Autonome Fahrzeuge können mittlerweile schon auf kritische Situationen reagieren, die Fähigkeit, Handlungen vorherzusehen, fehlt allerdings noch. Diese Lücke wollen Wissenschaftler der Universität Paderborn schließen. Dazu nutzen sie KI-Methoden.
Die Paderborner Wissenschaftler Dr. Sandra Gausemeier (re.) und Dr. Tim Lehmann (li.) erforschen neue Technologien für sicheres autonomes Fahren.
(Bild: Thorsten Hennig | Universität Paderborn)
Ein Ball rollt auf die Straße, auf dem Bürgersteig steht ein Kind – bei Autofahrern läuten die Alarmglocken. Die Folge: Sie bremsen, weil sie davon ausgehen, dass das Kind auf die Straße rennt. Auch in anderen potenziell gefährlichen Situationen sind Autofahrer in der Lage, das Verhalten von Fußgängern zu erahnen.
Autonome Fahrzeuge, die das Straßenbild zunehmend prägen werden, können das nicht. Aktuelle Technologien reagieren zwar auf kritische Situationen, aber es fehlt an der Fähigkeit, Handlungen vorherzusehen. An der Universität Paderborn startet jetzt ein neues Forschungsprojekt, das diese Lücke schließen und autonome Fahrzeuge dazu befähigen will, die Absichten von Fußgängern zu erkennen, noch bevor sie handeln.
KI-Methoden und Bewegungsanalyse kombinieren
Die Zukunft des Verkehrs steht vor einer großen Herausforderung: Wie kann das Zusammenspiel von autonomen Fahrzeugen und Fußgängern gelingen – effizient und sicher? Diese Frage treibt Dr.-Ing. Sandra Gausemeier und Dr. rer. medic. Tim Lehmann um. Ihre Idee: Autonome Fahrzeuge sollen Handlungsabsichten erkennen, indem sie eine Kombination aus KI-Methoden (KI, künstliche Intelligenz) und Bewegungsanalyse verwenden. Der Ansatz ist neu und vielversprechend.
Dr. Gausemeier ist Expertin für Fahrerassistenzsysteme in der Fachgruppe „Regelungstechnik und Mechatronik“ am Heinz Nixdorf Institut. Die Forschung im Bereich der modellbasierten Entwicklung mechatronischer Systeme gehört also zum Alltag der Wissenschaftlerin.
Dr. Lehmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter im Arbeitsbereich Trainings- und Neurowissenschaften des Departments Sport & Gesundheit. Sein Spezialgebiet: Die Erforschung menschlicher motorischer Verhaltensweisen und der zugrundeliegenden neurokognitiven Prozesse.
Die beiden Wissenschaftler haben sich zusammengetan und führen für ihr Vorhaben u. a. experimentelle Untersuchungen zum Entscheidungsverhalten von Menschen durch. Diese dienen später als Grundlage für prädiktive, also voraussagende, Algorithmen in autonomen Fahrzeugen.
Durch die Kombination von künstlicher Intelligenz und neurokognitiver Analyse will das Projekt einen Paradigmenwechsel in der Interaktion zwischen Menschen und autonomen Systemen herbeiführen. Das ist nicht nur von großer Relevanz für die Gesellschaft, sondern im besten Sinne visionär.
Prof. Dr. Thomas Tröster, Vizepräsident für Forschung und akademische Karrierewege, Universität Paderborn
Für ihr Vorhaben sind die Wissenschaftler mit dem Forschungspreis der Universität Paderborn ausgezeichnet worden. Die Hochschulleitung vergibt die mit 150.000 Euro dotierte Auszeichnung als Anerkennung außergewöhnlicher Forschungsprojekte abseits des Mainstreams und fördert damit kühne Ideen für die Wissenschaft. „Durch die Kombination von künstlicher Intelligenz und neurokognitiver Analyse will das Projekt einen Paradigmenwechsel in der Interaktion zwischen Menschen und autonomen Systemen herbeiführen. Das ist nicht nur von großer Relevanz für die Gesellschaft, sondern im besten Sinne visionär“, sagt Prof. Dr. Thomas Tröster, Vizepräsident für Forschung und akademische Karrierewege der Universität Paderborn.
