Der Fachkräftemangel quer durch alle Professionen macht Schlagzeilen ohne Ende – nicht zuletzt in der Elektrotechnik. Wie es aktuell auf dem Arbeitsmarkt für Elektroingenieure tatsächlich aussieht, zeigen Daten, Statistiken und Hintergründe.
Um so viele Prozent lag die Engpasssituation im 1. Quartal 2023 ober-/unterhalb des Vorjahresquartals.
(Bild: VDI)
Ingenieure finden sich nicht unter den Top Ten der meist gesuchten Berufsbildern im Jahr 2022. Erst auf Platz 11 taucht die Elektrotechnik auf. Dies ist eines der vielen Ergebnisse des „Dekra-Arbeitsmarktreport 2022“. Dennoch wächst die Nachfrage von Ingenieuren stetig: Laut Dekra-Arbeitsmarktreport ist der Stellenanteil für Technik-Fachpersonal um 0,5 Prozent gestiegen. Der „E-Boom“ spiele laut der Autoren der Spezialisierung Elektro- und Messtechnik in die Hände: Ihr Anteil am Berufsfeld liegt über dem Stand von 2019. Am häufigsten gesucht werden trotz eines Rückgangs um 9,2 Prozent immer noch IT-Berufe.
Rekordwert an offenen Stellen
Der Branchenverband VDI meldete für das erste Quartal 2023 einen Rekordwert an offenen Stellen in Ingenieur- und Informatikberufen. Rund 175.600 offenen Stellen auf dem Ingenieurarbeitsmarkt zählten die VDI-Analysten. Die größten Engpässe bestehen demnach in den Ingenieurberufen Technische Forschung und Produktionssteuerung mit einem Plus von 36,6 Prozent, in den Ingenieurberufen für Energie- und Elektrotechnik mit einem Zuwachs von 36,4 Prozent und in den Ingenieurberufen Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit plus 35,0 Prozent.
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Automotive-Branche sucht E-Technik Knowhow
Viele Branchen befinden sich mitten in einer digitalen Transformation und erschließen sich in Folge dessen neue Geschäftsmodelle. Unternehmen benötigen daher in einigen Bereichen Mitarbeitende mit anderen Kompetenzen als bisher. Als prominentes Beispiel hierfür greift der Dekra-Report die Automobilbranche auf. Hierfür wurden 350 Stellenangebote für Ingenieure in der Branche genauer untersucht. Ziel war es herauszufinden, welche Aufgaben sie bei ihrem zukünftigen Arbeitgeber übernehmen sollen und was diese von Bewerbenden erwarten.
Die Stichprobe beschränkt sich nicht auf eine bestimmte Fachrichtung, sondern es wurde mit den Suchbegriffspaaren „Ingenieur Automobil“ oder „Ingenieur Fahrzeug“ gearbeitet. Die Stellenangebote adressieren in gut einem Drittel der Fälle Jobsuchende mit Spezialisierung auf Maschinen- und Fahrzeugbau (35,4 Prozent) und bei etwa zwei Dritteln auf Elektrotechnik (64,6 Prozent).
An jedem vierten Arbeitsplatz Fahrzeuge oder Komponenten testen
Die Auswertung zeigt, dass an jedem vierten Arbeitsplatz die gesuchten Ingenieure Fahrzeuge oder Komponenten testen sollen. Da Kenntnisse häufiger in Offerten für Elektroingenieure vorkommen, dürfte es sich in der Regel um das Zusammenspiel elektronischer Komponenten im Fahrzeug sowie die Auswertung entsprechender Messdaten handeln, vermuten die Autoren. Was nachvollziehbar ist, da in modernen Fahrzeugen sehr viele Sensoren verbaut sind.
Der Dekra-Arbeitsmarkt-Report stellt zudem fest, dass sich in der Entwicklung etwa jede sechste der gesuchten Fachkräfte mit elektrischen Antrieben befassen soll. Sie sollten sich hierfür mit Steuerungs- und Regelungssystemen für elektrische Antriebe und Leistungselektronik auskennen; hier ist Know-how im Umgang mit Rapid Control Prototyping wichtig – eine Methode, mit der sie schnell entsprechende Systeme entwerfen, entwickeln und optimieren können. Außerdem wünschen Arbeitgeber laut Report immer wieder, dass sich die künftigen Mitarbeiter generell mit Regelungs- und Sensortechnik sowie Bussystemen auskennen (9,7 Prozent).
