Messtechnik

Mit Minimum an Messdaten die Verteilernetze überblicken

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Erste Simulationsergebnisse des Projektes

Um die neuralgischen Netzpunkte zu identifizieren, welche gemessen werden sollen, muss man gemeinsame Charakteristika bestimmter Verbrauchertypen herausfinden und daraus repräsentative Gruppen bilden. Seifert erklärt: „Wir haben spezielle Profile für das Angergebiet erzeugt. Zwar gibt es Standardlastprofile vom BDEW, dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, diese sind jedoch über ganz Deutschland gemittelt. Sie repräsentieren nicht unbedingt eine lokale Gegebenheit.“ Ermittelt wurde auch, inwieweit die Phasen asymmetrisch belastet sind. Köpken sagt: „Früher war sehr oft die Phase L1 übermäßig belastet, inzwischen merkt man, dass die Elektriker bemüht sind, die Phasen gleichmäßig auszulasten. Je höher man in der Netzebene geht, desto ausgeglichener wird das Bild. Am Ortsnetztrafo sind die Spannungsunsymmetrien in der Regel wieder ausgemittelt.“ Auch dies ist eine Erkenntnis, die die ESTW im Pilotprojekt bestätigen konnte. Erfreulich wenige Probleme verursachen die PV-Anlagen. Die wesentlichen Daten einer Anlage, wie z.B. die Nennleistung, sind hier meistens bekannt, die speziell ermittelten Einspeiseprofile ergänzen dieses Wissen. Eine weitere Erkenntnis lieferte die Spannungsqualitätsanalyse: Es gibt keine Hinweise auf Störungen durch die Wechselrichter. Als Bewertung für die Qualität der Simulationen wurde ein Vergleich der simulierten Strom- und Spannungsverläufe mit den real gemessenen Werten vorgenommen. Gaby Seifert beschreibt den Prozess: „Wir konnten die Simulationsergebnisse und die benötigten repräsentativen Messstellen iterativ verbessern. Wir wollten wissen, welche Messstellen besonders geeignet sind und wie besonderes Kundenverhalten zu berücksichtigen ist.“ Mit der Auswertung konnten die Projektverantwortlichen eine Reduktion der Messstellen um 85 Prozent identifizieren.

Mit dem Pilotprojekt haben die Stadtwerke und die Universität Werkzeuge entwickelt, die zukünftig eine optimierte Netzplanung und das Monitoring der Betriebsmittelauslastung erleichtern können. Aber auch im laufenden Betrieb macht sich der Aufwand bemerkbar, etwa in den Möglichkeiten, die die Software Gridvis bietet. Annette Köpken nennt Beispiele: „Wir nutzen die standardisierten Spannungsqualitätsreports von Janitza, um zu überprüfen, ob die gültigen Normen eingehalten werden. Weiterhin werden die Leistungsdaten verwendet, um einen schnellen Überblick über die Auslastung des Netzes zu bekommen. Ein Peak tritt z.B. auch bei Wartungsarbeiten auf, wenn man Stationen über das Niederspannungsnetz zusammenschaltet.“ Kilian Eckert kommentiert abschließend: „Wenn man die Daten nicht im Minutentakt erfassen und auswerten will, benötigt man keine Glasfaser-Anbindung. Dies geht auch über die vorhandene Fernwirktechnik oder über ein Auslesen per Notebook. Je genauer man die Jahreshöchstleistung messen und ermitteln kann, desto genauer wird das Entgelt berechnet.“

* *Martin Witzsch, Freier Journalist

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