Autonome Systeme sollen dann in der Lage sein, nicht mehr nur klassische Kollisionsberechnungen, sondern auch die situative Aufmerksamkeit und Ablenkung von Fußgängern in die Manöverplanung einzubeziehen.
Dr. rer. medic. Tim Lehmann, Trainings- und Neurowissenschaften, Universität Paderborn
Experimentelle Untersuchungen zum Entscheidungsverhalten von Menschen
„Unser Ziel ist es, ein KI-basiertes System zu entwickeln, das künftige Handlungsabsichten von Fußgängern anhand ihrer Motorik einschätzen, ihr Verhalten vorhersagen, Risikoprofile erstellen und somit kritische Situationen proaktiv vermeiden kann“, erklärt Dr. Gausemeier. Dazu sollen erstmalig experimentelle Untersuchungen zum Entscheidungsverhalten von Menschen in realen urbanen Szenarien durchgeführt werden. „Das geht weit über simulations- oder laborbasierte Studien hinaus und adressiert die komplexen und hochdynamischen Interaktionen zwischen Mensch und Maschine. Autonome Systeme sollen dann in der Lage sein, nicht mehr nur klassische Kollisionsberechnungen, sondern auch die situative Aufmerksamkeit und Ablenkung von Fußgängern in die Manöverplanung einzubeziehen“, ergänzt Dr. Lehmann.
Mustererkennung, um menschliche Bewegungsabläufe zu erfassen
Die Verhaltensbestimmung anderer Fahrzeuge erfolgt u. a. anhand der Verkehrsregeln. Die Zahl der Handlungsmöglichkeiten ist damit auf wenige Optionen beschränkt. Fußgänger haben solche starken Einschränkungen nicht, sowohl die Bewegungs- als auch Entscheidungsmöglichkeiten sind deutlich flexibler: „An dieser Stelle sollen Methoden des maschinellen Lernens (KI) eingesetzt werden, um mittels Mustererkennung die Komplexität der menschlichen Bewegungsabläufe über mehrere Sekunden zu verstehen und Handlungsabsichten mit hoher Verlässlichkeit vorherzusagen“, führt Dr. Lehmann aus.
AFür die Datenerhebung sollen Testpersonen mit ,Eye Tracking‘, mobiler Elektroenzephalographie, also der Messung der Gehirnaktivitäten, multisensorischen mobilen Messsystemen und ,Motion Capturing‘ ausgestattet werden.
Dr.-Ing. Sandra Gausemeier, Fachgruppe „Regelungstechnik und Mechatronik“, Heinz Nixdorf Institut
Detaillierte Datenerhebung mit mehrstufigem Messverfahren
Für die Mustererkennung durch KI ist die Qualität der Trainingsdaten entscheidend. Dafür wollen die Wissenschaftler ein mehrstufiges Verfahren entwickeln. Dazu Dr. Gausemeier: „Für die Datenerhebung sollen Testpersonen mit ,Eye Tracking‘, mobiler Elektroenzephalographie, also der Messung der Gehirnaktivitäten, multisensorischen mobilen Messsystemen und ,Motion Capturing‘ ausgestattet werden. Das erlaubt es uns, die Auswirkungen situativer Parameter und des kognitiven zerebralen Entscheidungsverhaltens hinsichtlich der daraus entstehenden Bewegungsabläufe zu klassifizieren.“
Nach dem Training sollen die autonomen Systeme ausschließlich anhand der Onboard-Kamerabilder Absichten erkennen und daraus auf künftige Bewegungsabläufe schließen. „Mit diesem Lösungsansatz kann die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer substanziell erhöht werden“, hält Prof. Tröster fest. Mit ersten Ergebnissen rechnet das Team Anfang 2027.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.