MES integriert ursprünglich vorhandene Dateninseln Das Pilsen-Projekt

Redakteur: Reinhard Kluger

Dank einer MES-Lösung von Siemens I&S können Manager und Mitarbeiter der Pilsener Urquell-Brauerei jetzt die wichtigsten Kennziffern aller Prozessschritte abrufen, vergleichen und...

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Auch wenn es Pilsener Urquell, das Flaggschiff der tschechischen Traditionsbrauerei schon seit 1842 gibt, im Brauprozess selbst schlummern immer noch Reserven - auch in Pilsen. Diese aufzuspüren, ist mit eine der Aufgaben von Tomas Dytrych. „Wir haben uns 2001 die Frage gestellt: Wie können wir die Effizienz noch weiter verbessern?“ blickt der IT-Projektleiter der Pilsener-Brauerei zurück. Was damals vor gut vier Jahren begann, jetzt ist es geschafft. Der weltbekannte tschechische Bierbrauer hat vor kurzem ein „Production Management and Information System“, kurz PMIS genannt, von Siemens I&S abgenommen, eine spezielle MES-Lösung für Brauereien. Der Premium-Bier-Brauer, heute gehört er zum südafrikanischen SABMiller-Konzern, schrieb seine Anforderungen an eine Road Map fürs Bier aus, den Zuschlag bekam Siemens I&S den Zuschlag. „Es war die richtige Entscheidung. Siemens erfüllte klar unsere Erwartungen“, erklärt Tomas Dytrych heute die zurückliegende Entscheidung. Im Jahr 2003 kam der Prozess dann richtig ins Rollen, Anfang 2005 war er abgeschlossen. „Wir waren froh, einen Partner gefunden zu haben, der unsere Forderungen abdecken konnte“, so Dytrych. Denn neben der MES-Lösungs-Kompetenz verfügt Siemens I&S auch über umfangreiches Branchenwissen, das dem Anwender zugute kommt. Gerald Hehn, bei Siemens I&S Geschäftszweigleiter MES-Solutions: „Unser Branchenwissen hilft auch dem Kunden. Nicht immer nämlich ist die neueste Lösung auch die beste. Wir brauchen im Produktionsumfeld bewährte Lösungen für eine stabile Plattform.“Man hat Möglichkeiten, die es vorher nicht gabZiel des Projektes in Pilsen war für alle Beteiligten: den Produktionsdurchsatz zu steigern, die Prozesssicherheit zu erhöhen sowie den Einsatz von Rohstoffen und Energie zu optimieren. Faktoren, die noch längst nicht ausgereizt waren, wie Winfried Baginsky, Siemens-Projektleiter für Pilsner Urquell, bilanziert. „Die Lösung beinhaltet Analysemöglichkeiten, die es vorher nicht gab.“ So konnten die tschechischen Brauer die Kosten für den Energieverbrauch senken, den Wasseraufwand für jede gefertigte Biercharge verringern sowie den Verbrauch des für die Herstellung erforderlichen Gases reduzieren. Auch die Chargen-Rückverfolgbarkeit lässt sich gegenüber früher wesentlich einfacher gestalten. Sie gewährleistet das Einhalten der seit dem 1.1. 2005 vom Gesetzgeber vorgeschriebenen EU-Direktive 178/2002. Die Pilsener MES-Lösung sammelt alle relevanten Daten aus Prozess, Analyse und Logistik der Brauerei und stellt sie unter einer einheitlichen Bedienoberfläche anlagenweit zur Verfügung. „Wir konnten die Gesamtproduktivität durch permanente Kontrolle des Prozesses auf Basis transparenter und adaptierbarer Produktionskennzahlen erhöhen“, erklärt Gerald Hehn den Erfolg. Zudem bringt der neue Geschäftsprozess mit dieser MES-Lösung den Tschechen mehr Flexibilität in der Produktion dank rezeptgesteuerter Verfahren sowie ausgeklügelter Produktionssteuerung und Produktionsauftragsabwicklung. Das MES-Beispiel Bier zeigt anschaulich, was die Branche Nahrungs- und Genussmittel fordert: Eine größere Vielfalt von Produkten mit hoher Qualität zu einem günstigen Preis. So hat die tschechische Brauerei, sie gehört zum südafrikanischen SABMiller-Konzern, neben ihrem weltberühmten Pilsener Urquell zudem zahlreiche weitere Marken im Portfolio - die jüngste heißt ‚Frisco’, eine Innovation der besonderen Art: Bier mit Fruchtgeschmack. An drei tschechischen Standorten fertigt man etwa zehn Millionen Hektoliter Bier, beschäftigt werden 2640 Mitarbeiter. Das Pilsener MES-Projekt verdeutlicht, was Unternehmen benötigen: Individuelle Lösungen auf der Basis von Standardplattformen. Der Systemintegrator muss Weltklasseprodukte, wie z.B. Simatic IT Unilab, Historian oder EAI, für die Bedürfnisse der Branche maß schneidern. Standardschnittstellen, wie hier OPC, bieten ein Maximum an Integration über die gesamte Prozesskette. All das bringt Sicherheit für Erweiterungen, Service, Upgrades und sichert somit letztendlich die vorgenommene Investition. Mit PMIS hat Siemens die in Pilsen vorhandenen Automatisierungsinseln integriert. Management und Mitarbeiter bekommen nun Informationen aus den unterschiedlichen Dateninseln der kompletten Wertschöpfungskette zum Vergleichen, Analysieren und Optimieren zur Verfügung gestellt. PMIS ist als MES-Lösung angebunden an das ERP-System SAP/R3. Es umfasst die Prozessvisualisierung, die Chargen-Rückverfolgung sowie das Chargen-Daten-Management und ein Tool zum Erfassen und Analysieren in Echtzeit. Weitere wesentliche Tools sind das Auftrags-Management, das Rezept-Management und das Labormanagement. Um Abläufe besser optimieren zu können, besteht für Berichte auch die Möglichkeit, Key Performance Indicators (KPIs) zu erzeugen - Grundlage, um die Effizienz der Anlage konkret bewerten zu können. Denn nur anhand nachvollziehbarer Werte lassen sich Entscheidungen über Optimierungen treffen, lässt sich eine Effizienz-Analyse vornehmen. Ein OPC Gateway bildet die Schnittstelle zu den Steuerungen der einzelnen Produktionsabteilungen, wie u.a. zum Sudhaus, Gär- und Lagerkeller sowie zur Abfüllung und Verpackung. Zum Einsatz kommen: Simatic S7-Steuerungen, PCs und Bediensysteme und andere Komponenten des Siemens-Bereichs A&D. Das Herzstück der MES-Lösung bildet eine Datenbank, in der über 10.000 Prozesswerte auflaufen - ständig automatisch aktualisiert. Die Datenbank bietet den Braumeistern zudem die Möglichkeit, ihre Prozess- und Produktqualität durch präventives Online-Daten-Management in Echtzeit weiter zu steigern. Hat sich der Aufwand für die Pilsener gelohnt? Konkrete Werte will man nicht nennen, nur soviel, dass die Investitionen auf vier Jahre gerechnet zurückfließen. Bei aller Automatisierung, ganz ohne den Faktor Mensch geht es auch bei der Bierherstellung nicht. „Dass Qualität und Geschmack des Bieres immer gleich bleiben müssen, ist eine nicht enden wollende Herausforderung für jeden Bierbrauer“, berichtet Tomas Dytrych. Doch trotz aller IT-Hilfen, für ihn steht fest: „Das Wissen eines erfahrenen Brauers kann kein System der Welt ersetzen.“

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