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Energiemesstechnik Mit mobilem Messkoffer den Potenzialen auf der Spur

| Autor / Redakteur: Lukas Dökel / Sariana Kunze

Ob zustandsorientierte Wartung oder Energiemanagementsystem nach ISO 50001: Transparente Daten bilden die Grundlage für jegliche Optimierung. Bevor Automatisierungstechnik gleich fest im Schaltschrank installiert wird, lohnt sich eine Potentialanalyse. In mobilen Messkoffern zur Potentialanalyse und zur anschließenden festen Installation im Schaltschrank setzt Ledvance auf das Wago-I/O-System 750.

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Messkomponenten, Steuerungstechnik, Visualisierungseinheit: In dem handgepäckgroßen Messkoffer ist alles untergebracht, was zur Erfassung unterschiedlichster Daten benötigt wird – von Energiewerten bis hin zu Medienverbräuchen.
Messkomponenten, Steuerungstechnik, Visualisierungseinheit: In dem handgepäckgroßen Messkoffer ist alles untergebracht, was zur Erfassung unterschiedlichster Daten benötigt wird – von Energiewerten bis hin zu Medienverbräuchen.
(Bild: Wago)

Wenn Andreas Heyde und Frank Blase auf Dienstreise gehen, dann kommt es beim Security-Check schon mal zu längeren Diskussionen. Denn: Neben Reisetasche und Trolley geben die beiden meistens ein weiteres Gepäckstück auf – und zwar eines, mit dem das Sicherheitspersonal hinter dem Röntgen-Scanner nichts anfangen kann. Heyde, 50, waschechter Berliner, und Blase, 43, gebürtiger Siegerländer, merkt man die Begeisterung an, wenn sie von ihrem mobilen Messkoffer sprechen, den sie vor rund drei Jahren für Osram zu entwickeln begannen. Der Projektkoordinator und der Messtechnikexperte engagierten sich zusammengenommen über vier Dekaden für den Lichthersteller am Standort Berlin.

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„Energy Efficiency“-Initiative deckt Energieverbräuche auf

Gemeinsam mit ihren Kollegen aus der Abteilung Equipment Engineering arbeiteten sie daran, Osram technisch wie ökonomisch voranzutreiben. Dazu entwickelten und realisierten sie neue Anlagen, gaben Support für Produktion und Prozesse und hielten alles zusammen, was irgendwie mit Projekt- und Risikomanagement zu tun hatte. Der mobile Messkoffer ist ein Resultat dieser Arbeit, entstanden aus der „Energy Efficiency“-Initiative, die Osram 2012 ins Leben gerufen hatte. Im Geschäftsjahr 14/15 wurden mehr als 21 GWh Strom und 10 GWh Gas eingespart – so viel, wie eine deutsche Kleinstadt im Jahr verbraucht. Die steigenden Energiekosten und die 2011 veröffentlichte ISO 50001 waren ausschlaggebend dafür gewesen, das Engagement in diesem Bereich zu verstärken.

Damit war Osram seiner Zeit ein gutes Stück voraus: Die europäische Energieeffizienz-Richtlinie 2012/27/EU schrieb für deutsche Großunternehmen nämlich erst ab Dezember 2015 regelmäßige Energieaudits oder ein Energiemanagementsystem vor. Das Ziel war ein gemeinsamer Rahmen zur Förderung der Energieeffizienz in der Europäischen Union. Osram erfüllte die gesetzlichen Vorgaben der ISO 50001 bereits ein Jahr früher. „Der mobile Messkoffer hatte wesentlich Beitrag an diesem Erfolg“, erklärt Projektkoordinator Heyde. Mit der rechtlichen Verselbstständigung des Osram-Geschäftsbereichs Lamps unter dem neuen Namen Ledvance ging das Projekt mit dem Messkoffer dann als „new business“ in das neue Unternehmen über. „Dank der gestiegenen Flexibilität in dem jetzt kleineren Unternehmen können wir noch besser daran arbeiten, den Koffer als erste Wahl zu positionieren, wenn es darum geht, Energieeinsparpotentiale erstmals zu identifizieren.“

Mobiler Messkoffer baut Hemmschwellen ab

Hinter dem handgepäckgroßen Hardcase verbirgt sich ein cleveres Zusammenspiel aus Messkomponenten, Steuerungstechnik und Visualisierungseinheit. „Auf 53 x 35 x 22 cm haben wir all das untergebracht, was zur Erfassung unterschiedlichster Daten benötigt wird – modular aufgebaut und nach dem Plug-and-play-Prinzip direkt einsetzbar“, sagt Diplomingenieur Frank Blase. Auf diese Weise gewinnt der Anwender eben nicht nur Einblicke in die Energieverbräuche, sondern erhält zudem detaillierte Angaben zu allen gewünschten Medienverbräuchen einer Anlage oder Fertigungslinie – zum Beispiel Druckluft, Schwingungen, Temperatur sowie weitere digitale und analoge Werte.

Das Konzept hinter dem Koffer: Licht ins Dunkel bringen und erste Einsparpotentiale aufdecken. Durch den Einsatz leicht nachzurüstender Technik wie Klappstromwandler und Rogowskispulen verläuft die Installation – ebenso wie der Rückbau – zügig und weitestgehend ohne Unterbrechung der Produktion. Eingriffe in die Maschinensteuerung oder Elektrik sind in der Regel nicht notwendig. Erst dann, wenn die neugewonnenen Daten für eine Verbesserung der Energieeffizienz oder des Prozessablaufs sprechen, wird die Automatisierungstechnik schließlich fest in einen Schaltschrank installiert. Andreas Heyde sieht noch einen weiteren Vorteil: „Mit dem kurzzeitigen Einsatz des Koffers und dem erbrachten Nachweis, dass es sich lohnt, an einer Produktionsanlage oder in der Werktechnik aktiv zu werden, sinkt bei den Verantwortlichen die Hemmschwelle, überhaupt etwas zu unternehmen.“

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