Eine Studie von Roland Berger und dem BDI belegt, dass Rohstoffabhängigkeiten ein Milliardenrisiko für die deutsche Wirtschaft bedeuten.
Deutschlands Wirtschaft hängt stark von kritischen Rohstoffen wie etwa Lithium ab, die vor allem aus China kommen. Wenn der Handel zum erliegen kommt, sieht es nicht gut für uns aus, wie eine Studie von Roland Berger und dem BDI belegt.
(Bild: Matworld)
Deutschlands Industrie zählt bekanntlich zu den weltweit größten Verbrauchern von mineralischen Rohstoffen. Weil die meisten davon importiert werden müssen, besteht ein zunehmendes Risiko für die sichere Versorgung – also für Wachstum und Wohlstand. Würde China etwa als Hauptlieferant von Lithium und Lithium-Produkten wie Akkus ausfallen, drohe der deutschen Industrie ein Verlust von Wertschöpfung in Höhe von bis zu 115 Milliarden Euro. Rund 42 Milliarden davon würden die Autoindustrie betreffen, wie Experten von Roland Berger und dem BDI in ihrer gemeinsamen Studie „Wege aus der Abhängigkeit - wie Deutschland die Rohstoffe für eine zukunftsfähige Wirtschaft sichert“, hervorgeht. Gut, Lithium gilt dabei als Extrembeispiel. Doch die Autoren belegen auch anhand anderer Beispiele, wie wichtig eine umfassende politische Strategie für die sichere Versorgung mit kritischen Rohstoffen ist. Nicht zuletzt werde der Bedarf steigen. Deshalb empfehlen sie ein Bündel an Maßnahmen zu schnüren, das die Stärkung der heimischen Rohstoffförderung und -verarbeitung stärkt, die Diversifizierung der Lieferländer bietet sowie technische Innovationen unterstützt – zum Beispiel den Auf- und Ausbau einer Kreislaufwirtschaft, um kritische Rohstoffe sooft es geht, zurückgewinnen zu können.
Ohne diese Rohstoffe seien bekanntlich weder die Wende zur E-Mobilität noch die Energiewende im Allgemeinen erreichbar. Im Gegenteil! Denn durch Transformationen, wie die Dekarbonisierung und die Digitalisierung, steige die Nachfrage nach bestimmten Rohstoffen weltweit massiv. So prognostiziert die internationale Energieagentur IEA bis 2040 einen Anstieg des globalen Lithiumbedarfs im Vergleich zu 2020 um das 42-fache. Ähnliches gilt für Grafit (25-fach), Kobalt (21-fach), Nickel (19-fach) und Mangan (8-fach). Und trotz aller Mahnungen von Experten habe sich die den Landesentscheidern gut bekannte Abhängigkeit von Rohstoffimporten sogar noch verstärkt statt verringert.
Abhängigkeit von Chinas Rohstoffen hat zugenommen
Die Macher der Studie haben für 48 kritische Rohstoffe die Importkonzentration berechnet – ein Maß für die Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern. Im Jahr 2023 war diese demnach bei 23 Rohstoffen hoch bis sehr hoch. Bei zehn dieser Rohstoffe ist sie sogar angestiegen. So bezog Deutschland 2014 noch 32 Prozent seiner Importe von seltenen Erden aus China, aber 2023 waren es bereits 69 Prozent. Bei Germanium stieg der chinesische Anteil von 23 auf 40 Prozent, bei Bismut sogar von 24 auf 95 Prozent. Betrachte man nicht nur die Rohstoffe selbst, sondern auch daraus hergestellte Produkte, verschärfe sich das Bild nochmals. Die Experten führen wieder das Beispiel Lithium an. Demnach ist die Importkonzentration bei Lithiumkarbonat zwar gesunken, doch bei weiterverarbeiteten Lithiumprodukten (Akkus und Batterien) steigt sie schnell und stark an, heißt es. So importierte Deutschland 2014 noch 18 Prozent seiner Lithium-Akkus aus China. Aber heute sind es bereits 50 Prozent.
Sollte es zum Beispiel durch Handelskonflikte zu einem Totalausfall von China als Rohstoffquelle kommen, wären insgesamt gut 80 Prozent des deutschen Imports von Lithium und Lithium-Produkten verschwunden. Allein im Automobilsektor sind 34 Prozent der Wertschöpfung oder 52 Milliarden Euro auf lithiumhaltige Produkte angewiesen, betonen die Experten. Somit wären in diesem Sektor rund 42 Milliarden Euro Wertschöpfung in Gefahr. Durch die direkten und abgeleiteten Auswirkungen auf die Automobilindustrie entstünde sogar ein volkswirtschaftlicher Schaden von rund 88 Milliarden Euro, wie die Spezialisten ausgerechnet haben. Werden auch noch Auswirkungen in anderen Bereichen des verarbeitenden Gewerbes berücksichtigt, ergibt sich ein gesamtwirtschaftlicher Schaden von 115 Milliarden Euro.
Auf diesen drei Säulen kann Deutschland agieren
Das Beispiel Lithium zeigt also besonders drastisch, wie groß die Risiken einer Abhängigkeit von einzelnen Lieferländern sind. Aber auch bei anderen kritischen Rohstoffen sehe es kaum besser aus. Darum ist es höchste Zeit, Maßnahmen zu ergreifen und mit einer neuen, wirksamen Gesamtstrategie gegenzusteuern, wie die Experten fordern. Diese müsse auf drei Säulen stehen! Zum einen sollte die heimische Rohstoffförderung und -verarbeitung gestärkt werden – Deutschland schöpfe zum Beispiel bei Lithium sein Potenzial bisher nicht aus. Dafür brauche es aber unter anderem politische und regulatorische Planungssicherheit, staatliche Investitionen sowie finanzielle und steuerliche Anreize.
Die zweite Säule betrifft die Diversifizierung der Lieferländer – etwa durch Aufbau neuer und Vertiefung bestehender Rohstoffpartnerschaften. Zusätzlich sollte Deutschland eng mit unterschiedlichen Abnehmerländern zusammenarbeiten, um Synergien zu nutzen und gemeinsame Standards sowie Strategien zu entwickeln.
Stand: 08.12.2025
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Die dritte Säule steht für mehr Resilienz der Rohstoffversorgung – beispielsweise technologische Innovationen, wie etwa der zügige Aufbau der Kreislaufwirtschaft. Während die meisten metallischen Rohstoffe beliebig oft recycelt werden können, müssen für andere Rohstoffe noch entsprechende Recyclingverfahren entwickelt werden, wie die Analysten anmerken. Deshalb seien Investitionen in Forschung, Entwicklung und Transfer von Schlüsseltechnologien im Bereich der Kreislaufwirtschaft dringend geboten.