Das Einzige, das dem Anwender beim Blick in der Halle nicht real erscheinen sollte, waren die Einblendungen mit den Informationen zu den Maschinen. Auf diese Weise sollte es möglich werden, das AR-User-Interface und die AR-Interaktionen passend zum Szenario zu entwickeln und mithilfe der VR-Anwendung zu testen. Die Schwierigkeit: Damit der Test funktionieren konnte, musste der Nutzer sich in der virtuellen Umgebung wirklich präsent fühlen. Aus diesem Grund wurde für das Projekt anstelle der üblichen 3D-Modelle ein Real-Film – von 360°-Kameras aufgenommen – der Maschinenhalle von Festo Polymer verwendet. Zusätzlich wurde eine Tonaufnahme erstellt, um die Geräuschkulisse in der Anwendung wiedergeben zu können. Für die Entwicklung des AR-Interaktionskonzeptes und des AR-User-Interfaces stellte Festo Polymer reale Daten zu Aufträgen der einzelnen Maschinen zur Verfügung. Diese Daten wurden als AR-Elemente gestaltet und sollten sich, wenn der Nutzer seinen Blick auf eine Maschine richtet, öffnen und die Daten anzeigen. Die AR-Elemente waren somit als Overlay direkt in der Maschinenhalle zu sehen, mit einer klaren Verbindung zur entsprechenden Maschine. Um eine Interaktion der Tester zu ermöglichen, wurde ein zur VR-Brille gehörender Controller verwendet. Durch das Drücken eines Knopfes konnten die Nutzer in die Detailansicht einer Maschine wechseln. So konnte z.B. der Nutzer eine Maschine ausschalten oder ein Werkzeug aussortieren. Für das Deep-Sight-Projekt wurde das Auftreten eines Fehlers an einem Werkzeug einer Maschine simuliert. Zu einer visuellen Fehlermeldung in Form eines Warndreiecks wurde gleichzeitig ein Warnton abgespielt, um den Nutzer auf den Fehler aufmerksam zu machen. Durch das Ausschalten der betroffenen Maschine oder das Aussortieren des fehlerhaften Werkzeugs konnten die Probanden den Fehler beheben. Für den abschließenden Testdurchlauf wurden 33 Personen mit der Aufgabe betraut, jeweils drei eingebaute Fehler in der Maschinenhalle in ca. drei Minuten zu beheben.
Augmented Reality kann die Arbeit erleichtern
29 der 33 Teilnehmer schafften es, bei dem Projekt alle Fehler zu beheben. Viele Testpersonen mussten sich jedoch zunächst an die Interaktion mithilfe des Controllers gewöhnen. Der Großteil der Probanden gab an, den Ausflug in die Maschinenhalle als positiv empfunden zu haben. Mit dem Projekt konnte Centigrade anhand eines Beispiels feststellen, dass es mithilfe von VR schon jetzt möglich ist, die Chancen und Schwierigkeiten von AR-Interaktionen zu betrachten. Mit einem Interaktionskonzept können AR-Anwendungen intuitiv und schnell erlernbar werden. Virtuelle Overlays lassen sich in die reale Umgebung integrieren und können so die Arbeit erleichtern und beschleunigen. Für die Zukunft der AR-Brillen zeigt diese Erkenntnis, dass, sobald gewisse technische Restriktionen überwunden sind, AR in der Fabrik eingesetzt werden könnte.