Stefan Schönegger, Geschäftsführer der Ethernet Powerlink Standardization Group (EPSG) (EPSG)
Stefan Schönegger, Geschäftsführer der Ethernet Powerlink Standardization Group (EPSG): Es gibt erhebliche Unterschiede am Markt, was das Angebot an zertifizierten Produkten betrifft. Auch wenn mittlerweile vermeintlich fast jeder Hersteller Safety-Lösungen in seinen Hochglanzbroschüren stehen hat, so zeigt sich auf den zweiten Blick, dass manche Hersteller in der Entwicklung noch ganz am Anfang stehen und einen sehr langen Weg vor sich haben.
Wir haben bereits 2004 mit der Entwicklung von Sicherheitstechnik begonnen und haben unser Portfolio erstmals im Jahr 2008 in Serienmaschinen eingesetzt. Seither haben wir noch massiv in den Ausbau und in die Skalierbarkeit unserer Sicherheitslösung investiert. Wir können heute unseren Kunden je nach Anwendung eine exakt auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösung bieten. Dies reicht von einfachsten Anwendungen wie Not-Aus und Türzuhaltung über umfassende Safe-Motion-Anwendungen bis zu sicheren Robotikfunktionen. Open-Safety spielt in allen Anwendungen die zentrale Rolle.
Holger Zeltwanger, geschäftsführendes Vorstandsmitglied von CAN in Automation und CiA-Geschäftsführer (CAN in Automation)
Holger Zeltwanger, geschäftsführendes Vorstandsmitglied von CAN in Automation und CiA-Geschäftsführer: Das weiß ich nicht. Ich bin kein Safety-Ethernet-Experte. Allgemein ist der Maschinenbau recht konservativ bei der Einführung von funktionaler Sicherheit. Das liegt auch daran, dass sich die Sicherheitsnormen noch verändern und sich entsprechende zertifizierte Geräte noch nicht in der bunten Vielfalt am Markt befinden, wie die Maschinenbauer es von den herkömmlichen Kommunikationssystemen gewohnt sind. Außerdem sind die finanziellen Hürden für die Einführung elektronischen Systemen mit funktionaler Sicherheit recht hoch.
Martin Schuller, Obmann Varan-Bus-Nutzerorganisation (VNO) (VNO)
Martin Schuller, Obmann Varan-Bus-Nutzerorganisation (VNO): Bei vielen Maschinenbauern ist Safety-Ethernet gerade in der Testphase. Safety über ein Bussystem erscheint vielen noch zu heikel, zudem verunsichert die derzeitige Inkompatibilität der verschiedenen Safety-Protokolle die Kunden zusätzlich. Natürlich geht es auch bei Safety-Ethernet primär um den Kundennutzen. Bei einer Maschine mit geringer Komplexität kann aus Kostengründen eine klassische Verdrahtung der Notausfunktionen sinnvoll sein.
Bei komplexen Anwendungen bringen Konzepte, die die zusätzliche Verdrahtung von Sicherheitsgeräten überflüssig machen, Vorteile - vor allem in Hinblick auf die Flexibilität. Bei vielen potentiellen Anwendern besteht aktuell das Problem, dass Arbeiten, die bisher in der Elektroplanung angefallen sind, nun in Software realisiert werden und in den Softwareabteilungen das entsprechende Know-how nicht vorhanden ist.
