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Robotik

Brauchen wir ein Roboterrecht?

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Darf der Roboter den Menschen kontrollieren?

Auch wenn sich ein Mensch zu viele Kommissionierfehler leistet, die unüblich für ihn sind, kann der Roboter Rückschlüsse daraus ziehen. Die Nutzerprofile müssen im Vorfeld mit den Menschen entwickelt werden, prophezeit Gerhard Rinkenauer vom Leibniz-Institut für Arbeitsforschung. Ein erstes grobes Nutzerprofil eines Mitarbeiters könnte mit Hilfe von Fragebögen erstellt werden. Für das Erlernen und Interpretieren von Nutzerverhalten sind dann jedoch Methoden des maschinellen Lernens erforderlich. Hier wird das Verhalten des Nutzers kontinuierlich, beispielsweise über visuelle Sensoren, registriert und mithilfe intelligenter Algorithmen interpretiert und erlernt. Dadurch entsteht dann ein verfeinertes, individuelles Nutzermodell, das es erlaubt, das Verhalten des Nutzers innerhalb des Arbeitskontexts vorherzusagen. Und an diesem Punkt entstehen erste Rechtsfragen. Stichwort: Datenschutzrecht. Darf die Maschine Daten des Mitarbeiters für sich verarbeiten, wem gehören diese Daten - dem Chef, dem Roboterbauer oder dem Mitarbeiter? Viel schwerwiegender ist die Frage, darf der Roboter den Menschen mit Lichtsteuerung, möglicherweise ohne sein Wissen manipulieren? Tut er dieses und es kommt zum Unfall - was passiert dann?

Harmonisierung ist die Herausforderung

Greift das Produkthaftungsrecht noch? Grundsätzlich ist zum Beispiel das Produkthaftungsgesetz auch auf Roboter anwendbar. Weil dieses jedoch nicht explizit für die speziellen Eigenheiten der Roboter geschaffen wurde, müsste man überprüfen, ob die Anwendung einzelner darin enthaltener Normen auf bestimmte Roboter angemessen ist, schreibt Thomas Christaller in seinem Robotik-Buch. Die Herausforderung für das Recht ist die Vielzahl an Beteiligten. Für Juristen ist es in Zukunft meist nicht mehr nachvollziehbar, wer einen Fehler begangen hat, der beispielsweise zu einem Unfall führte. Und: Das Zusammenwirken von mehreren Beteiligten kann ebenfalls zu einem schwerwiegenden Fehler führen. In Deutschland arbeiten Juristen in Würzburg an den Fragestellungen.

Die Forschungen in Würzburg dürften Musk freuen. Der Silicon-Valley-Milliardär hat 10 Millionen Dollar für das Future of Life Institut (FLI), Boston, gespendet. Das Institut soll mit einem Forschungsprogramm sicherstellen, dass die künstliche Intelligenz nicht eines Tages die Menschheit zerstöre, heißt es in mehreren Berichten auf amerikanischen Newswebsites. Zu diesem Programm muss auch die Rechtswissenschaft gehören. Gesetze, Normen und Vorschriften brauchen eine Anpassung an die neuen Welten in den Fabriken. Brauchen wir ein Roboterrecht? Nein! Die Rechtswissenschaft, der Gesetzgeber und die Rechtsprechung sind gefordert, bestehende Regelungen auch auf Roboter anzuwenden und den Status des Roboters im Recht zu definieren. Die Herausforderung: eine internationale Harmonisierung.

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