Energiemesstechnik

Mit mobilem Messkoffer den Potenzialen auf der Spur

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Optimierung einmal um den Erdball

Diese Mission hat ihn und Frank Blase schon einmal um den Erdball geführt, nach China, Russland, Amerika. Um sich das Ergebnis einer erfolgreichen Optimierung anzuschauen, muss man allerdings nicht allzu weit reisen. In den Produktionshallen an der Nonnendammallee in Berlin stehen die Zeichen auf Energieeinsparung und Wartungsoptimierung. Mithilfe des Messkoffers konnte beispielsweise das Potential für die Effizienzsteigerung eines sehr energielastigen Fertigungsschritts ermittelt werden: In der Vergangenheit diente eine einfache Infotafel mit farbigen Magneten als einzige Orientierung für die Produktionssteuerung einer Gruppe aus 25 Temperöfen. Die Visualisierung der Lastgänge brachte zweierlei Erkenntnisse – einerseits wurden die zur Verfügung stehenden Kapazitäten nur unzureichend genutzt, andererseits konnten Ausfälle und notwendige Wartungen aufgrund eines fehlenden Bedienpults (HMI) nicht oder erst zu spät erkannt werden.

Im Anschluss an die erste Analyse mit dem Messkoffer wurde der Wago-Controller PFC200 zur Steuerung der Energiemessmodule fest installiert. „Wir haben einfach das Layout der Ofengruppe in der Webvisu der Steuerung abgebildet und alle Zustände der Anlagen eins-zu-eins von der Infotafel übernommen. Die Codesys-Plattform hat sich hier bestens in das Gesamtkonzept eingefügt“, erläutert Frank Blase. Mit einem einfachen Script werden nun auch alle Energieverbräuche an das konzernweite Energiemanagementsystem deZem gesendet. „Weil unsere Anlagen jetzt – ganz im Sinne von Industrie 4.0 – jederzeit aktuelle Informationen an den Instandhalter senden, können Wartungsarbeiten zeiteffizient im Tagesgeschäft durchgeführt werden. Dadurch werden kostspielige Ausfälle auf ein Minimum reduziert“, fasst Andreas Heyde zusammen.

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Wago-I/O-System als zentrale Sammelstelle

Die Spezialisten nutzen das Wago-I/O-System 750 als zentrale Daten-Sammelstelle. Die mehr als 500 zur Verfügung stehenden I/O-Module gewährleisten hierbei, dass nahezu jedes Signal erfasst werden kann – je nach vorherrschender Anforderung. Immer mit an Bord: Die 3-Phasen-Leistungsmessklemme, mit der alle relevanten Messgrößen eines dreiphasigen Versorgungsnetzes erfasst und direkt in der Klemme verarbeitet werden – darunter die Blind-, Schein und Wirkleistung, der Energieverbrauch und Leistungsfaktor. „Das, was wir bei Wago standardmäßig dazubekommen, verkaufen uns andere Hersteller als besonderes Feature – mit entsprechender Rechnung natürlich“, fasst Frank Blase zusammen.

Zur Visualisierung der ausgelesenen Werte greift der Anwender zum integrierten Tablet, auf dem unter anderem die WebVisu-App installiert ist. Mit ihr lassen sich alle eingesetzten Wago-Komponenten unkompliziert überblicken und konfigurieren. Als sinnvolle Ergänzung hierzu wurde ein eigenes Wago-Plugin für die Messdatenerfassungs-Software IPEmotion entwickelt. Aus dieser Anwendung heraus ist es – bei Bedarf – wiederum möglich, die Informationen an die Energiecontrolling- und Energiemanagement-Software deZem zu übergeben. Mit der Kombination aus Web-Visualisierung, IPEmotion und deZem stehen leistungsstarke Software-Tools zur Auswertung und Weiterverarbeitung der eingesammelten Daten bereit.

Derzeit befinden sich drei Messkoffer am Standort Berlin, andere wurden bereits weltweit ausgeliefert. „An Flughäfen sind wir es übrigens gewohnt zu erklären, was es mit den ganzen Kabeln und technischen Komponenten auf sich hat. Bei unseren Kunden ist das mittlerweile gar nicht mehr nötig: Einerseits hat sich herumgesprochen, wie effektiv der Koffer ist. Andererseits haben wir auf dem integrierten Tablet eine umfassende E-Learning-Plattform hinterlegt, mit der viele Fragen und Grundlagen vorab geklärt werden“, erzählt Andreas Heyde stolz: „Verbesserungspotential finden wir zwar in den Produktionen, mit unserem Messkoffer sind wir allerdings derzeit mehr als zufrieden.“

* *Lukas Dökel, Global Key Account-Manager, Wago

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