Suchen

Fabrik der Zukunft ZVEI verspricht Big Bang bei Industrie 4.0

| Redakteur: Robert Weber

Der Urknall ist der Beginn des Universums. Ein ganz neues Universum muss es für Dr. Klaus Mittelbach, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung, nicht sein, aber zu mindestens in den Fabriken soll mit Industrie 4.0 eine neue Zeitrechnung beginnen. Die ZVEI-Mitgliedsunternehmen wollen Fahrt aufnehmen, auch weil die Konkurrenz aus den USA schnell wächst. Für 2015 prognostiziert der Verband ein Produktionsplus von 1,5 %.

Firmen zum Thema

(Bild: Weber)

Schauplatz des Urknalls ist die Hannover Messe im April. Zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium habe man gut zusammengearbeitet und die Plattform Industrie 4.0, an der auch der ZVEI beteiligt ist, will jetzt die nächsten Schritte gehen. Wie der Urknall auf dem Messegelände dann allerdings aussehen soll, wollte Mittelbach aber nicht verraten. Ein Aufbruch wird es werden, hoffen die Initiatoren. Die Idee zum Big Bang kommt nicht von ungefähr. Die deutsche Industrie steht unter Zugzwang. Das Industrial Internet Consortium um Cisco, Intel, General Electric und Co. konnte in den vergangenen Wochen zahlreiche prominente Mitglieder gewinnen und wächst Woche für Woche. Siemens, Schneider Electric, Bosch und ABB zählen mittlerweile dazu und starten ihre Testanwendungen. Jeder müsse selber entscheiden, ob der Konsortialgedanke oder die Plattformidee zielführend sei, hieß es auf der Pressekonferenz. Die Sorge, die Amerikaner könnten Standards setzen, treibt die Industrie um. Mittelbach verband diese Standarddiskussion mit den Debatten um das TTIP, in dem eben nicht nur Zölle abgebaut, sondern auch technische Regularien harmonisiert werden sollen. „Was bedeutet das IIC dann handelspolitisch“, warf Mittelbach in die Runde. Die pragmatische Antwort des ZVEI. Im Juni ist das IIC zum ZVEI-Kongress nach Berlin eingeladen. Wir sind diskussionsbereit, unterstrich Mittelbach auf Nachfrage dieser Redaktion und schob gleich hinterher: Man wolle Akteure verlässlich zusammenbringen. Dazu zählen auch die kleinen und mittelständischen Unternehmen, nicht nur die Konzerne, wie bei einem Konsortialgedanke, so der Geschäftsführer. Ein Seitenhieb auf den Wettbewerb aus den USA. Allerdings: Auch im IIC wirken kleine und mittelständische Firmen mit. (Mehr dazu inInterview mit Richard Mark Soley vom IIC).

Energie gehört jetzt zur Industrie 4.0

Vor allem die Vielfältigkeit der Themen im IIC lockt auch die deutschen Vertreter an. Neben der Produktion, werden auch Logistik-, Gesundheits- und Energiethemen in die technische Entwicklung des Internets der Dinge eingebunden. Für Mittelbach nichts Neues: „Die Energie ist die zweite Seite der Industrie 4.0“, erklärt er. Energieeffizienz durch Digitalisierung sei machbar und das Potenzial für die Mitgliedsunternehmen und die Industrie groß. Allerdings: Es fehlten noch die Anreize. Sprich: Die Politik müsse Investitionsanreize schaffen, um lange Amortisationszeiten zu verhindern (mehr zu dem Thema in unseremBeitrag).

Weil die Energiewende und die Digitalisierung der Arbeitsprozesse nicht nur ein Thema für die Industrie ist, sondern auch die Bevölkerung betrifft, will Mittelbach die gesellschaftliche Diskussion möglichst früh führen und die Betroffenen einbinden. Dazu zählen auch die Gewerkschaften. Und die springen dem ZVEI bei. Constanze Kurz von der IG Metall befürchtet Auseinandersetzungen um die Mitbestimmung in der digitalen Arbeitswelt, allerdings mit anderen Akteuren. US-amerikanische Unternehmen schielen mit Industrial Internet, das ist der US-amerikanische Begriff für Industrie 4.0, auch auf den deutschen Markt. Kurz Befürchtung: Die US-Unternehmen verschieben die Machtkonstellationen und kennen kaum das deutsche Modell der Mitbestimmung. (mehr dazu in unserem Beitrag).

(ID:43166023)