die zu erwartenden Kosten daher ein zentraler Sorgenpunkt.

Intelligente Lösungen für Antrieb und Sicherheit

„Damals musste die Technik der Seilbahn wegen einiger Antriebs- und Sicherheitsausfälle umfassend umgerüstet werden“, erinnert sich Pucci. Betroffen waren insbesondere die Frequenzsteuerung der Motoren und die Stromversorgung sowie die Funkverbindungstechnik für die Gondeln. Ein kompletter Austausch wäre jedoch vor allem aufgrund der hohen Kosten für die Antriebstechnik nicht bezahlbar gewesen.

Zum Glück habe man mit Tscharner einen ebenso kompetenten wie flexiblen Partner gefunden, der bereit war, wesentliche Teile der vorhandenen Technik wie Motoren und Antriebe beizubehalten und innerhalb der vorhandenen Schaltschränke um die erforderliche neue Technik im Bereich Stromversorgung der Gondeln sowie Funkkommunikation zu ergänzen. Damit gelang es, den finanziellen Aufwand auf ein für die Seilbahngesellschaft tragbares Maß zu begrenzen. Hervorzuheben sei unter anderem die Findigkeit von Tscharner bei der Beseitigung der Antriebsprobleme. Es gelang, die Programmierung der Frequenzregelung so zu optimieren, dass die bisherigen Abstimmungsprobleme bei der Aufteilung der Leistung des Reglers zwischen den beiden vorhandenen Motoren nicht mehr auftraten. Dies hatte früher gelegentlich Störungen beim Anfahren der Seilbahn verursacht.

Zuverlässige Funkkommunikation für die Gondeln

„Die Gondeln benötigen Überwachungstechnik unter anderem für die Türen, Kommunikationstechnik für die Fahrtziele sowie Sprechfunk“, weiß Claudio Tscharner. Die Gondeln verfügen sowohl über Türkontakte als auch über Knöpfe für die Vorgabe der Fahrtziele (Talstation, Mittelstation oder Endstation), zur Türöffnung, eine Stopptaste sowie eine Taste zur Übermittlung von Sprechfunk-Nachrichten über eine separate Anlage.

Die bisherige Ausrüstung konnte keine 100%ige Aufrechterhaltung der bidirektionalen Kommunikation mit der Talstation gewährleisten. Es kam zu Fehlfunktionen wie anlasslose „Tür offen“-Meldungen inmitten der Fahrt sowie zu plötzlichen willkürlichen Inbetriebsetzungen der Seilantriebe.

Als Alternative setzt das Unternehmen hierfür jetzt auf die Funktransceiver RAD-868-IFS von Phoenix Contact. Die drahtlose Kommunikation dieser 868-Mhz Funkmodule basiert auf der Trusted Wireless 2.0 Technologie. Die Transceiver halten untereinander ständigen Kontakt, so dass die Bodenstation jederzeit sicher sein kann, dass die Gegenseite funktioniert. Genormte Schnittstellen und die Erweiterungsfähigkeit mit I/O-Modulen ermöglichen jederzeit eine Anpassung an zusätzliche Aufgaben.

Zuverlässige Stromversorgung ohne Kabel

„Im gleichen Zusammenhang musste auch die Stromversorgung der Gondel modernisiert werden“, sagt Claudio Tscharner. Früher wurde die Elektrik an Bord mithilfe eines 12-V-Bleiakkumulator versorgt, der jeweils an der Berg- bzw. Talstation über Schleifkontakte und einen Laderegler nachgeladen wurde. Die simple Ladetechnik sowie raue Umweltbedingungen bedingten häufige Ausfälle. Zudem benötigte die neue Funktechnik eine erhöhte Versorgungspannung von 24 V.

Auch hier fiel die Entscheidung für eine Lösung von Phoenix Contact in Form der unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV) mit IQ Technology aus der Quint-Serie. Dieses System wird über die Schleifkontakte versorgt und erzeugt hieraus eine Ausgangsspannung von 24 V. Die Pufferung erfolgt mithilfe von zwei seriell geschalteten 12-V-Akkus, deren Ladezustand und Lebensdauer nach neuestem Stand der Technik ständig überwacht und über Funk an die Talstation gemeldet wird. Dies ermöglicht einen präventiven Austausch der Akkus, noch bevor es zu Ausfällen kommt.

Mit seinem Lieferanten Phoenix Contact zeigt sich Claudio Tscharner zufrieden. Die Technik ist ausgereift und hat sich auch unter rauen Umweltbedingungen als zuverlässig erwiesen. Zudem seien Unterstützung und Service hervorragend. Beim Skitourismus gibt es gerade über die Feiertage an Weihnachten und Neujahr sehr hohen Andrang. Als es bei einem seiner Kunden gerade zu Weihnachten zu einem Ausfall kam, hatte sich sein zuständiger Betreuer spontan von einer Familienfeier weg verabschiedet und ihm persönlich mit dem Auto das benötigte Ersatzteil gebracht. „Eine solch außergewöhnliche Servicebereitschaft ist für meine Kunden und damit auch für mich von enormer Bedeutung“, bilanziert Tscharner.

* Klaus Vollrath, Technikjournalist

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