Systems Engineering

Bestandsaufnahme: Maschinenbau, quo vadis?

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Insellösungen dominieren derzeit noch die Szenerie

In der Praxis ist jedoch allein das Zusammenspiel zwischen Elektrotechnik, Automatisierung und der Mechanik alles andere als trivial. So ist der neuralgische Punkt bei der Elektrokonstruktion von Maschinen das genaue Einpassen elektronischer Komponenten in die mechanischen Baugruppen. Hier zeigt sich, dass die Durchgängigkeit zwischen dem Konstruktions-Softwaretool für die Maschinenmechanik und dem Planungstool für die Elektrik unabdingbar ist, um ein reibungsloses Zusammenfließen beider Disziplinen zu erreichen.

Bei der Anbindung der Automatisierungstechnik an die Informatik-Systeme (z. B. MES/SAP) bestehen in der Praxis ebenfalls Barrieren. Trotz offener Kommunikationssysteme, die die Softwareprodukte verbinden, macht der Datenaustausch insbesondere bei Updates oder Erweiterungen zu schaffen.

Abhängig vom Maschinenbauer

Aber selbst wenn die Durchgängigkeit zwischen zumindest zwei Softwaretools vorausgesetzt wäre: ein ganzheitliches Systems Engineering geht weit darüber hinaus, nicht zuletzt aufgrund bestimmter Entwicklungen im Umfeld. Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ rückt mehr und mehr Intelligenz in die Maschine. Gleichzeitig sind in den letzten Jahren unterschiedlichste Automatisierungs-Suiten auf den Markt gebracht worden, die sämtlich untereinander inkompatibel sind und somit keine Durchgängigkeit zu mechanischer oder Elektro-CAD in der vom Anwender gewünschten Form bieten. Unterschiedlichste Softwareportale zur Maschinenautomatisierung haben dafür gesorgt, dass die Abhängigkeit der Maschinenbauer vom jeweiligen Lieferanten noch immer sehr hoch ist. Ein Wechsel der Anbieter bedingt einen hohen finanziellen und zeitlichen Aufwand. Die Wichtigkeit und Brisanz beim Systems Engineering wird besonders deutlich, wenn man den Blick auf die Zukunft richtet. Wenn immer neue, modulare Insellösungen weiterhin den Markt prägen und die technische Komplexität im gleichen Atemzug immer weiter steigt, so hat das dramatische Auswirkungen für Anbieter und Anwender gleichermaßen.

Mit drei Szenarien in die Zukunft

Als Zukunftsszenarien sind – auch vor dem Hintergrund der Erfahrungen aus anderen Branchen – theoretisch drei Optionen denkbar, allerdings mit sehr unterschiedlicher Praxisrelevanz. Dem ersten Szenario liegt die Dominanz „eines Big Players" zu grunde. Ausgestattet mit hoher Finanzkraft und weitreichenden Entwicklungsressourcen hätte ein solcher die Chance, ein integriertes Modell für das Systems Engineering aufzubauen. Dennoch ist dieses Szenario für den Maschinenbau aufgrund der hohen Individualität der Unternehmen mit unterschiedlichen Fabrikationsumgebungen, spezifischen technischen Eigenarten oder aufgrund unterschiedlichster räumlicher Gegebenheiten sehr unwahrscheinlich. Zudem ist äußerst fraglich, ob sich alle Anwender gleichermaßen in die Abhängigkeit zu einem einzelnen Anbieter begeben wollen. Die Psychologie der Branche spricht eher nicht dafür.

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