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Das zweite Szenario
„Weiter so!“ heisst es im zweiten Szenario passend zur aktuellen Situation. Nichts verändern ist bequem, zumal die Wachstumsrate im Maschinenbau stimmt. „Wahrscheinlich geht das gar nicht“, lauten oft Mutmaßungen, die fehlenden Veränderungswillen dokumentieren. Zu kurz gegriffen, denn ein „Weiter so!“ und eine anhaltend starke Fragmentierung der Branche führen langfristig zu Wettbewerbsnachteilen für Maschinenbauer.
Fakt ist: die steigende Komplexität der Insellösungen führt direkt oder indirekt zu höheren Preisen. Gleichzeitig schmilzt der technische Vorsprung gegenüber internationalen Wettbewerbern, die ihrerseits wiederum ein deutlich niedriges Kostenniveau bieten. Es ist nun eine Binsenweisheit, dass sich höhere Kosten aber nur über Zusatznutzen rechtfertigen lassen. Fällt der Zusatznutzen weg – und das ist vorhersehbar, wenn man die technologische Entwicklung der gesamten Branche verfolgt – entscheidet allein der Preis. Ein „Weiter so“ beim Systems Engineering führt den deutschen und europäischen Maschinenbau also in die Sackgasse, denn ein Preiskrieg ist aus Europa heraus nicht zu gewinnen. Ein Umdenken ist somit dringend erforderlich.
Das dritte Szenario
Dies führt zu einem dritten Szenario: einer positiv gemeinten „Allianz der Willigen“. Langfristig gesehen wäre der Erfolge einer Allianz für ein integriertes und durchgängiges Systems Engineering für Anbieter und Anwender eine echte Win-Win-Situation. Gestartet werden muss diese veränderte Denkweise direkt vom Maschinenbau selbst – als direkt Betroffene kann der Keim nur in einer Community wachsen, die Prozesse vereinheitlichen möchte. Finden sich immer mehr Allianzen und gehen Technologien mehr und mehr zu einer Standardisierung (von Schnittstellen) über, dann entsteht ein starker Rückenwind für reales Systems Engineering. Alle – also Unternehmen, Interessensverbände und Institute – sollten gemeinsam die Probleme beim Systems Engineering bewältigen. Erste Keimlinge gibt es schon. Noch steht Systems Engineering für eine inkompatible Engineering-Welt. Gleichwohl ist der Wunsch der Anwender nach einem einheitlichen System offensichtlich. Der nötige Umdenkprozess, die einzelnen Disziplinen zusammenzuführen, hat schnell zu erfolgen.
Ein Signal für die Branche
Ansonsten ist Skepsis angebracht, ob das Ziel einer einheitlichen, durchgängigen Engineeringsplattform vor dem Hintergrund von „Industrie 4.0“ und der rasant wachsenden Technologiekompetenz internationaler Wettbewerber (bei zugleich signifikant niedrigeren Kosten) überhaupt noch erreichbar ist. Wenn es jedoch gelingt, mit optimierten Tools über Kommunikationssysteme weitestgehend barrierefrei Daten auszutauschen, wäre das ein bedeutsames Signal für die Zukunftsfähigkeit des deutschen und auch des europäischen Maschinenbaus.
* *: Wolfgang Blome, Blome + Partner, Bonn, Paul Kho, Technische Kho-mmunikation, Ottenhofen
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