Interview zu Smart City

Auf dem Weg in die intelligente Stadt

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(Bild: ©jamesteohart - stock.adobe.com)

Eine intelligente Stadt, das klingt für viele nach der totalen Überwachung. Wie kann man den Bürgern den Datenschutz garantieren?

Das Thema Datenschutz muss bei Smart-City-Projekten immer beachtet werden, da die Smart City gerade von Datenfluss lebt. Zu einem Smart-City-Konzept gehört daher immer auch ein Datenschutzkonzept. Der Datenschutz ist jedoch kein Hindernis. Viele Smart-City-Projekte kommen ganz ohne personenbezogene Daten aus. Wer die Smart City richtig umsetzt, muss beim Datenschutz keine Abstriche machen.

Besondere Aufmerksamkeit verdient das Thema Cyber Security. Eine Stadt mit zahlreichen Datenströmen muss sich gegen Cyberattacken wie Petya und WannaCry wappnen. Allerdings sollte uns das nicht davon abhalten, die Vorteile digitaler Systeme in der modernen Stadt zu nutzen. Wir brauchen stattdessen effektive Schutzsysteme, die mit den Gefahren aus dem Internet umgehen können. Also sichere Computernetze und Datenspeicher sowie Experten, die in der Lage sind, Hackerangriffen zu begegnen. Gefährlicher als die Raffinesse der Angreifer sind die Schwächen der Abwehr.

Sie sagen, eine intelligente Stadt entsteht in kleinen Schritten. Aber mit welchem konkreten Aufwand ist es verbunden, eine bestehende Stadt in eine smarte City zu verwandeln?

Der Aufwand hängt davon ab, welche Smart City-Aspekte man umsetzt. Wenn eine Stadt die E-Akte einführt, kann sie ein paar Wochen später die Hälfte aller Drucker abbauen. Ich war vor kurzem auf dem Bauamt, habe stundenlang im Amtszimmer Akten gelesen, mir dann 170 Seiten kopiert und anschließend mit Bargeld bezahlt. Mit der E-Akte hätte die Behörde mir die Unterlagen per Mausklick geschickt.

Andere Entwicklungen verursachen zunächst Aufwand. Der größte ist sicherlich die organisatorische Vernetzung. Die wichtigste Rolle spielt hierbei die öffentliche Hand. Viele Smart City-Aspekte setzen eine Infrastruktur voraus, die nur die Kommunen bereitstellen können. Physische Infrastruktur wie E-Ladesäulen etwa, oder virtuelle Infrastruktur wie E-Government-Lösungen und regulatorische Infrastruktur wie smarte Verkehrssteuerung. Hier müssen alle Behörden an einem Strang ziehen.

Kritische Fragen sind: Gibt es flächendeckend schnelles Internet? Wie sieht es mit der Förderung innovativer IT-Projekte aus? Weiß jede Behörde, was sie zu einer smarten Stadt beitragen kann? Die Vorreiterstädte haben hierfür eigene Planstellen mit übergreifender Zuständigkeit eingerichtet.

Die Technologien existieren bereits, auch Projekte sind schon am laufen – aber sind die Menschen schon bereit dafür?

Neue Angebote werden sehr schnell wahrgenommen. Hier in Berlin ist das Carsharing-Angebot in kürzester Zeit explodiert, nachdem ein Anbieter sich als Erster auf den Markt gewagt hatte. Ziel der Smart Cities ist es ja, das Leben der Menschen leichter und angenehmer zu machen. Stellen sie sich vor, es gäbe kein Verkehrschaos mehr, keine überquellenden Mülleimer im Park und keinen Ärger mit dem Ordnungsamt, weil die Stadt eine intelligente Steuerungsmöglichkeit gefunden hat. Sie hätten überall eine freie WLAN-Verbindung und könnten Ihre Verwaltungsangelegenheiten ohne Wartezeit über das Internet erledigen. Wer sagt da nein?

Aber natürlich sind intelligente Städte keine automatische Lösung für gesellschaftliche Probleme, das ist richtig. Smart Cities entwickeln sich mit der Zeit und verändern sich, je mehr Erfahrungen wir mit ihr und ihren Angeboten machen. Schließlich gilt: Am Ende sind Smart Cities nur so klug, wie die Menschen, die sie gestalten.

Vielen Dank, Herr Wollenberg.

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Über den Autor

 Katharina Juschkat

Katharina Juschkat

Redakteurin, Vogel Communications Group