Bis ein neues Modell im Prüfstand steht, findet vieles in der virtuellen Welt statt. Dadurch hat sich der Prozess von der ersten Idee bis zur Abnahme eines neuen Fahrzeugs stark verkürzt. Trends wie autonomes Fahren und die forcierte Entwicklung hin zu Elektromobilität verändern die Automobilbranche und mit ihr die Arbeitswelt der Ingenieurberufe. Neben technischen Aufgaben in der Entwicklung, übernehmen sie im Berufsalltag oft Koordinationsaufgaben an der Schnittstelle zu anderen Abteilungen oder Auftraggebern, wie die Analyse von Stellenangeboten für Ingenieurinnen und Ingenieure im Automotive-Bereich zeigt.
Die Auswertung zeigt, dass sich Arbeitgeber hierfür erfahrene Fachkräfte wünschen, die nicht nur technisch stark sind, sondern auch teamfähig, kommunikativ und durchsetzungsfähig. Im Gegenzug locken sie mit vielen Extras. 59,7 Prozent der Ausschreibungen bieten eine flexible Arbeitszeitgestaltung an. 41,7 Prozent offerieren die Möglichkeit, mobil zu arbeiten. Mit einem attraktiven Gehalt locken hingegen nur 12,3 Prozent der Arbeitgeber.
Engpass in der Energie- und Elektrotechnik am gravierendsten
Trotz der konjunkturellen Abkühlung seit 2022 bleiben die Engpässe für Ingenieure und Informatiker hoch. Zu diesem Schluss kommt der „Ingenieurmonitor 2023/I“. Dabei unterscheiden sich die Engpässe deutlich zwischen den Berufen: Die größten Engpässe bestanden bei den Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik, vor den Ingenieurberufen Bau/Vermessung/Gebäudetechnik und Architektur. An dritter Stelle folgen die Informatikerberufe. Auch in allen anderen Ingenieurberufen zeigten sich im ersten Quartal 2023 Engpässe. Besonders stark ausgeprägt waren die Engpässe in den Ingenieurberufen Technische Forschung und Produktionssteuerung sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik und Energie- und Elektrotechnik. Im Vorjahresvergleich nahmen die Engpässe in den Bauingenieurberufen wieder stark ab, bleiben aber dennoch auf hohem Niveau.
Stand: 08.12.2025
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Betrachtet man die einzelnen Berufskategorien im ersten Quartal 2023, so wiesen die Informatikberufe mit 57.970 die meisten offenen Stellen auf. An zweiter Stelle folgten die Bauingenieurberufe mit 44.280 Stellen und an dritter Stelle die Ingenieurberufe der Energie- und Elektrotechnik mit 28.530 Stellen. Am stärksten war der Zuwachs des Stellenangebots im Jahresvergleich bei den Ingenieurberufen Technische Forschung und Produktionssteuerung mit 36,6 Prozent. Am zweitstärksten war der Zuwachs bei den Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik mit 36,4 Prozent. Hier dürfte auch der zunehmende zeitliche Druck bei der Energiewende eine wichtige Rolle spielen, vermuten die Autoren des Ingenieurmonitors. Ein Beleg dafür könnte sein, dass im vierten Quartal 2022 die Arbeitslosigkeit in den Ingenieurberufen für Energie- und Elektrotechnik um 2,1 Prozent verglichen zum Vorjahresquartal zurückging.
In der Energie- und Elektrotechnik legte der Indexwert stark zu
Um die prozentuale Veränderung bei den offenen Stellen zu verdeutlichen, bildetet der Ingenieurmonitor eine indexierte Arbeitskräftenachfrage in den Ingenieur- und Informatikberufen ab. Als Basismonat haben die Analysten Januar 2011 gewählt, da dieser Monat den Beginn der Aufzeichnungen der Arbeitsmarktstatistik in der aktuell verwendeten Klassifikation der Berufe darstellt. Bei den Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik legte der Indexwert stark zu: So stiegt das Niveau der offenen Stellen vom März 2022 mit einem Indexwert von 209 auf einen Wert von 257 im März 2023.
Besonders deutlich wird die Engpasssituation, wenn man die offenen Stellen in Relation zu je 100 Arbeitslosen setzt: die Engpasskennziffer. Ab einem Wert von 100 bespricht man von einem Engpass, da in der betreffenden Berufskategorie und Region nicht einmal theoretisch alle offenen Stellen mit den vorhandenen Arbeitslosen besetzt werden können. Die Ingenieurberufe Energie- und Elektrotechnik bilden ersten Quartal 2023 mit monatsdurchschnittlich 806 offenen Stellen je 100 Arbeitslosen den größten Engpass vor den Bauingenieurberufen mit einer Relation von 568 zu 100. Bricht man die Engpasskennziffer auf die einzelnen Bundesländer runter, zeigt, dass die Engpässe in einigen Regionen besonders stark ausgeprägt sind. So gab es in Baden-Württemberg 1845 Stellen pro 100 Arbeitslosen zu besetzen. Unwesentlich besser sah es in Bayern mit einer Engpasskennziffer von 1218 aus.