Martin Müller, Leiter des Geschäftsbereichs I/O and Networks bei Phoenix Contact Electronics (Phoenix Contact)
Martin Müller, Leiter des Geschäftsbereichs I/O and Networks bei Phoenix Contact Electronics: Die Umsetzung der funktionalen Sicherheit über Ethernet-basierte Kommunikationssysteme hängt erheblich von der Art der Maschine und der Größe der Automatisierungslösung ab. In sehr kleinen Maschinen mit geringen Abmessungen kommen deswegen heute aus Kostengründen noch überwiegend Sicherheitsrelais zum Einsatz. Sie stellen die einfachste und kostengünstigste Lösung dar. In mittleren Maschinen und Anlagen, in denen zwar eine Ethernet-basierte Kommunikationslösung verwendet wird, aber nur wenige sicherheitsgerichtete Signale übertragen werden müssen, ist die Nutzung eines Safety-Bussystems mit sicherheitsgerichteter Steuerung häufig zu aufwändig. Für derartige Anwendungen gibt es Lösungen wie das SafetyBridge-System, das ohne eine sicherheitsgerichtete Steuerung auskommt und über das vorhandene Netzwerk sichere Ein- und Ausgangssignale verteilt. So können mehrere Not-Aus-Taster oder andere Sicherheitsvorrichtungen auf mehrere Ausgangssignale – zum Beispiel von Antrieben - wirken.
In großen Maschinen und Anlagen mit vielen dezentral angeordneten Unterstationen spielen Ethernet-basierte Safety-Lösungen wie Profisafe ihre volle Leistungsfähigkeit aus. In Verbindung mit der sicherheitsgerichteten Steuerung können alle busfähigen Komponenten, die den Profisafe-Stack implementiert haben, in die Sicherheitslösung integriert werden.
Peter Lutz, Managing Director Sercos International (Sercos International)
Peter Lutz, Managing Director Sercos International: Gegenüber einer konventionellen Verdrahtung von Sicherheitssignalen resultiert der Einsatz einer integrierten Sicherheitstechnik in Verbindung mit sicheren Bussystemen bzw. Safety-Ethernet zwar in einer höheren Flexibilität und einem geringeren Verkabelungsaufwand. Allerdings steht diesen Vorteilen eine höhere Komplexität sowohl für Gerätehersteller wie auch für Maschinenbauer gegenüber. Nicht gerade förderlich ist in diesem Zusammenhang, dass für die meisten Bussysteme ein spezifisches Safety-Protokoll implementiert werden muss. Dadurch ist die Gerätevielfalt oftmals noch eingeschränkt. Maschinenbauer lösen deswegen die Sicherheitstechnik häufig noch konventionell, insbesondere bei einfachen Maschinen oder in Maschinen, bei denen keine integrierte Sicherheitstechnik seitens des Betreibers gefordert wird.
Eine bessere Akzeptanz von Safety-Ethernet lässt sich unter anderem damit erreichen, dass Anwender und Hersteller ein einheitliches Sicherheitsprotokoll für verschiedene Bussysteme nutzen können. Aus diesem Grunde verwenden wir bei Sercos den offenen Standard CIP Safety, der auch bei Ethernet/IP und Devicenet zum Einsatz kommt.
Frank Iwanitz, Product Manager Industrial Ethernet bei Softing Industrial Automation (Softing)
Frank Iwanitz, Product Manager Industrial Ethernet bei Softing Industrial Automation: Grundsätzlich ist Safety eine Funktionalität, über die es keine Diskussion gibt: Entweder ist sie für einen bestimmten Anlagenteil erforderlich oder sie wird nicht realisiert. Erst dann ist zu klären, ob Safety über Industrial-Ethernet oder über traditionelle Lösungen, das heißt parallel zur Datenkommunikation, realisiert wird. Gründe dafür sind, dass preislich interessante und einfach zu bedienende Safety-Geräte auf Industrial-Ethernet-Basis fehlen oder die Verwendung desselben Protokolls sowohl zum Datenaustausch als auch für die Safety-Kommunikation in Frage gestellt wird. Außerdem muss oft nur eine Teilfunktionalität eines Automatisierungsgeräts Safety-Anforderungen abdecken, so dass der Einsatz eines Safety-Geräts zu teuer ist.
Die steigende Anzahl an verfügbaren Geräten mit Unterstützung von Industrial-Ethernet und integrierter Safety-Lösung weist aber auf eine Bewegung im Markt hin. Softing arbeitet an einem Angebot für seine Kunden, um sie in naher Zukunft auch im Safety-Umfeld aktiv unterstützen zu können.