Studie Deutschland wird ein Wasserstoff-Importland sein

Von Sandro Kipar 3 min Lesedauer

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Trotz großer Anstrengungen wird Deutschland seinen Bedarf an grünem Wasserstoff nicht decken können. Andere EU-Länder haben größere Potenziale, investieren aber weniger in den Sektor. Forscher fordern von der EU mehr Steuerung bei dem Thema und geben fünf Handlungsempfehlungen.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien investieren aktuell am stärksten in den Aufbau einer Wasserstoff-Industrie. Zwar sind auch in Spanien einige Projekte geplant, beim Investitionsvolumen auf nationaler Ebene fällt das sonnenreiche Land hier aber weit hinter seinem Potenzial zurück. (Bild:  AddMeshCube - stock.adobe.com)
Deutschland, Frankreich und Großbritannien investieren aktuell am stärksten in den Aufbau einer Wasserstoff-Industrie. Zwar sind auch in Spanien einige Projekte geplant, beim Investitionsvolumen auf nationaler Ebene fällt das sonnenreiche Land hier aber weit hinter seinem Potenzial zurück.
(Bild: AddMeshCube - stock.adobe.com)

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI hat eine neue Studie zu Wasserstoff-Potenzialen in Europa veröffentlicht. Laut einer Mitteilung schöpft Europa diese Potenziale nicht genug aus. Die Autoren der Studie fordern deshalb eine stärkere Kooperation auf EU-Ebene.

Konkret stellten die Forscher fest, dass die größten Potenziale für die Produktion von erneuerbarer Energie im Jahr 2050 in Norwegen, Spanien und Frankreich liegen. Erneuerbare Energien sind eine Voraussetzung für grünen Wasserstoff und diese Länder haben für Wind- und Sonnenenergie ein besonders hohes Potenzial. Selbst bei starker Nutzung des eigenen Wasserstoffs hätten diese Länder noch Überschüsse, die sie exportieren könnten, so die Forscher. Doch die aktuellen Investitionen in eine Wasserstoff-Industrie fallen in Ländern wie Spanien deutlich kleiner aus, als etwa in Deutschland.

Laut den Forschern wird Deutschland trotz ambitionierter Ziele seinen Bedarf nicht alleine decken können. Die Bundesrepublik werde auf Importe angewiesen sein. Das liege unter anderem daran, dass das deutsche Potenzial für den Ausbau erneuerbarer Energien laut der Studie nicht einmal halb so groß wie die künftige Nachfrage ist. Weitere Länder mit größeren Versorgungslücken seien die Niederlande, Belgien, und Tschechien.

Fünf Empfehlungen an die EU

Um die Investitionen in Europa besser zu verteilen und um den Markthochlauf der Wasserstoff-Industrie in den Ländern mit hohem Potenzial gezielter zu fördern, formulierten die Forscher fünf Empfehlungen. Zunächst müssten höhere EU-Subventionen für Wasserstoffprojekte etabliert werden, die sowohl Produktion als auch die Anwendung einbeziehen. Dabei sollte eine Kumulierung mit nationalstaatlichen Fördermitteln vermieden werden, so die Forscher. Sie kritisieren außerdem die hohe Komplexität der aktuellen EU-Regulierungen und Unterstützungsprogramme. Im Vergleich dazu seien die steuerbasierten Förderprogramme der US-Regierung durch den US Inflation Reduction Act viel attraktiver für Investoren.

Des Weiteren sollten grenzüberschreitende Auktionen für grünen Wasserstoff ermöglicht werden. Ein aktuelles Modell der EU müsse daher um bilaterale Auktionen der Mitgliedsstaaten erweitert werden. Davon würden die wettbewerbsfähigsten Projekte sowie der innereuropäische Wasserstoffhandel profitieren. Zudem könnte die EU ein System nationaler Zielvorgaben für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien einführen, einschließlich jährlicher Zwischenziele, die mit dem Weg der EU zur Klimaneutralität bis 2050 vereinbar sind. Dies verhindere, dass Investitionen in erneuerbaren Wasserstoff die Dekarbonisierung des Stromsektors untergraben.

Die Länder mit einem Wasserstoff-Überschuss sollten zudem mit Wasserstoff-Defizit-Ländern bilaterale Partnerschaften aufbauen. Die Wasserstoffnutzung sollte bei Defizitländern außerdem vor allem in den Sektoren zum Einsatz kommen, die besonders schwierig zu elektrifizieren sind.

„Wasserstoff wird in den kommenden Jahren ein knappes Gut sein. Um den Bedarf der europäischen Wirtschaft nach Wasserstoff zu decken, wird mehr Kooperation zwischen den Ländern nötig sein“, sagt Studienautor Jakob Wachsmuth vom Fraunhofer ISI. „Besonders in den großen Industrieländern wie Deutschland könnte dies ein Problem werden, wenn nicht frühzeitig die politischen und finanziellen Weichen für innereuropäischen Handel gestellt werden.“ Klare Prioritäten bei der Nutzung von Wasserstoff könnten dabei helfen, die vorhandenen Potenziale besser einzusetzen.

Die vollständige Studie kann auf der Website des Fraunhofer ISI heruntergeladen werden.

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