Powerlink Es gibt keine Alternative zu Industrial-Ethernet
Vor genau zehn Jahren hat B&R das Industrial-Ethernet-System Powerlink veröffentlicht, seit 2008 gibt es eine kostenfreie Open-Source-Version, inzwischen sind mehr als 500.000 Systeme weltweit installiert. Und geht es nach Stefan Schönegger, Business Manager Open Automation Technologies bei B&R, wird Powerlink auch in zehn weiteren Jahren als Technologieführer etabliert sein.
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Was, Herr Schönegger, waren und sind die zentralen Erfolgsfaktoren für Powerlink?
Ganz entscheidend war, die versprochene Leistung sehr schnell auch in Lösungen umsetzen zu können. Da waren wir einer der Ersten, vielleicht sogar der Erste überhaupt. So haben wir schnell Akzeptanz und Verbreitung gefunden. Ein zweiter Faktor ist das breite Einsatzfeld: Wir haben als B&R sowohl in der Prozessautomatisierung als auch über unsere Achssysteme Powerlink in den Markt gebracht, und zwar komplett durchgängig in allen Produkten und Anwendungsfällen.
Woher kam eigentlich der Zeitdruck?
Die ersten Ethernet-Lösungen aus den späten 1990er Jahren waren sehr IT-lastig und haben das Thema eher maschinenübergreifend betrachtet, also aus der Perspektive der Fabrikautomatisierung insgesamt. Als wir Ethernet dann bis in die Maschine gebracht haben, gab es zunächst viele Fragen hinsichtlich der Störanfälligkeit. Und wir mussten das Vertrauen rechtfertigen, dass Ethernet in einer Maschine auch bei 15 oder 20 Jahren Laufzeit das hält, was wir versprochen haben.
Worin unterscheiden sich die verschiedenen Systeme im Wesentlichen?
Es gibt im Prinzip zwei Klassen: die Nicht-Echtzeitsysteme mit starkem Fokus auf der maschinenübergreifenden Kommunikation, die jetzt damit kämpfen, Ethernet in die Maschine rein zu bringen. Die anderen Systeme kommen von der Feld- oder Steuerungsebene und haben von Anfang an eine kompromisslose Echtzeit-Fähigkeit als Kernattribut mitgebracht.
Selbst Experten haben mitunter Schwierigkeiten, die Systeme im Detail zu vergleichen. Worauf sollten Anwender bei der Auswahl auf jeden Fall achten?
Grundsätzlich muss man sagen: Ein Netzwerk ist ein Netzwerk und macht noch keine Maschine. Natürlich kann man, wenn man die falsche Auswahl trifft, eine Maschine vielleicht nicht so realisieren, wie man es ursprünglich wollte. Viel wichtiger aber ist, dass ein Hersteller, der ein Netzwerk – welches auch immer – promotet, auch das Know-how zur Umsetzung besitzt. Hier stellt sich schnell heraus, ob das Netzwerk hält, was die Hochglanzbroschüren versprechen. Kann ein Hersteller eine konkrete Lösung anbieten, ist man sicher auf einem guten Weg.
Sie empfehlen also, sich intensiver mit dem Lieferanten zu beschäftigen als mit der Technologie?
In den meisten Fällen – und da spreche ich von 95 Prozent und mehr – lässt sich sicher jedes beliebige Netzwerk verwenden, weil es einfach ausreicht. Umso mehr zählt dann die Lieferantenqualität. Nur im speziellen High-end-Markt lohnt sich der Aufwand, nach einer Vorauswahl mit zwei Technologien, zwei Herstellern bzw. zwei Hauptlieferanten in einen Versuchsaufbau zu gehen.
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